<< Adlgasser, Anton Cajetan
Adlzreiter von Tettenweis, Johann >>
Adlung (Adelung), Jakob
Musikschriftsteller,
* 14.1.1699 Bindersleben bei Erfurt,
† 5.7.1762 Erfurt. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V David Adlung, Organist und Schuldiener in Bindersleben;
M Dorothea Elisabeth Meuer;
⚭ 1732 Beate Elisabeth Ritter,
T des Bürgermeisters von Groß-Wanzleben bei Magdeburg; 1
T.
Leben ↑
Nach musikalischer und wissenschaftlicher Ausbildung in Erfurt studierte Adlung seit 1723 Philologie und Theologie in Jena, von wo er als Magister nach Erfurt zurückging. Dort wurde er 1727 Nachfolger von H. Buttstedt als Organist an der Predigerkirche; nebenbei baute er auch Klaviere. 1736 verlor Adlung durch einen Brand fast seine gesamte Habe. Auch als er 1741 Professor am Erfurter Gymnasium wurde, behielt er sein Organistenamt bei. 1755 wurde er Mitglied der Erfurter Akademie nützlicher Wissenschaften. Seine Werke sind musikgeschichtlich für die Ästhetik und musikalische Praxis der Bachzeit aufschlußreich. Unter ihnen nimmt die „Musica mechanica organoedi“, eine Enzyklopädie der Orgelkunde und neben der „Organographia“ des M. Praetorius die wichtigste Quelle für den Orgelbau des Barock, einen besonderen Rang ein. Die Vorrede zum 2. Teil enthält eine Autobiographie Adlungs.
Werke ↑
u. a. Musica mechanica organoedi,
hrsg. v. J. L. Albrecht, 1726, durchgesehen
v. J. F. Agricola, Berlin 1768, neu
hrsg. v. Ch. Mahrenholz, 1931; Anleitung
z. d. musikal. Gelahrtheit, mit einer Vorrede
v. Joh. Ernst Bach, Erfurt 1758, 2.
Aufl. hrsg. v. J.
A. Hiller, 1783; Musikal. Siebengestirn,
hrsg. v. J. L. Albrecht, 1768;
s. a. MGG.
Literatur ↑
ADB I;
J.
A. Hiller, J.
A., in: Lebensbeschreibungen berühmter Musikgelehrten u. Tonkünstler unserer Zeit, Leipzig 1784, S. 1 ff.;
Ch. Mahrenholz, im Nachwort seiner
Neuausg. d. „Musica mechanica organoedi“
(s. W.);
E. Valentin, in:
MGG.
Autor ↑
Georg von DadelsenEmpfohlene Zitierweise ↑
Dadelsen, Georg von, „Adlung, Jakob“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
73
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128585293.html
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Adlzreiter, Johann >>
Adlung, Jacob
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Adlung: Mag.
Jacob
A.
, Gelehrter, musikalischer Schriftsteller und
Organist, geb. 14. Jan. 1699 in
dem Erfurter Dorfe
Bindersleben, woselbst sein Vater Organist und
Schuldiener war; † 5. Juli 1762.
Schon beim ersten Unterrichte, den ihm der dortige Pfarrer Lüpke
ertheilte, verrieth er so gute Geistesanlagen, daß seine Eltern
ungeachtet ihrer geringen Mittel beschlossen, ihn studiren zu
lassen. Ostern 1711 kam er nach Erfurt auf die Andreasschule, 1713
auf das Gymnasium, wo er blieb, bis er sich als Chorpräfect so
viel Geld gesammelt hatte, um Ostern 1721 auf die Universität
übergehen zu können. Einer Lockung, Amtsnachfolger seines bald
darauf verstorbenen Vaters zu werden, widerstand er glücklich,
siedelte 1723 von Erfurt auf die Universität Jena über, wo er mit
außerordentlichem Fleiße Philosophie, Philologie und Theologie
studirte, und 28. Nov. 1726 Magister wurde. Am 1. Oct. 1727
disputirte er, um sich in Jena als Docent habilitiren zu können,
als aber im December desselben Jahres der Organist an der
Predigerkirche zu Erfurt, Heinrich Buttstett, starb, beschloß
A.
