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NDB-Artikel

<< Jung, Gustav     Jung, Johann Heinrich Jung genannt Stilling >>

Jung, Heinrich

Mathematiker, * 4.5.1876 Essen, 12.3.1953 Halle.


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Wilhelm ( 1891), Oberbergrat in E., S d. Wilhelm (1802–77), Geh. Bergrat in St. Goar u. St. Johann b. Saarbrücken, zuletzt in Bonn, u. d. Karoline Hein; M Helene Schaefer; Ov Karl (1817–69), Bergschuldir. in Siegen; - 1912 Grete, T d. Kaufm. Richard Neukranz in Hannover u. d. Ida Schaefer; 3 S, 1 T .

Leben  
J. studierte seit 1895 in Marburg und vorübergehend in Berlin Mathematik, Physik und Chemie. Einen besonderen Einfluß übten dabei auf ihn K. Hensel in Berlin und F. Schottky in Marburg aus, der ihn auch zu seiner Dissertation anregte: „Über die kleinste Kugel, die eine räumliche Figur einschließt“ (1899, Journal f. d. reine u. angew. Math. 123, 1901). Obwohl er in demselben Jahr die Prüfung für das höhere Lehramt ablegte und in den beiden folgenden Seminar- bzw. Probekandidat in Bonn und Düsseldorf wurde, habilitierte er sich bereits 1902 in Marburg. Bis 1908 blieb er dort Privatdozent, bevor er für 5 Jahre eine Oberlehrerstelle an einer Hamburger Oberrealschule übernahm. Während dieser Zeit veröffentlichte er eine Reihe von Arbeiten, in denen die Hauptthemen seiner späteren Forschungen bereits anklingen. 1913 erhielt er ein Ordinariat in Kiel. Seine dortige Tätigkeit wurde durch Kriegsdienst (1917/18) und eine kurze Mathematikprofessur an der Univ. Dorpat (1918) unterbrochen. 1920 folgte er einem Ruf an die Univ. Halle, wo er 31 Jahre lang wirkte.
J. hat 61 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, die sich hauptsächlich drei Gebieten widmen: 1. den Punktsystemen in der Ebene und im Raum, 2. den Integralen und Thetafunktionen algebraischer Funktionenkörper einer Veränderlichen, 3. der arithmetischen Theorie der algebraischen Funktionen von zwei Veränderlichen. Zur Beschäftigung mit dem ersten Thema wurde er durch seine Dissertation angeregt. Unter Schottkys Einfluß und mit diesem gemeinsam führte J. die Theorie der allgemeinen Thetafunktionen weiter und gelangte zu solchen, die allgemeiner als die Riemannschen sind, aber sich durch diese ausdrücken lassen. Seine bedeutendste Leistung, durch die sein Name international bekannt wurde, ist jedoch die von ihm geschaffene arithmetische Theorie der algebraischen Funktionen von zwei Veränderlichen, die auf der grundlegenden Arbeit über die Uniformisierung der algebraischen Funktionen von zwei Veränderlichen in der Umgebung einer Stelle x = a, y = b aufbaut. In den anschließenden Arbeiten schuf J. mit Methoden, die aus der Henselschen Zahlentheorie erwuchsen, die Begriffe, mit deren Hilfe sich die Sätze über algebraische Flächen streng beweisen lassen. Insbesondere wurden seine Untersuchungen über birationale Transformationen wichtig. Eine zusammenfassende Darstellung der Anwendungen seiner Methoden auf die Theorie der algebraischen Flächen enthält seine Monographie „Algebraische Flächen“ (1925), während die.„Einführung in die Theorie der algebraischen Funktionen zweier Veränderlichen“ (1951) die arithmetisch-funktionentheoretischen Arbeiten zusammenfaßt. Während J.s Arbeiten zum Gesamtgebiet der algebraischen Flächen allgemeine Zustimmung fanden, da sie den Ergebnissen der Geometer erst ein sicheres Fundament verliehen, stießen seine arithmetisch-funktionentheoretischen Methoden, die nicht ohne weiteres anschaulich-geometrisch zu fassen sind, auf Ablehnung. Sie ermöglichen jedoch, Flächen zu behandeln, die mit den anschaulich-geometrischen Methoden nicht zu beschreiben sind|

Auszeichnungen  
Mitgl. d. Leopoldina.

Werke  
Weiten W u. a. Die Wurzelfunktionen in dem durch d. Gleichung G (p, q) = 0 vom Range 2 u. durch d. Gleichung z = H (p, q) definierten algebra. Körper K (p, q, z), Habil.schr. Marburg 1902; Darst. d. Funktionen e. algebra. Körpers|zweier unabhängiger Veränderlicher x, y in d. Umgebung e. Stelle x = a, y = b, in: Journal f. d. reine u. angew. Math. 133, 1908, S. 289-314.

Literatur  
F. Klein, Vorlesungen üb. d. Entwicklung d. Math, im 19. Jh., 1926; O.-H. Keller u. W. Engel, in: J.ber. d. Dt. Mathematikervereinigung 58, 1950, S. 5-10, wieder in: Wiss. Zs. d. Univ. Halle, Math.-Nat. R., 4, 1954/55, S. 417-22 (vollst. W-Verz. einschl. d. v. J. angeregten Diss.); Pogg. V-VII.

Portraits  
Phot. (Halle, Leopoldina).

Autor  
Eberhard Knobloch
Empfohlene Zitierweise  

Knobloch, Eberhard, „Jung, Heinrich“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 664 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117234621.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 10 (1974), S. 664 f.
Erwähnungen: 
NDB 23 (2007), S. 136*

PND: 117234621
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Index

Jung, Heinrich

Name: Jung, Heinrich
Lebensdaten: 1876 bis 1953
Geburtsort: Essen
Sterbeort: Halle
Beruf/Lebensstellung: Mathematiker
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Knobloch, Eberhard
PND: 117234621

Weitere Informationen

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Jung, Heinrich

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117234621

Normdaten
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