<< Heyl.
Heyl, Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim >>
Heyl, Cornelius
Lederindustrieller,
* 29.2.1792 Worms,
† 2.10.1858 Worms. (reformiert)
Genealogie
| Leben
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Cornelius (1758–1818),
S d. Cornelius (1721–93), beide Schiffs- u. Kaufleute in
W., u. d. Anna Barbara Körner;
M Anna
Elis. Leutz (1769–1805) aus Eberbach/Neckar;
B Leonhard (1789–1854),
Oberamtmann d. Niedergfsch. Katzenelnbogen, Kaufm. (Lederhandel) in
W.;
Schw Maria Barbara (
⚭ Frdr. Valckenberg, 1788–1841, Weinhändler, Chef d.
Fa. Peter
Jos. Valckenberg in
W.); -
⚭ Worms 1817
Wilh. Luise (1799–1875),
T d. Daniel Martenstein (1771–1862),
Bes. e. Ölmühle, dann Öl-Raffinerie u. Ölhandlung in
W., u. d. Marie Apollonia Widt (aus
Ratsfam. in
W.);
Cousine d. Ehefrau Sophie
Elis. (
⚭ Carl Freudenberg, 1819–98, Gründer d. Lederwerke in Weinheim, s.
NDB V); 2
S, 1
T ,
u. a. Cornelius (
s. Gen. 2), Maria Barbara (
⚭ Aug. Schoen, 1821–56, Maler,
Fabrikbes.,
Teilh. d.
Fa. C. Heyl);
N Leonhard (1814–77),
GKR, Teilhaber d.
Fa. C. Heyl,
Präs. d. Industrie- u. Handelskammer
|Worms;
E Wilhelm (s. 2),
Wilh. Frhr. v. Schoen (1851–1933),
Staatssekr. d. Auswärtigen Amts, Botschafter.
Leben ↑
Heyls Jugend fiel in die für das linke Rheinufer ereignisreiche Zeit der Koalitionskriege. Seine Ausbildung vervollkommnete er auf Reisen nach Frankreich, Italien und Süddeutschland. Zunächst widmete er sich den väterlichen Verkehrs- und Handelsunternehmungen, die er um eine Ziegelbrennerei erweiterte. Von seinen wiederholten Aufenthalten in Paris und London wurden die Eindrücke in Paris bedeutsam, wo er das bis dahin in Deutschland noch wenig verbreitete Lackleder kennen und bewundern lernte. Er beschloß, den Aufbau eines Gewerbes im großen zu versuchen. Ohne fachmännische oder technische Vorkenntnisse zu besitzen, gründete er 1834 die erste „Saffian- und Leder-Lackier-Fabrik“ in Worms, die die vielseitige Verwendbarkeit des Lackleders auswerten sollte. Das hergestellte abwaschbare und glanzfeste Kalbleder fand als gesuchte Luxusware guten Absatz. Die erzielten Erfolge veranlaßten Heyl, 1839/40 eine neue Lacklederfabrik zu errichten. Obwohl die Rohstoffe vom Ausland bezogen und die Absatzgebiete in Europa und Übersee erst langsam aufgebaut werden mußten, gelang es Heyl, mit seinen Erzeugnissen den Weltmarkt zu erobern. Bei aller strengen Ordnung bemühte er sich von Anfang an um ein gutes, harmonisches Verhältnis zu seinen Arbeitern, in denen er die „unsterbliche Seele“ des Menschen achtete, eine Auswirkung der während des Aufenthaltes in Frankreich aufgenommenen Ideen. Lange ehe von Staats wegen Maßnahmen zur Arbeiterwohlfahrt ergriffen wurden, gab es bereits in seiner Firma eine durch das Haus Heyl unterstützte Arbeiterkrankenkasse (1846) sowie einen Pensionsfonds für arbeitsunfähig gewordene Werksangehörige (1858). Im Revolutionsjahr 1848 konnte der monarchisch eingestellte Heyl, unterstützt von seinen Arbeitern, gefährliche, aus der Pfalz nach Worms übergreifende Unruhen abwehren. Er und seine Wormser Freunde lehnten die demokratische Bewegung ab, sie kämpften für eine „wahre“ konstitutionelle Freiheit und strebten in bezug auf die deutsche Frage die Bildung eines mächtigen deutschen Bundesstaates an. – Großherzog Ludwig III. berief ihn in Anerkennung seiner Verdienste um die Industrie des Landes in die I. Kammer der hessischen Stände, eine Ehrung, auf die Heyl jedoch zugunsten seines Bruders Leonhard verzichtete.
Autor ↑
Günther KriegbaumEmpfohlene Zitierweise ↑
Kriegbaum, Günther, „Heyl, Cornelius“,
in: Neue Deutsche Biographie
9
(1972), S.
81 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd137571798.html