, von der akademischen Laufbahn einstweilen abzustehen
und von der Musik Profession zu machen. Schon als Knabe hatte er
von seinem Vater etwas Unterricht im Clavier und Singen empfangen
und in Erfurt auf den Schulen bei verschiedenen Cantoren sich
weiter gebildet; den Grund zu seinem nachmals tüchtigen
Orgelspiele legte er bei dem Erfurter Organisten und nachherigen
Rathsmeister. Christian Reichardt, in dessen Hause er 1711
Aufnahme gefunden hatte. Auch in Jena trieb er seine musikalischen
Studien eifrig fort, las und excerpirte viele
musikwissenschaftliche Werke, womit Reichardt und Walther in
Weimar ihn reichlich versahen, verfaßte auch dort schon die
meisten seiner musikalischen Schriften. Daneben benutzte er
fleißig die Orgel, welche der Organist Joh. Nicol. Bach ihm zur
Uebung überließ, und erreichte einen solchen Grad von Fertigkeit,
daß er nach Buttstett's Tode 1727 den angesehenen Organistendienst
an der Predigerkirche zu Erfurt erhielt. Seine wissenschaftlichen
Arbeiten ließ er nun vorläufig ruhen, legte sich aber zugleich auf
den Instrumentenbau. Allein 21. Oct. 1736 brannte sein Haus ab,
wobei er nicht blos seine Musikalien, Bücher und einige noch
ungedruckte musikalische Schriften, sondern auch sein Werkzeug
einbüßte, womit die Claviermacherei für immer ein Ende nahm. Seine
Neigung zur Lehrthätigkeit veranlaßte ihn Ostern 1741 zu
Habilitirung bei der Universität Erfurt; doch sah er sich, bei der
Unsicherheit der aus Vorlesungen erwachsenden Einnahme bald nach
einer festeren Lehrerstellung um, und wurde auch noch am 28. Aug.
desselben Jahres 1741 Professor am evangelischen Rathsgymnasium,
unbeschadet seines Organistendienstes. Er verblieb in beiden
Aemtern bis zu seinem Tode.
Compositionen von ihm sind nicht bekannt; von seinen
musikalischen Schriften sind im Druck erschienen: "Anleitung zu
der musikalischen Gelahrtheit", mit einer Vorrede von Joh. Ernst
Bach, Erfurt 1758; 2. Aufl. besorgt von Joh. Adam Hiller, Dresden
und Leipzig 1783. Das fleißig zusammengetragene Werk handelt von
der Theorie und Praxis der alten und neuen Musik, von der
Singekunst, der Orgel und anderen Instrumenten etc.; für seine
Zeit enthält es manches Belehrende und brauchbare Nachrichten, hat
gegenwärtig aber keinen besonderen Werth mehr. Meist entstand es
aus früheren Excerpten, und die von der Orgel und andern
Tasteninstrumenten handelnden Capitel sind auch zum Theil nur
Auszug aus des Verfassers schon früher entstandener "Musica mechanica organoedi", welche er 1726
begonnen und größtentheils noch in Jena ausgearbeitet und beim
Brande seines Hauses glücklich gerettet hatte. Doch erschien dies
schätzbare Werk erst nach seinem Tode, herausgeg. von M. Joh. Lorenz Albrecht, mit Zusätzen von Joh.
Friedr. Agricola, 2 Thle., Berlin 1768. Es beschreibt sehr
gründlich Structur, Gebrauch und Erhaltung der Orgel und anderer
Tasteninstrumente und enthält eine große Menge Orgeldispositionen
mit ergänzenden Hinweisungen auf Prätorius, Mattheson u.
A.
In die Vorrede des 2. Theils hat Albrecht eine
Autobiographie Adlung's aufgenommen. "Musikalisches
Siebengestirn", ursprünglich lateinisch abgefaßt, sieben auf
Harmonie bezügliche Fragen behandelnd. Infolge dieser Schrift
wurde
A.
Jan. 1755 Mitglied der Akademie zu Mainz, doch
erschien sie gleichfalls erst nach seinem Tode, von M. Joh. Lor.
Albrecht herausgeg., Berlin 1768. Ungedruckt geblieben und als
Handschriften verloren gegangen sind noch: eine "Vollständige
Anweisung zum Generalbaß"; "Anweisung zur italien. Tabulatur", und
"Anweisung zur Fantasie und zu den Fugen".
Literatur ↑
Hiller, Lebensbeschreib. berühmter Musikgel. Nr. 1.
Autor ↑
v. Dommer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dommer, Arrey von, „Adlung, Jacob“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
86-87
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128585293.html?anchor=adb
Adlung, Jakob
Name: Adlung, Jakob
Namensvariante: Adelung, Jakob
Namensvariante: Aldung, Jacob
Lebensdaten: 1699 bis 1762
Geburtsort: Bindersleben bei Erfurt
Sterbeort: Erfurt
Beruf/Lebensstellung: Musikschriftsteller; Organist; Gelehrter
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Dadelsen, Georg vonAutor ADB:
Dommer, Arrey vonPND: 128585293