<< Adler, Guido
Adler, Johann Heinrich Friedrich >>
Adler, Jakob Georg Christian
evangelischer Theologe und Orientalist,
* 8.12.1756 Arnis/Schlei
† 22.8.1834 Giekau (Holstein).
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus einer alten, ursprünglich in Augsburg ansässigen Predigerfamilie.
V Georg Christian Adler (1734–1804), Prediger und Kirchenpropst in Altona und Pinneberg;
M Johanna Elise Schultze (
† 1806);
⚭ 1) 1787 Dorothea Maria (
† 1804),
T des Pastors Josias Lorck, 2) 1805 Luise Dorothea (
† 1844),
T des Justizrats und kaiserlich russischen Leibarztes Carl Friedrich Lederer.
Leben ↑
Adler studierte in Kiel Theologie und anschließend Orientalia bei Oluf Gerhard Tychsen in Bützow und Rostock. Ein Reisestipendium der dänischen Regierung ermöglichte ihm 1780-82 eine für die biblische Textkritik fruchtbare Erforschung griechischer und orientalischer, insbesondere syrischer Handschriften an großen europäischen Bibliotheken, am längsten in Rom. Auf arabischen Gebiet erwarb er sich Verdienste durch die Veröffentlichung von Faksimilia kufischer Koranhandschriften der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen mit einer Untersuchung über die arabische Schriftentwicklung (1780) und durch die Herausgabe der von J. J. Reiske bearbeiteten und übersetzten Annalen des Abulfida (5 Bände, Kopenhagen 1789/95). Daneben förderte er als Professor der Theologie in Kopenhagen und als Generalsuperintendent von Schleswig und Holstein das Kirchen- und Schulwesen seiner Heimat. U. a. verfaßte er die wegen ihres rationalistischen Charakters stark befehdete schleswig-holsteinische Kirchenagende 1797 und eine allgemeine Schulordnung für Schleswig-Holstein 1814.
Werke ↑
u. a. Slg. v. gerichtl. jüd. Contrakten, rabb. u.
dt., mit Vorrede
v. O. G. Tychsen, Hamburg u. Bützow 1773; Judaeorum Codicis sacri rite scribendi leges, e libello Thalmudico Massechet Sopherim in
lat. conversae, Hamburg 1779; Kurze Übersicht seiner biblisch-krit. Reise nach Rom, Hamburg-Altona 1783; Museum Cuficum Borgianum Velitris 1, Rom 1787, 2, Havniae 1792; Novi Testamenti versiones syriacae, simplex Philoxenia et hierosolymitana, ebenda 1789;
s. a. Gesamt-
Kat. d.
Preuß. Bibliotheken 1.
Literatur ↑
ADB I;
A. Th. Hartmann, O. G. Tychsen
usw., 2
Bde., 1818-20
(passim);
ders., Biblisch-
asiat. Wegweiser
z. O. G. Tychsen
usw., 1823, S. 2 f.;
G. Adler, Die Vorfahren d. Generalsuperintendenten
A., in:
Schrr. d.
Ver. f. schleswig-
holstein. Kirchengesch., Reihe II,
Bd. 5, 1910-13, S. 213-31,
bes. 224 ff.;
H. Ehrencron-Müller, Dansk Forfatterleks. I, 1924;
O. F. Arends, Gejstligheden i Slesvig og Holsten I, 1932;
Dansk. Leks. I, 1933;
RGG;
LThK;
Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques I, 1912,
Sp. 573:
Enc. Catt. I, 1949.
Portraits ↑
Kupf. 1809 P. Ipsen del., H. Lips sculp. (
Nr. 1286, Klebeband
Nr. 4 d. Gesamtwerks
v. J. H. Lips a. d. Zürcher
Kunstges.;
Ölgem. (Dom
v. Schleswig);
Ölgem. (Histor. Landeshalle Kiel).
Autor ↑
Hans StriedlEmpfohlene Zitierweise ↑
Striedl, Hans, „Adler, Jakob Georg Christian“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
70-71
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864386X.html
<< Adler, Georg Christian
Adlerflycht, Justinian >>
Adler, Jacob Georg Christian
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Adler: Jacob Georg
Christian
A.
, Orientalist und praktischer Geistlicher, geb.
8. Dec. 1756 zu Arnis an der Schlei, woselbst sein Vater
Georg Christian damals Prediger war, † 22.
Aug. 1834 zu Gikau bei Lütjenburg
im Holstein'schen auf einer Visitationsreise. Nachdem
er das Altonaer Gymnasium absolvirt hatte, widmete er sich auf den
Universitäten Kiel und Rostock dem Studium der Theologie, wobei
sich seine Neigung von jeher besonders den orientalischen Sprachen
zuwandte. Durch ein Reisestipendium von der dänischen Regierung
unterstützt, untersuchte er in den Jahren 1780—82 in Deutschland,
Holland, Frankreich und Italien griechische und orientalische
Handschriften, vorzugsweise im Interesse der biblischen
Textkritik. Am längsten, gegen 15 Monate, hielt er sich zu Rom
auf, wo er mit Gelehrten, wie dem Cardinal Stephan Borgia, dem
Augustiner Anton Georgii, dem Bibliothekar Stephan Evodius
Assemani, befreundet war. Nach seiner Rückkehr erhielt er 1783
eine außerordentliche Professur des Syrischen und 1788 der
Theologie zu Kopenhagen, wo er auch 1789 zum deutschen Hofprediger
ernannt wurde. Im J. 1792 wurde er zum Generalsuperintendenten des
Herzogthums Schleswig ernannt, wozu ihm 1806 noch die Verwaltung
der holstein'schen Generalsuperintendentur
|übertragen
wurde. Adler's Thätigkeit im schleswig-holstein'schen Kirchen- und
Schulwesen, seine 1797 zuerst herausgegebene Kirchenagende, sein
Predigtwerk und Aehnliches ist, wenn auch erfolgreich, so doch von
vorwiegend localer Bedeutung, wir beschränken uns auf Hervorhebung
seiner orientalischen Leistungen. Die bedeutendste derselben ist
die, seitdem freilich durch neuere Untersuchungen ziemlich
veraltete Schrift: "Novi Testamenti versiones
syriacae, simplex philoxeniana et hierosolymitana"
(Kopenhagen 1789), eine Frucht seiner gelehrten Reise, namentlich
seiner Arbeiten in den römischen Bibliotheken. Er bietet hier
viele aus Handschriften geschöpfte Notizen über die für
neutestamentliche Textkritik so wichtigen syrischen Uebersetzungen
und lenkte namentlich nach Joseph Simon Assemani zum erstenmal
wieder die Aufmerksamkeit des Publicums auf das seitdem von dem
Grafen Miniscalchi Erizzo herausgegebene "jerusalemische"
Evangeliarium, welches eine im palästinensisch-syrischen Dialekt
abgefaßte Version enthält. Auf einem anderen Gebiete machte er
sich schon vor seiner Reise verdient, indem er in der "Descriptio codicum quorundam cuficorum"
(Altona 1780) Facsimile's kufischer Koranhandschriften der
Kopenhagener Bibliothek mittheilte und damit interessante
Nachweise über die arabische Schriftentwickelung verband. Im J.
1782 gab er dann zu Rom eine Beschreibung der Münzen und anderen
kufischen Inschriften in der von Cardinal Borgia zu Velletri
angelegten Sammlung heraus ("Museum cuficum
Borgianum Velitris illustratum"). Zehn Jahre später folgte,
gleichsam als Fortsetzung, seine "Collectio
nova numorum cuficorum seu arabicorum". Noch erwähnen wir
seine Ausgabe der nachmuhammedanischen Annalen des Abulfeda ("Abulfedae annales moslemici arabice et
latine", 5 Bde., Kopenh. 1789—95) und die "Bibliotheca biblica Serenissimi Würtembergici
Ducis, olim Lorckiana" (5 Bde., Altona 1787). Sonstige
Schriften von geringerer Bedeutung findet man vollständig
verzeichnet in Lübker-Schröder's und Alberti's Schlesw.-Holst.
Schriftstellerlexicon.
Autor ↑
Bickell.
Empfohlene Zitierweise ↑
Bickell, „Adler, Jacob Georg Christian“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
85-86
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864386X.html?anchor=adb
Adler, Jakob Georg Christian
Name: Adler, Jakob Georg Christian
Namensvariante: Adler, Jacob Georg Christian
Lebensdaten: 1756 bis 1834
Geburtsort: Arnis/Schlei
Sterbeort: Giekau (Holstein)
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Orientalist
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Striedl, HansAutor ADB:
BickellPND: 11864386X