Name
Hultsch, Friedrich
Namensvarianten
Hultsch, F.; Hultsch, Fridericus; Hultsch, Friedericus; Hultsch, Friedrich O.; Hultsch, Friedrich Otto; Hultzsch, Friedrich Otto
Lebensdaten
1833 bis 1906
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dresden
Beruf/Lebensstellung
klassischer Philologe; Mathematikhistoriker
Konfession
lutherisch
Autor NDB
Gerhard Baader
Autor ADB
-
GND
117056308

Hultsch, Friedrich|

klassischer Philologe, Mathematikhistoriker, * 22.7.1833 Dresden, 6.4.1906 Dresden.

  • Genealogie

    V Traugott Hultzsch (1794–1860), Kupferdrucker in D., S d. Carl (1755–1836), kursächs. Appellationsgerichtsmundator, Bes. d. Ritterguts Halsbach b. Freiberg, u. d. Eleonora Friederike Seyfferth; M Juliane (1800–74), Wwed. Bildhauers Gottlob Kühn ( 1828) in D. (s. ThB), T d. Bäckers Chrstn. Gottlob Mäcke in D. u. d. Christiane Dor. Thomas gen. Sohre; B Theodor (s. Gen. 2); - Dresden 1862 Louise (1841–1916), T d. Friedrich Walther, Druckereibes. u. Stadtrat in D., u. d. Emilia Pauline Brückner; N Eugen (s. 2).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Kreuzschule in Dresden studierte H. 1851-55 in Leipzig klassische Philologie (1855 Staatsprüfung und Promotion zum Dr. phil.). Nach einem Probejahr 1855/56 an der Kreuzschule wurde er 1857 2. Adjunkt an der Nicolaischule in Leipzig, 1858 Ordinarius der Tertia am Gymnasium in Zwickau. 1861 kehrte er an die Kreuzschule zurück und wurde 1868 Rektor der Schule. 1889 schied er mit dem Titel Oberschulrat aus dem Dienst. 1864 war er zum Professor ernannt worden.

    H.s wissenschaftliches Werk konzentrierte sich auf zwei Gebiete, die Polybiosforschung und die antike Mathematik. Seine Studien zu Polybios, vor allem seine „Quaestiones Polybianae“ (I in: J. d. Gymnasiums zu Zwickau 1858/59, II in: Progr. d. Gymnasiums zum Hl. Kreuz in Dresden 1868/69) führten zu seiner Polybiosausgabe (1867–72, 21888-92), die in der Beurteilung der Handschriften die Vorstellungen Ludwig Dindorfs überwindet. Ihren Abschluß fanden diese Arbeiten in H.s Studien zum Sprachgebrauch|des Polybios, mit denen die Grundlage zur Koine-Forschung gelegt wurde (1893/94).

    Die bedeutendste Leistung H.s liegt jedoch auf dem Gebiet der Geschichte der antiken Metrologie und Mathematik. Interpretationsfragen bei Polybios lenkten seine Aufmerksamkeit auf die antike Metrologie. Er hat die griech. und lat. metrologischen Schriftsteller mustergültig herausgegeben und verfaßte eine „Griech. und röm. Metrologie“ (1862, 21882), in der er Längen- und Flächenmaße, Gewichtssysteme und Münzwesen behandelt. Auch an der Weiterarbeit auf diesem Forschungsgebiet hat er mit bahnbrechenden Arbeiten lebhaften Anteil genommen; in der Abhandlung über „Die Gewichte des Alterthums, nach ihrem Zusammenhange dargestellt“ (Abhh. d. philol.-hist. CI. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig 18, No. 2, 1898) suchte er den Ursprung des ganzen antiken Gewichtssystems nicht mehr in Babylon, sondern in Ägypten.

    Die Beschäftigung mit der antiken Metrologie führte H. auf die mit der Mathematik im strengen Sinne. Mit den Editionen der heronischen Sammlungen geometrischen und stereometrischen Inhalts (1864), des Werks des Pappos (1876/78), des Autolykos (1885) und der Scholien zur Sphärik des Theodosios (Abhh. d. philol.-hist. Cl. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig 10, 1887) ging eine Vielzahl von Spezialuntersuchungen einher, z. B. Arbeiten über die Kreismessung bei Archimedes (1893/94), über „Die geometrische Zahl in Platons VIII. Buche vom Staate“ (Zs. f. Math. u. Physik, hist.-lit. Abt., 27, 1882), über ägyptische Rechenkunst und Studien zur antiken Astronomie, wie „Poseidonios Über Größe und Entfernung der Sonne“ (Abhh. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Cl., N F 1, Nr. 5, 1897) oder „Hipparchos Über die Grüße und Entfernung der Sonne“ (Berr. üb. d. Verhh. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig, phil.-hist. Cl. 52, 1900). Diese Vielfalt seiner Einzelforschungen befähigte ihn, die großen zusammenfassenden Artikel Arithmetica, Astronomia und Geometria in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft zu verfassen, zu der er insgesamt 132 Beiträge schrieb. Mit seinen Arbeiten und Editionen gehört H. zu den bedeutendsten Wegbereitern der Erforschung der reinen und angewandten Mathematik der Antike.|

    • Auszeichnungen

      Mitgl. d. Sächs. Ges. d. Wiss. Leipzig (1885), korr. Mitgl. d. Ges. d. Wiss. Göttingen.

    • Werke

      Weitere Werke unter anderem, und andere Die staatsmänn. Wirksamkeit d. Demosthenes, in: Jbb. f. dass. Philol., hrsg. v. A. Fleckeisen, 9, 1863;  Metrologicorum scriptorum reliquiae, 1804/1866;  Censorini De die natali liber, 1867;  Über e. Slg. v. Scholien z. Sphärik d. Theodosios, in: Berr. üb. d. Verhh. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig, phil.-hist. Cl. 38, 1886;  Die Näherungswerte irrationaler Quadratwurzeln b. Archimedes, in: Nachrr. d. Ges. d. Wiss. u. d. Georg-Augusts-Univ. zu Göltingen, 1893;  Zur Kreismessung d. Archimedes, in: Zs. f. Mathematik u. Physik, hist.-lit. Abt. 39, 1894;  Das elfte Problem d. mathemat. Papyrus v. Akhmin, in: Hist. Unterss. Ernst Förstemann z. 50jähr. Doktorjubiläum gewidmet, 1894;  Die Elemente d. ägypt. Teilungsrechnung, in: Abhh. d. phil.-hist. Cl. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig 17, 1895.

    • Literatur

      H. Lipsius, H., in: Berr. üb. d. Verhh. d. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig, phil.-hist. Cl., 58, 1906;  F. Rudio, in: Bibliotheca mathematica (Zs. f. mathemat. Wiss.) 3. Folge, VIII, 1907/08, S. 325-402 (Werkverzeichnis, Porträt);  F. Poland, in: Bursian-Jberr. 145, 1909, Nekr.;  J. M. Moore, The manuscript tradition of Polybius, 1965, S. 4 f.;  J. E. Sandys, A hist. of classical scholarship III, 1908, S. 185;  Pogg. III-V;  BJ XI.

  • Autor

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Hultsch, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 30 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117056308.html
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Hultsch, Friedrich

Hultsch, Friedrich