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Alberti, Julius Gustav
Leben
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Leben ↑
Alberti: Julius Gustav
A.
, geb. 26. Aug. 1723
zu Hannover, † zu Hamburg
30. März 1772; studirte zu
Göttingen, ward den 4. Advent 1753 Prediger zu Großenschneen bei
Göttingen. Als durch den Tod Arnold Greve's eine Pfarrei an St.
Katharinen in Hamburg vacant wurde, gelang es der Partei der
Aufgeklärten, die in den höheren Kreisen damals die Stimme
führten, den Pastor
A.
, der ihnen als ein der kirchlichen Orthodoxie ziemlich
abgewandter Mann und heller Kopf bekannt war, nach Hamburg zu
ziehen. Am 20. April
|1755 ward er zum Diaconus an St.
Katharinen ernannt. Man war voll Freude darüber. "Sie können sich
das Jauchzen und Frohlocken des Volkes nicht denken" schreibt Dr. Bode an Cramer. Der Senior Dr. Wagner aber, der den Wahlact geleitet
hatte, sagte: "Gott sei es geklagt! Hamburg hat heute eine Wahl
gethan, davon es nach 10 Jahren erst erfahren wird, wie es gewählt
hat." Die litterarische Partei zog
A.
in ihre Zusammenkünfte, Klopstock freute sich des
witzigen Erzählers und ausgezeichneten Mimikers, der Einem das
Herz im Leibe lachen mache, wobei denn freilich der Witz oft recht
derb gerieth.
A.
hatte gehofft, einen Gesinnungsgenossen als
Hauptpastor in Hamburg zu erhalten. Das mißlang; man wählte Joh.
Melch. Goeze, der am 16. Oct. 1755 in Hamburg eintraf. In den
ersten Jahren scheint das Verhältniß zwischen beiden erträglich
gewesen zu sein, nahm doch Goeze eine Predigt von
A.
in seine Sammlung auserlesener Kanzelreden auf und
schmückte den Band mit Alberti's Bildniß (von Fritzsche). Lange
aber konnte ein gutes Verhältniß zwischen Männern so
entgegengesetzter Ansichten nicht erhalten werden. Als
A.
1770 in dem vorgeschriebenen Bußtext Ps. 79 das "Herr,
schütte deinen Grimm aus auf die Heiden etc." ausließ, der Senior
dagegen auftrat und mit seiner Vorstellung beim Kirchenregiment
nicht durchdrang, legte er sein Seniorat nieder. Die Polemik
zwischen den beiden Gegnern wurde noch heftiger, als
A.
seine Anleitung zum Gespräch über die Religion im Dec.
1771 herausgab, eine Art von Lehrbuch, in welchem die dogmatischen
Elemente sehr zurücktraten. Goeze behandelte von jetzt an in
seinen Predigten mit Vorliebe diejenigen Dogmen, die ihm
A.
ungenügend dargestellt zu haben schien. Während nun
die Streitschriften von beiden Seiten die ganze Stadt in Bewegung
setzten (nach dem Verfasser der Gallerie des Teufels, einem
Anhänger Alberti's, soll das Volk gesagt haben: "Wenn Papa Goeze
nur einen Wink gibt, so stürmen wir Alberti's Haus"), und ehe das
Ministerium die amtliche Prüfung von Alberti's Buch vollendet
hatte, starb er selbst an der Schwindsucht. Seine Parteigänger
behaupteten, Goeze habe ihn mit seinen Texten getödtet; doch war
A.
von jeher schwächlich gewesen, hatte, wie er selbst
erzählte, in Hamburg 15 Krankheiten durchgemacht. Er hinterließ
eine Wittwe, geb. Offeney, und 11 Kinder. Seine Anhänger nahmen
sich der Familie mit Freigiebigkeit an und bereiteten ihnen eine
sorgenfreie Lage. Von den Kindern wurden 3 Töchter katholisch,
eine starb als Nonne in Münster; eine Tochter ward die Gemahlin
Ludw. Tieck's, eine zweite heirathete den Kapellmeister Reichardt
(dessen Tochter wieder Steffens' Gattin ward), zwei Söhne wurden
Kaufleute in Schlesien, ein dritter bekleidete eine ansehnliche
Stelle in Berlin.
A.
war reich an inneren Gaben. Obgleich ein
vortrefflicher Gesellschafter, zog er sich doch durch seine
witzige Zunge manche Feindschaften zu, wie er sich denn auch mit
Klopstock überwarf; es scheint auch keine Aussöhnung mit diesem zu
Stande gekommen zu sein, während doch selbst Goeze bereit war,
sich mit
A.
auszusöhnen. Alberti's Schriften, außer der Anleitung
zum Gespräch über die Religion nur Predigten, sind verzeichnet in
Schröder's Hamb. Schriftstellerlex.
Literatur ↑
Vergl. ferner Steffens, Was ich erlebte IV. 418. G. R. Röpe, Joh. Melchior Goeze. Eine
Rettung; S. 103—123. C. Mönckeberg, Matthias Claudius S. 20. S.
89.
Autor ↑
Klose.
Empfohlene Zitierweise ↑
Klose, „Alberti, Julius Gustav“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
213-214
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116276738.html?anchor=adb
Alberti, Julius Gustav
Name: Alberti, Julius Gustav
Lebensdaten: 1723 bis 1772
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Prediger
Konfession: evangelisch
Autor ADB:
KlosePND: 116276738