Lebensdaten
1847 – 1920
Geburtsort
Wald-Itter bei Solingen
Sterbeort
Solingen-Foche
Beruf/Funktion
Messerschmied
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136949711 | OGND | VIAF: 81209090
Namensvarianten
  • Hammesfahr, Ernst

Orte

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Zitierweise

Hammesfahr, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136949711.html [19.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (1811–63), S d. Joh. Peter (1779–1848), aus alter Messerschmiedefam. (seit Ende 17. Jh. nachweisbar), u. d. Anna Cath. Koch;
    M Catharina (* 1816), T d. Joh. Heinr. Vedder in Mettmann u. d. Cath. Margarethe Berger;
    1878 Hulda Lauterjung;
    1 S, 4 T.

  • Biographie

    H. erlernte bei seinem Vater zusammen mit seinen Brüdern das Messerschmiedehandwerk. 1868 konnten sie eine kleine Fabrik errichten, in der eine Dampfmaschine mit 18 PS mehrere Hämmer in Bewegung setzte. Auf diese Weise entlastet, gelang es H. 1874, ein Verfahren zu entwickeln, Scheren unter dem Fallhammer bei einmaliger Erhitzung fertigzuschlagen. Vorübergehend drohte ein Zerwürfnis mit seinen Brüdern wegen der hohen Investitionskosten, deren Zweck diese zunächst nicht einsahen, doch konnte H. sich behaupten und eine Spaltpresse zur Scherenfabrikation anschaffen, was ihm bald Aufträge anderer Solinger Firmen einbrachte. 1887 ließ er sich einen Fallhammer patentieren, der in der Folgezeit große Verbreitung fand. Kurz darauf gelang ihm die Erfindung eines Vierschlaghammers, der bald von der übrigen Solinger Industrie übernommen wurde. Nach 1895 ging H. auch zur maschinellen Reiderei, dem Versehen der Klingen mit Griffen, über, und 1897 erhielt er ein Patent auf eine Schleifmaschine für Messerklingen, die den Handschliff weitgehend ersetzte. H.s Vorhaben, Teile des Fertigungsprozesses, die bislang noch in Heimarbeit erfolgt waren, in die mittlerweile groß gewordene Fabrik zu verlegen, wurde Ursache des endgültigen Auszuges seiner beiden Brüder aus dem Betrieb. H. rationalisierte nun ungestört; eine eigene Werkstatt fertigte Werkzeuge für den Bedarf seines Betriebes an. – Daß die Mechanisierung erhebliche gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen mußte, die auf die Dauer die gesamte Bevölkerung der Umgebung trafen, wollte H. nicht sehen. Einen ersten Streik 1899 konnte er durch Zähigkeit überstehen, ein zweiter, 1907, wegen der gefährdeten Heimarbeitertarife – hier waren die übrigen Solinger Firmen mit den Streikenden gegenüber H. einig – brachte das Unternehmen an den Rand des Ruins. H.s kundige Arbeiter wanderten zu anderen Betrieben ab, diesen zum Nutzen. Erst der Beginn des 1. Weltkrieges brachte H. wieder Auftrieb mit umfangreichen Rüstungsaufträgen (Bajonette u. ä.). Die Firma hatte bei H.s Tode eine Belegschaft von 1100 Arbeitern, zusätzlich zahlreiche Heimarbeiter.

  • Literatur

    F. Hendrichs, Die Gesch. d. Solinger Industrie, 1933, S. 239-45 (P);
    ders., Gottlieb Hammesfahr,|1684-1934, 1934 (P);
    ders., Solingen u. s. Stahlwarenindustrie, 1952;
    W. Philipps, Die Unternehmer in d. Solinger Stahlwarenindustrie im 19. Jh., Diss. Köln 1956.

  • Autor/in

    Hans Wolfram von Hentig
  • Zitierweise

    Hentig, Hans Wolfram von, "Hammesfahr, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 598-599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136949711.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA