Name
Hätzlerin, Clara
Namensvarianten
Clara <Hätzler>; Haetzlerin <Religieuse>; Haetzlerin <à Augsbourg>; Hässlerin, Clara; Hätzler, Klara; Hätzlerin, Clara; Hätzlerin, Klara; Klara <Hätzler>
Lebensdaten
um 1430 bis nach 1476
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Abschreiberin von Handschriften; Augsburger Nonne
Konfession
katholisch
Autor NDB
Eduard Gebele
Autor ADB
K. Bartsch.
GND
118719831

Hätzlerin, Clara

Abschreiberin von Handschriften, * um 1430, nach 1476.

  • Genealogie

    V Bartholomäus (erw. 1409-44), Notar in Augsburg; M N. N. (erw. bis 1448); B Bartholomäus (erw. 1451-96), Notar in Augsburg; ledig; N Veronika ( Leonhard Pfister, Rechenmeister).

  • Leben

    Dem Namen H. haftet bis in die neueste Zeit in der deutschen Literatur eine gewisse Pikanterie wegen der oft recht zweideutigen Lieder an, die H. in dem selbst geschriebenen Liederbuch entweder selbst gesammelt oder sogar gedichtet haben sollte. Da in der damaligen Frauenwelt im allgemeinen nur Nonnen des Schreibens kundig waren, hielt man sie für eine solche. Aber als Nonne hätte sie weder im Hause ihres Bruders wohnen noch selbständig steuern können (wie überliefert), und zwar 24 Jahre von 1452-76. Schon die stoffliche Verschiedenheit der gesammelten Lieder beweist, daß sie nicht deren Verfasserin sein kann. Sie hat sie lediglich im Auftrag eines Augsburger Bürgers abgeschrieben. Die Auffindung weiterer inhaltlich verschiedenartiger Handschriften von ihrer Hand hat sie endgültig als Lohnschreiberin enthüllt, wie sie seit dem Ende des 13. Jahrhunderts anzutreffen sind. Es sind durchaus keine gelehrten Frauen gewesen; ihre Kunst bestand lediglich im Schönschreiben. Von H.s Ruhm als Dichterin ist nichts geblieben: Sie war eine für ihre Zeit selten fleißige und gute Schreiberin, die als einziges Verdienst aufzuweisen hat, daß sie ein Liederbuch geschrieben hat, welches eine für die Literatur und Zeit wichtige Sammlung darstellt. Überdies ist es eines der wenigen erhalten gebliebenen überhaupt. Sie schreibt stets auf Papier eine schöne, einfache Fraktur der Zeit, sauber und leserlich, die aus einer guten Schule kommt. Man findet wenig Flüchtigkeiten. Die Ausstattung ihrer Schrift ist einfach, Initialen ohne Verzierung, Überschriften in roter Tinte. Am Schluß zeichnet sie mit ihrem Namen. Das sogenannte Liederbuch gliedert sich in einen ersten Teil, den eigentlichen Liedteil, welchem 27 Tagelieder voranstehen. Die in großer Mehrzahl weltlichen Lieder dieses Teiles sind vorwiegend Liebes- und Situationsdichtung (zum Teil realistisch); er ist (auch für sich) von größerer Mannigfaltigkeit als andere Liederbücher jener Zeit. Die Entstehungszeit der Gedichte reicht vom frühen 14. (Schwerpunkt) bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Unter den Verfassern finden sich der Teichner, Suchenwirt, Suchensinn, der Mönch von Salzburg, Oswald von Wolkenstein, Jörg Schiller, Hermann von Sachsenheim und andere, wodurch die Handschrift überlieferungsgeschichtliche Bedeutung erhält.

    • Werke

      Von ihr geschrieben: Die bekrönung kaiser Friedrichs 1442, 1467 (Heidelberg, Univ.bibl.);  Beizbüchlein, 1468 (Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Hofbibl.);  Liederbuch, 1471 (Prag, Bibl. d. Nat.mus.);  Heinrich Mynsinger d. puch v. d. Valcken, 1473 (Stuttgart, Württ. Landesbibl.);  Schwabenspiegel verkürzt, 3. Viertel d. 15. Jh. (Wien, Österr. Nat.bibl.);  Augsburger Stadtrechtsbuch, o. J. (Augsburg, Staats- u. Stadtbibl.);  Doctor Joh. Hartlieb, puch aller verpoten kunst, o. J. (Heidelberg, Univ.bibl.).

    • Literatur

      ADB XI;  C. H., Liederbuch, hrsg. v. C. Haltaus, 1840;  E. Gebele, in: Lb. a. d. Bayer. Schwaben VI, 1958, S. 26 ff. (L, Beschreibung d. Handschriften mit Angabe d. Ausgaben)Vf.-Lex. d. MA II.

  • Autor

    Eduard Gebele
  • Empfohlene Zitierweise

    Gebele, Eduard, "Hätzlerin, Clara" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 455 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118719831.html

Hätzlerin, Clara

  • Leben

    Hätzlerin: Clara Hätzlerin, Nonne in Augsburg, welche aus dem Abschreiben von Handschriften ein Gewerbe gemacht zu haben scheint. Ihr Name steht unter mehreren Heidelberger Handschriften des 15. Jahrhunderts, so schrieb sie Hartlieb's Buch gegen den Aberglauben und die Zauberei ab (Palat. 478) und eine Beschreibung der Kaiserkrönung Friedrichs III. (Pal. 677). Am bekanntesten und am interessantesten ist das 1471 geschriebene, in Prag befindliche "Liederbuch", welches allerdings nur zum kleineren Theile Lieder, zum größeren aber Gedichte der verschiedensten Art, erzählenden und lehrhaften Inhalts enthält. Der Inhalt der Gedichte ist oft so anstößig, daß es als charakteristisch für die Zeit gelten muß, wenn eine Nonne dergleichen ohne Anstoß in eine von ihr veranstaltete Gedichtsammlung aufnahm.

    • Literatur

      Liederbuch der Clara Hätzlerin, herausg. von Haltaus, Quedlinb. u. Leipzig 1840. Vgl. noch Wilken, Geschichte der Heidelberger Büchersammlung, S. 488. 519.

  • Autor

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Hätzlerin, Clara" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 36 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118719831.html?anchor=adb

Hätzlerin, Clara

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