<< Dehez, Caspar Joseph
Dehmel, Richard Fedor Leopold >>
Dehio, Georg Gottfried Julius
Kunsthistoriker,
* 22.11.1850 Reval,
† 19.3.1932 Tübingen. (lutherisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
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| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Ursprünglich holländische
Fam., die mit Christophe de Hio (1669–1728) aus Schleswig nach Reval kam;
V Julius Woldemar (1817–93, russsischer Dienstadel), Dr. med., Arzt, russischer Wirklicher Staatsrat,
S des Gottfried Erhard (1782–1857), Silberschmied in Reval,
u. der Helene Maria,
T des
Joh. Gottfr. Möring, Gold-
u. Silberarbeiter in Reval;
M Dor. Helene (1831–1908),
T des
Gg. Eggers (1791–1851), Buchhändler
u. Papierfabrikant, aus 1720 von Lübeck in Reval eingewanderter
Kaufm.-
Fam.,
u. der Clementine Haller (
T des Propstes
u. Schulinhabers Gustav
Albr. Haller [1774–1850] in Moskau, aus vogtländischer
Fam.);
Vt Karl (1851–1927),
Prof. der inneren Medizin, letzter
dt. Rektor in Dorpat;
⚭ 1884 Charlotte (1859–1932),
T des Ludwig Friedländer (1824–1909),
Prof. der klassischen Philologie in Königsberg
u. Straßburg, bekannt durch seine in viele Sprachen übersetzten Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms (4
Bde.,
101921-23),
u. der Laura Gutzeit; 2
S, 2
T,
u. a. Ludw. (
1888-1963), Historiker, Katharina (
* 1886, Dr. rer. pol.,
⚭ 1915 August Frickenhaus [
† 1925],
Prof. der Archäologie in Straßburg
u. Kiel).
Leben ↑
Dehio studierte zunächst während eines Semesters in Dorpat, ging dann aber für sein weiteres Studium, das der Geschichtswissenschaft galt, nach Göttingen. Als Schüler von Georg Waitz promovierte er 1872 mit einer Dissertation über den Hamburg-Bremer Erzbischof Hartwich von Stade und habilitierte sich dann 1877 in München mit einer Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen (2 Bände). Hier widmete er sich bald vornehmlich kunstgeschichtlichen Vorlesungen und wurde daraufhin 1883 als außerordentlicher Professor für Kunstgeschichte nach Königsberg berufen, wo er 1884 das Ordinariat erhielt. Noch in München hatte er mit seinem Freunde Gustav von Bezold ein gewaltiges weitausgreifendes Unternehmen begonnen: „Die kirchliche Baukunst des Abendlandes“ (2 Bände Text, 8 Tafelmappen), dessen 1. Lieferung 1884 erschien (vollendet 1901) und das noch heute als grundlegend für jeden Forscher gelten kann. Es wurde zwar nur für das Mittelalter durchgeführt, beruht aber auf eingehenden örtlichen Untersuchungen und vortrefflichen zeichnerischen Aufnahmen gleichen Maßstabes, so daß es auch vielfach im Ausland als Quellenwerk benutzt worden ist. Schon 1892 war Dehio an die Straßburger Universität berufen worden, wo er bis zum Schicksalsjahr 1918 verblieb und dann nach Tübingen übersiedeln mußte, wo er den Rest seines fruchtbaren Lebens verbrachte. Seine wissenschaftlich-literarische Tätigkeit war jetzt vornehmlich der deutschen Kunst gewidmet, wobei er auch der Denkmalpflege wichtige Anregungen gab. 1899 hatte er bereits das „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ (5 Bände) geplant, das er 1912 vollenden konnte und mit dem er allen Forschern, aber auch allen an den Werken deutscher Kunst interessierten Reisenden einen unvergleichlich wertvollen Dienst geleistet hat. Grundlage für das „Handbuch“ bildeten die amtlichen Inventare, doch hat Dehio hier vielfach mit anschaulichster Kraft des sprachlichen Ausdrucks alle bedeutenderen Denkmäler der Kunst trotz gedrängter Form höchst lebendig erläutert. Die erste einheitlich zusammenfassende „Geschichte der deutschen Kunst“ (3 Bände, 1919-25) wird ebenfalls Dehio verdankt, wobei es ihm vor allem darauf ankam, die Wechselwirkungen zwischen der allgemeinen Geschichte und den künstlerischen Äußerungen in richtiges Licht zu setzen. Danach gab es Zeiten, vor allem im Mittelalter und bis zur Barockperiode, in denen das geistige Leben des gesamten Volkes regsten Anteil an den Äußerungen der bildenden Kunst nahm und diese mit allen Mitteln förderte; später aber, etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, hat die seelische Haltung des deutschen Volkes sich so verändert, daß die bildende Kunst nicht mehr viel über den inneren Zustand der Nation auszusagen vermag. Einige Einzelforschungen haben der Wissenschaft auch neue Wege gewiesen, so vor allem seine Untersuchungen über die Proportionen in der Baukunst des Altertums und des Mittelalters, die freilich nach neueren Ergebnissen nur für einen Teil der Monumente gelten. - D. theol. (Jena), Dr. rer. pol. honoris causa (Tübingen), Dr. med. honoris causa (Frankfurt), Dr.-Ingenieur Ehren halber (Darmstadt), Friedensklasse des Ordens Pour le mérite, Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, Mitglied der Akademien der Wissenschaften Berlin, München, Göttingen.
Werke ↑
Weitere W Unterss. üb. d. gleichseitige Dreieck als Norm got. Bauproportionen, 1894; Proportionsgesetz d. antiken Baukunst. 1895; Kunstgesch. in Bildern, 1898-1901; Denkmale
dt. Bildhauerkunst, 1905-10; Kunsthist. Aufsätze, 1914; Das Straßburger Münster, 1922; Der Bamberger Dom, 1924; Aus Skizzenbüchern
u. Briefen,
hrsg. v. Gertrude
D., 1947.
Literatur ↑
W. Pinder, G.
D. z. s. 70. Geburtstag, in: Kunstchronik
u. Kunstmarkt, 1920,
Nr. 7, S. 121 bis 129;
ders., in:
Jb. d. Bayer.
Ak. d.
Wiss., 1931/32, S. 61-64;
G.
Gf. Vitzthum, in:
Nachrr. d.
Ges. d.
Wiss. zu Göttingen, Geschäftl.
Mitt., 1931/32, S. 1-5;
E. Gall, G.
D., in:
Zs. f. Kunstgesch. 1, 1932, S. 2-4;
P. Clemen, Zum Gedächtnis an G.
D., in: Die Denkmalpflege, 1932, S. 76-78;
-
Zu Vt Karl D.: R.
v. Engelhardt, Die
dt. Univ. Dorpat, Reval 1933;
zu Schwieger-S August Frickenhaus: Bursian-BJ XLVI, 1926, S. 28 f.
Portraits ↑
Bronzebüste
v. M. Lange, 1929 (Elsaß-Lothr.-
Inst. Frankfurt a. M.),
Abb. in:
Gr. Deutsche im Bild, 1936, S. 432.
Autor ↑
Ernst GallEmpfohlene Zitierweise ↑
Gall, Ernst, „Dehio, Georg Gottfried Julius“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
563 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11852433X.html