<< Beckmann, Hermann
Beckmann, Max >>
Beckmann, Johann
Kameralist und Technologe,
* 4.6.1739 Hoya/Weser,
† 3.2.1811 Göttingen. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Nicolaus Beckmann (1700–45), Contributionseinnehmer und Postverwalter zu Hoya;
M Dorothee Magdalena (um 1718–63),
T des Pfarrers Johann Schüler;
⚭ 1767 Sofie Louise Karoline Schlosser, verwitwete Hollmann; 2
K.
Leben ↑
Beckmann reiste nach seinem Studium in Göttingen nach Holland und nahm 1763 den durch A. F. Büsching veranlaßten Ruf an das lutherische
St.-Peter-Gymnasium in Petersburg an. 1764 arbeitete er bereits am „Hannöverschen Magazin“ mit. 1765 unternahm er eine zehnmonatige Studienreise nach Schweden und erhielt dann die Professur für Philosophie in Göttingen, hielt aber in der Hauptsache ökonomische Vorlesungen und bekam deshalb 1770 die ordentliche Professur dieses Faches. Sein Unterricht erstreckte sich auf fast alle Gebiete. Er wurde zum wichtigsten Repräsentanten der kameralistischen Schule der deutschen Landwirtschaftswissenschaft in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sein landwirtschaftliches Lehrbuch zum am meisten verbreiteten dieser Zeit. Beckmann ist der Begründer der wissenschaftlichen Technologie, welchen Begriff er für dieses Wissensgebiet prägte, und der erste zuverlässige Historiker der Technik und der Erfindungen. Bestimmend wirkten auf ihn
u. a. Anregungen, die er in Schweden von C. von Linné erhalten hatte. Außer seinen selbständigen Büchern hat er an Zeitschriften mitgewirkt, so am „Lauenburgischer Taschenkalender“ (1771 ff.), und hat
z. B. für F. Nicolais „Allgemeine Deutsche Bibliothek“ 1770-77 etwa 160 Buchbesprechungen geliefert. Er schrieb auch Vorreden zu anderen Werken, wie zu J. K. G. Jacobsons „Technologischem Wörterbuch“ (I, 1781).
Werke ↑
u. a. De
hist. naturali veterum libellus primus, Göttingen 1766; Anfangsgründe d. Naturhist.,
|Göttingen u. Bremen 1767;
Dan. Tilas Entwicklung einer
schwed. Mineralhist.,
übers. aus d.
Schwed., Leipzig 1767; Gedanken
v. d. Einrichtung
ökonom. Vorlesungen, Göttingen 1767; Grundsätze d.
dt. Landwirtschaft, Göttingen u. Gotha 1769
61806; Caroli a Linné Systema naturae …, Göttingen 1771; Linnés Terminologia conchyliologiae, ebenda 1772; Anleitung
z. Technol., ebenda 1772,
61809;
Einl. in d.
Technol., ebenda 1777; Grundsätze
z. Vorlesungen
üb. d. Naturlehre, ebenda 1779;
Btrr. z. Oekonomie,
Technol. u.
Cameralwiss., 12
Bde., ebenda 1779-90;
Btrr. z. Gesch. d. Erfindungen, 5
Bde., Leipzig 1780-1805 (
engl. Übers., London 1797-1814,
41846);
Slg. auserlesener Landesgesetze, welche d. Polizei- u. Cameralwesen zu Gegenständen haben, 10 T., Göttingen 1783–93; Anleitung
z. Handlungswiss., ebenda 1789; Vorbereitung
z. Waarenkde., 2
Bde., ebenda 1793; Vorrath kleiner Anmerkungen
üb. mancherley gelehrte Gegenstände, 3 T., Leipzig 1795, Göttingen 1803–06;
Lex. botanicum, 1801; Entwurf einer
allg. Technol., 1806.
