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NDB-Artikel

<< Hesshus, Tilemann     Hesso >>

Hessing, Friedrich Ritter von (bayerischer Personaladel 1913)

Orthopäde, * 19.6.1838 Schönbronn bei Rothenburg/Tauber, 16.3.1918 Göggingen bei Augsburg. (lutherisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Joh. Georg (1793–1858), Bauer u. Hafner; M Maria Barbara Klee (1796–1861), Hebamme; B Georg Paul (* 1834), Orthopädiemechaniker in d. orthopäd. Heilanstalt Marktbreit; - ledig; N Georg (1868–1935), 1. Nachfolger H.s; Groß-N Georg Frdr. (1893–1951), Dr. med., 2. Nachfolger H.s.

Leben  
Nach dem Volksschulbesuch in Gastenfelden und einer abgebrochenen Gärtnerlehre erlernte Hessing zunächst das Schreinerhandwerk und wurde anschließend als Orgelbauer bei Georg Friedrich Steinmeyer in Öttingen/Ries ausgebildet. 1866 ließ er sich als Orgelbauer in Augsburg nieder. Schon in seiner Jugend- und Lehrzeit beschäftigte er sich mit dem Bau orthopädischer Apparate, der sich während seiner Augsburger Zeit erstmals nachweisen läßt. 1867 berichtet der Augsburger Bürgermeister Ludwig Fischer, „daß die von Hessing verfertigten orthopädischen Maschinen und künstlichen Gliedmaßen nach dem Zeugnisse chirurgischer Autoritäten von ganz ungewöhnlicher Vorzüglichkeit sind und eine hervorragende Geschicklichkeit des Verfertigers beweisen“. So wurde Hessing von dem Augsburger Medizinalrat Josef von Kerschensteiner und anderen Ärzten zur Gründung einer orthopädischen Heilanstalt veranlaßt, 1868 zunächst in Augsburg, seit 1869 im leerstehenden Landgerichtsgebäude in Göggingen. Dabei wurde er von dem späteren deutschen Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst unterstützt. Bis 1890 wuchs die Anstalt auf 183 Betten an und besaß eigene Werkstätten, in denen Hessing mit seinem Mitarbeiter Matthias Kundner (1846–1933) seine Konstruktionen, darunter das berühmte „Hessing-Korsett“, herstellte. Zu seinen zahlreichen prominenten Patienten gehörte auch die Kaiserin Auguste Viktoria. Auf der Grundlage seiner Erfolge erbaute Hessing prachtvolle Kuranstalten in Bad Reichenhall und Rothenburg ob der Tauber. Seit 1900 war er Pächter der Staatsbäder Kissingen und Bocklet.
Durch Hessing wurde eines der Grundelemente der Orthopädie, der Apparatebau, zu neuer Blüte gebracht. Das Gedankengut der Vorgänger – Johann Georg Heine in Würzburg und Johannes Wildberger in Bamberg – war durch die nach Deutschland eindringende schwedische Heilgymnastik sowie durch die einsetzende operative Orthopädie beiseitegedrängt worden. Hessing paßte seine Apparate individuell nach den Körperformen an. Sie saßen unverrückbar fest. Erkrankte Gelenke und Glieder wurden so entlastet und ruhiggestellt. Die ambulante Behandlung von Gelenktuberkulose und Knochenbrüchen wurde in Konkurrenz und Ergänzung der Gipsverbandbehandlung möglich. Die zeitgenössischen Orthopäden Albert Hoffa und Fritz Lange erkannten diese therapeutischen Möglichkeiten. Vor allem Hoffa brachte Hessings Ideen in weite Kreise der Ärzteschaft. Namhafte Chirurgen wie Ernst von Bergmann, Richard von Volkmann und Adolf von Bardeleben schickten Patienten zu Hessing Trotzdem mußte er sich den Vorwurf der Geheimniskrämerei, Kurpfuscherei sowie Nichtachtung der Ärzte und der wissenschaftlichen Medizin gefallen lassen. Sein egozentrischer und zielgerichteter Charakter ließ ihn selbstbewußt über alle Angriffe hinweggehen.|

Auszeichnungen  
Bayer. Hofrat (1904), Ehrenbürger v. Rothenburg (1913), Bad Reichenhall u. Bad Kissingen (1917), Verdienstorden d. Bayer. Krone (1913).

Werke  
Der sog. Kriegsapparat z. Transport Schwerverwundeter u. z. Behandlung v. Knochenbrüchen, sowie v. akuten Gelenkerkrankungen, bes. d. unteren Extremitäten in ambulando, 1893; Orthopäd. Therapie, 1903 (mit L. Haßlauer, P).

Literatur  
Th. Schüler, F. H., d. Reformator d. Orthopäd. Heilkunst, 1898/1900; P. Pitzen, in: Zs. f. Orthopädie u. ihre Grenzgebiete 69, 1939; G. Grosch, ebd. 105, 1968 (P); DBJ II (Tl. 1918, L); - eigene Archivstudien.

Portraits  
Denkmal in Schönbronn, Abb. in: Der Bergfried 10, 1958, S. 44.

Autor  
Gerhard Grosch
Empfohlene Zitierweise  

Grosch, Gerhard, „Hessing, Friedrich Ritter von“, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 25 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118704230.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 9 (1972), S. 25

PND: 118704230
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Index

Hessing, Friedrich Ritter von

Name: Hessing, Friedrich Ritter von
Namensvariante: Hessing, Friedrich
Lebensdaten: 1838 bis 1918
Geburtsort: Schönbronn bei Rothenburg/Tauber
Sterbeort: Göggingen bei Augsburg
Beruf/Lebensstellung: Orthopäde
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Grosch, Gerhard
PND: 118704230

Weitere Informationen

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Hessing, Friedrich Ritter von

PND
118704230

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