<< Perfall, Anton Alexander Albrecht Freiherr von
Perin-Gradenstein, Karoline Freifrau von >>
Pergen, Johann Anton Graf von
Diplomat, Staatsmann,
* 15.2.1725 Wien,
† 12.5.1814 Wien. (katholisch)
Genealogie
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Genealogie ↑
Die
Fam. stammt aus d. Niederlanden oder Kärnten u. ist mit Thomas um 1560 erstmals
erw.;
V Johann Ferdinand Wilhelm (1684–1766),
k. k. Geh. Rat, Vizepräs, d. niederösterr.
Reg. in
W.,
S d. Johann Baptist (1656–1742,
Frhr. 1675,
Gf. 1699), niederösterr. Oberkommissar, u. d. Renata
Gfn. v. Abensberg (
† 1688);
M Maria Elisabeth Freiin Orlick
v. Laiska (1685–1751);
B Johann Joseph (1720–1807), Rota-Auditor,
Bf. v. Mantua; –
⚭ 1762 Philippine Gabriele (
* 1739),
T d. Philipp Karl
Frhr. v. Groschlag (1692–1757), auf Messel,
kurmainz. Konferenzmin., seit 1742
Präs. am Reichskammerger. in Wetzlar (s.
NDB VII
*), u. d. Philippina Freiin
v. Bikken (1701–72);
Schwager Friedrich Carl
Frhr. v. Groschlag (1729–99),
kurmainz. Minister (s.
NDB VII); 1
S Josef (1766–1830),
k. k. Kammerherr,
Geh. Rat.
Hofkammervizepräs. (s.
W), 3
T ;
E Karl Ludwig (1805–50),
k. k. Gen.major;
Gr-N Anton (1799–1860),
k. k. Gen. (s.
ÖBL).
Leben ↑
Der Jesuitenschüler
P. trat 1747 nach einem Studium der Rechte als Sekretär bei der Gesandtschaft in Mainz in
kaiserl. Dienste, war 1748 in England, für das er eine lebenslange Sympathie behielt, und wurde 1753 in der Nachfolge von Johann Karl Philipp
Gf. v. Cobenzl (1712–70) Gesandter in Mainz, dann auch bei den
rhein. Kurfüsten und den vorderen Reichskreisen. 1757-63 verwaltete er die im Siebenjährigen Krieg besetzten
preuß. Westgebiete. 1763/64 war er Zweiter Wahlbotschafter bei der
röm. Königswahl Josephs II. in Frankfurt. 1766 nach Wien berufen, wo er von Kaunitz protegiert wurde, nahm
P. als Staatsminister eine antiklerikale Studienreform in Angriff, welche jedoch an Maria Theresia und konservativen Hofkreisen weitgehend scheiterte. 1772-74 organisierte er in Zusammenarbeit mit dem
poln. Adel als Gouverneur das in der Ersten Teilung Polens an die
habsburg., Monarchie gefallene Galizien. Dabei bemühte er sich, den Einfluß der Juden zu beschränken. 1775 Oberstlandmarschall von Niederösterreich und 1782 Präsident der niederösterr. Landesregierung, sorgte er an der Spitze der Polizeihofstelle für die Sicherheit in Wien. Als Polizeiminister Josephs II. versuchte er, gegen Widerstände der Hofkanzlei und der Provinzialregierungen das Sicherheitswesen der
habsburg. Erblande zu organisieren, zu modernisieren und zu zentralisieren. 1791 unter Leopold II. pensioniert, konnte
P. im folgenden Jahr unter Franz II. in seine Ämter zurückkehren und baute bis 1804 zusammen mit Franz Anton
v. Beer, Friedrich Schilling und Franz Josef
Gf. v. Saurau die
österr. Geh. Staatspolizei auf (Zensurverschärfung, Fremdenüberwachung, Gefängnisreform, Jakobinerprozesse) und bereitete so dem Polizeistaat Metter-nichs den Weg.
P. war ein gewandter, vorsichtiger Opportunist, der für seinen aufwendigen Lebensstil sowie für Kunst und Kultur viel Geld ausgab. Seine Frau, in die sich der junge Joseph II. in Frankfurt verliebt hatte, führte in Wien ein großes Haus.
Werke ↑
Privat-Gedanken e. Systematis zu Erhaltung d. kayserl. Autorität, u.
Dt. Reichsvfg., 1764;
Fragen u. Beantwortungen d. Kaysercrone
betr.,
hg. v. H. Voltelini, Eine
Denkschr. d.
Gf. J. A.
P. üb. d. Bedeutung d.
röm. Kaiserkrone f. d. Haus
Österr., in: Gesamtdt. Vergangenheit, Festgabe f. H.
Rr. v.|Srbik, 1938, S. 152-68;
Betrachtungen
üb. d.
Rev. u. d.
sog. dem. System in Frankreich, 1791 (
lat. u. d. T.: Animadversiones in revolutionem novumque sie dictum systema democraticum in Gallia, 1791,
evtl. Diss. d.
S Josef)
Literatur ↑
E. Wangermann, From Joseph II to the Jacobin Trials (…), 1959,
21969,
Nachdr. 1979,
dt. 1966
(L);
T. C. W. Blanning, Reform and
Rev. in Mainz 1743-1803, 1974;
P. B. Bernard, Von d. Aufklärung
z. Polizeistaat, Der Weg d.
Gf. J. A.
P., in: Stände u.
Ges. im Alten Reich,
hg. v. G. Schmidt, 1989, S. 187-97
(L);
ders., From the Enlightenment to the Police State, The Public Life of J. A. P, 1991
(L);
G. Haug-Moritz,
Württ. Ständekonflikt u.
dt. Dualismus, 1992;
K. O.
Frhr. v. Aretin, Das Alte Reich, III, 1997;
Meusel, Gel. Teutschland;
Wurzbach;
Hist. Lex. Wien.
Portraits ↑
Kupf. v. J. E. Mansfeld, um 1790,
Abb. in: D. Silagi, Jakobiner in d. Habsburger-Monarchie, 1962,
n. S. 176.
Autor ↑
Peter FuchsEmpfohlene Zitierweise ↑
Fuchs, Peter, „Pergen, Johann Anton Graf von“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
185 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119012073.html