Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Johann I.     Johann Casimir >>

Johann II.

Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Zweibrücken (seit 1604), Administrator der Kurpfalz (1610–14), * 26.2.1584 Bergzabern, 9.8.1635 Metz. (reformiert)


GenealogieLebenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Johann I. ( 1604), Pfalzgf., Hzg. v. Z. (s. NDB X); B Joh. Casimir ( 1652, s. NDB X); - 1) 28.7.1604 Katharina (1578–1607), T d. Gf. Renatus v. Rohan, 2) 4.5.1612 Luise Juliane (1594–1640), T d. Kf. Friedrich IV. v. d. Pfalz ( 1610, s. NDB V); 1 T aus 1) Magdalena Katharina ( 1648, 1630 Pfalzgf. Christian I. v. Birkenfeld, 1598–1654), 1 S, 6 T aus 2), u. a. Friedrich (1616–61), Pfalzgf., Hzg. v. Z., Juliane Magdalene ( 1672, 1645 Friedrich Ludwig, 1619–81, Pfalzgf., Hzg. v. Z.-Landsberg).

Leben  
Nach dem Tode des Vaters übernahm J. mit der Regierung des Hzgt. Zweibrücken auch die von diesem begründete Anlehnung an die gleichfalls ref. Kurpfalz, der er auch 1609 in die ev. Union folgte. Im Jülicher Krieg machte er Ansprüche geltend, er mußte aber hinter Pfalz-Neuburg und Kurbrandenburg zurücktreten. Dafür fiel ihm im Sept. 1610 gemäß dem Testament Friedrichs IV. von der Pfalz die Vormundschaft über dessen unmündigen Sohn Friedrich V. zu, die er sich entschlossen sicherte – trotz heftiger Anfeindungen durch seinen luth. Oheim Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, der die Administration der Kurpfalz als nächster Agnat gemäß der Goldenen Bulle beanspruchte. J. vermochte sie bis zur Volljährigkeit Friedrichs V. 1614 zu behaupten. So bewahrte er in der prot. Vormacht Kurpfalz das ref. Bekenntnis. Zugleich war er Haupt der ev. Union. Hatte J. sein Hzgt. Zweibrücken im patriarchalischen Geist seines Vaters regiert, so traten nun die Zweibrück. Angelegenheiten hinter seine Tätigkeit in Heidelberg zurück. Wichtig wurde hier, daß es ihm gelang, 1613 die engl. Heirat Friedrichs V. zustande zu bringen. Auch das 1612 anfallende Reichsvikariat der Kurpfalz vermochte er gegen neuburg. Ansprüche zu behaupten. Er knüpfte durch die Ehe mit der Pfälzer Prinzessin das Band zum Heidelberger Kurhaus noch enger. Seine Politik als Administrator war bei aller Entschiedenheit eher vorsichtig, was bei einigen der radikaleren Heidelberger Räte Kritik auslöste.
Im Okt. 1620 übernahm J. für den zum König von Böhmen gewählten Friedrich V. die Statthalterschaft in Heidelberg, gewann aber naturgemäß nicht mehr den Einfluß auf die Pfälzer Politik wie 1610-14. Er stand dieser recht skeptisch gegenüber und kehrte im Sept. 1621 in sein Territorium zurück, da er es vermeiden wollte, Pfalz-Zweibrücken in die Katastrophe des mittlerweile geächteten Winterkönigs zu ziehen. Nach der Auflösung der Union versuchte er eine verzweifelte Neutralitätspolitik, die aber vor allem die südlichen Ämter des Herzogtums nicht vor schweren Schäden durch Kriegsdurchzüge|bewahren konnte. 1628 erging ein kaiserl. Befehl an J., das Kloster Hornbach, Sitz des Zweibrückener Gymnasiums, zu restituieren; J. verlegte die Schule nach Zweibrücken. Das faktische Scheitern seiner Neutralitätspolitik, die von der zunächst in Süddeutschland dominierenden kaiserl. Partei wenig honoriert wurde, führte dazu, daß sich J. 1634 dem Heilbronner Bund mit Schweden anschloß. Nach der Nördlinger Schlacht kam es infolgedessen zu einem verheerenden Einfall des Generals Gallas ins Herzogtum. J. starb kurz darauf. Er hatte sich als väterlich fürsorgender Landesfürst um das Wohl der Untertanen bemüht. Er hing treu dem ref. Bekenntnis an und tat wie sein Vater viel für Bildung und Kirche. Am Ende seines Lebens mußte er den Ruin seines Landes mit ansehen, von dem es sich nie mehr ganz erholen sollte. Auch die Hilfe der Landschaft vermochte den Staatsbankrott nicht zu verhindern.

Literatur  
Briefe u. Akten z. Gesch. d. 30j. Krieges I-XI, 1870-1909; J. G. Lehmann, Gesch. d. Hzgt. Zweibrücken u. s. Fürsten, 1867; M. Ritter, Pol. u. Gesch. d. Union z. Z. d. Ausgangs Rudolf II. u. d. Anfänge d. Kaisers Matthias, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1880; Ph. K. Heintz, Das ehemal. Fürstentum Pfalz-Zweibrücken während d. 30j. Krieges, 21895; J. Kretzschmar, Der Heilbronner Bund, 3 Bde., 1922; A. Tecke, Die kurpfälz. Pol. u. d. Ausbruch d. 30j. Krieges, Diss. Hamburg 1932; F. H. Schubert, Ludwig Camerarius, 1955; E. Weiß, Die Unterstützung Friedrichs V. v. d. Pfalz durch Jacob I. u. Karl I. v. England im 30j. Krieg (1618–32), 1966; V. Press, Calvinismus u. Territorialstaat, Regierung u. Zentralbehörden d. Kurpfalz 1559-1619, 1970; A. Egler, Die Spanier in d. linksrhein. Pfalz, 1971. - Eigene Archivstud.

Autor  
Volker Press
Empfohlene Zitierweise  

Press, Volker, „Johann II.“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 514 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd100006000.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 10 (1974), S.  514 f.
Erwähnungen: 
NDB 5 (1961), S. 533*
NDB 10 (1974), S. 513*
NDB 10 (1974), S.  515*
NDB 20 (2001), S. 383*

PND: 100006000
Artikel drucken

Index

Johann II.

Name: Johann II.
Namensvariante: Johann der Jüngere
Namensvariante: Johann II. der Jüngere
Lebensdaten: 1584 bis 1635
Geburtsort: Bergzabern
Sterbeort: Metz
Beruf/Lebensstellung: Pfalzgraf bei Rhein; Herzog von Zweibrücken; Administrator der Kurpfalz
Konfession: reformiert
Autor NDB: Press, Volker
PND: 100006000

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Johann II.

PND
100006000

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Digitaler Portraitindex

Nachlässe
Kalliope