Literatur ↑
ADB II;
W. F. Exner, Begründer d. technolog.
Wiss., Wien 1878
(P);
Th.
v. d. Goltz,
Gesch. d.
dt. Landwirtschaft,
Bd. 1, 1902, S. 319 ff.;
J. Wiesner, Natur-Geist-Technik, 1910, S. 54-62;
Th. M. Fries, J.
B.s
schwed. Reise in
d. J. 1765–66, Tagebuch mit
Einl. u.
Anm., Uppsala 1911
(P);
V. Pöschl, J.
B., d. Schöpfer d. Sammlungswiss.
Warenkde., in: Der Weltmarkt 6, 1918, H. 1-6;
Pogg. I.
Portraits ↑
Kupf. v. J. W. Schleuen, 1777, Ch. G. Grape, 1793, Schwenterley, 1791, u. W. Arndt, 1808; Schabkunstbl.
v. J. Ph. Haid; Büste in d.
Univ.-
Bibl. Göttingen.
Autor ↑
Carl Graf von KlinkowstroemEmpfohlene Zitierweise ↑
Klinckowstroem, Carl Graf von, „Beckmann, Johann“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
727 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118654624.html
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Beckmann, Johann
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Beckmann: Johann B., Begründer der Technologie, geb. 4. Juni 1739 in dem hannoverschen Flecken Hoya, wo sein Vater als Postmeister und Steuereinnehmer stand, † 3. Februar 1811 in Göttingen. Er erhielt seine Schulbildung zu Stade und bezog im 20. Jahre die Universität Göttingen um Theologie zu studiren. Von diesem Plane aber abgehend, trieb er vornehmlich Mathematik, Natur- und ökonomische Wissenschaften nebst alten und neuen Sprachen. Zur Bereicherung seiner Kenntnisse machte er 1762 eine Reise nach den Niederlanden; 1763 übernahm er eine Lehrerstelle für Mathematik, Physik und Naturgeschichte in St. Petersburg, welche er 1765 niederlegte. Unmittelbar darauf bereiste er Schweden und Dänemark bis zum Herbste 1766, wo er in Göttingen eine außerordentliche Professur der Philosophie antrat. Er las dabei über Oekonomie mit solchem Beifall, daß ihm 1770 die Stelle als ordentlicher Professor dieses Faches übertragen wurde. Sein Unterricht, der sich durch eine praktische Richtung vorteilhaft auszeichnete, erstreckte sich auf Mineralogie, Landwirthschaft, Technologie, Waarenkunde, Handels-, Polizei- und Cameralwissenschaft. Die Technologie im besondern verdankt ihm ihr Dasein; er war es, der 1772 zuerst den Namen "Technologie" für das gebrauchte, was man bis dahin sehr uneigentlich als Kunstgeschichte bezeichnet hatte, und er auch schrieb 1777 das erste Lehrbuch der Technologie. Sehr vielseitige Sach- und Sprachkenntnisse (er konnte Schriften in zehn Sprachen lesen) befähigten ihn zu gründlichen Forschungen, welche von einer unermüdlichen Thätigkeit getragen wurden. Unter seinen zahlreichen Schriften (vgl. Meusel, G. T.) sind besonders zu bemerken: "Grundsätze der deutschen Landwirtschaft", 1769, 6. Aufl. 1806. "Anleitung zur Technologie", 1777, 6. Aufl. 1809. "Anleitung zur
Handlungswissenschaft", 1789. "Entwurf der allgemeinen Technologie", 1806. "Beiträge zur Oekonomie, Technologie, Polizei- und Cameralwissenschaft", 12 Thle. 1779 bis 91; "Sammlung auserlesener Landesgesetze, welche das Polizei- und Cameralwesen zum Gegenstande haben". 10 Thle. 1783—93; "Physikalisch-ökonomische Bibliothek", 23 Bände, 1770—1807; "Beiträge zur Geschichte der Erfindungen", 5 Bde. 1780—1805.
Autor ↑
Karmarsch.Empfohlene Zitierweise ↑
Karmarsch, Karl, „Beckmann, Johann“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
2
(1875), S.
238-239
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118654624.html?anchor=adb