Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Haberer von Kremshohenstein, Hans     Haberl, Franz Xaver >>

Haberkorn, Peter

lutherischer Theologe, * 9.5.1604 Butzbach (Hessen), 5.4.1676 Gießen.


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
Althess., vorwiegend im Forstdienst tätige Beamtenfam. aus Allendorf; V Andreas (1574–1617), Schreinermeister in B., S d. Hermann ( 1613), aus Allendorf, Pfarrer in Wieseck; M Catharina (1575–1616), T d. Balthasar Braubach in B.; Marburg 19.8.1633 Elisabetha Cath. (1617–84), T d. Theologen Justus Feuerborn ( 1656, s. NDB V); 11 K, u. a. Heinr. Peter (1639–1711), Oberappellationsgerichtsrat in Dresden, Prof. d. Rechte, Joh. Balthasar (1646–1706), Prof. d. Theol. in Erfurt, 1686 Gen.sup. in Güstrow, Katharina ( Johs. Scheibler, 1628–89, Prof. d. Theol. in G.).

Leben  
Früh elternlos, besuchte Haberkorn die Schule in Butzbach, von 1620 an das Gymnasium in Ulm. 1625 in Marburg immatrikuliert, erwarb er dort 1627 den Magistergrad. 1629 erhielt er ein Stipendium, vervollkommnete seine Ausbildung in Köln, Jena, Leipzig und Straßburg (1631) und wurde 1632 ordentlicher Professor der Physik in Marburg. 1633 zum D. theol. promoviert, kam er 1633 als Hofprediger Georgs II. nach Darmstadt. 1636 siedelte er mit dem Hof nach Gießen über; 1643 erfolgte seine Ernennung zum Superintendenten der Gießener Diözese. 1650 zum 2. ordentlichen Professor der Theologie in Gießen berufen, rückte Haberkorn nach dem Tode seines Schwiegervaters 1658 in die 1. theologische Professur auf. Er erhielt die Gießener Fakultät sowie die Landgrafschaft Hessen in der Treue zur lutherischen Orthodoxie. Als sprachenkundiger Wissenschaftler und bedeutender Kirchenmann, als Kenner der Philosophie und der lutherischen, reformierten, katholischen und rabbinischen Theologie, als großer Apologet lutherischen Glaubens gegenüber Juden (Judenkonvente), Katholiken (Rheinfelser Religionsgespräch von 1651), Kalvinisten, Schwärmern und dem Helmstedter Vermittlungstheologen G. Calixt gehört Haberkorn zu den „tüchtigsten hessen-darmstädter Theologen aller Zeiten“ (Diehl). In seiner Person begegnet uns eine Orthodoxie, die barocker Weltanschauung und Lebensstimmung verhaftet ist: der Mensch steht hier in Kämpferhaltung dem Leben gegenüber (W. Flemming). So ist auch der orthodoxe Theologe seines Glaubens nur im kämpferischen Einsatz gewiß. Die pietistische Polemik gegen Haberkorn („Der Feuerborn und Haberkorn, die haben die ganze Welt verworrn“) verkennt das Streben der lutherischen Orthodoxie.

Werke  
Dogmat.-apologet. Abhh., Dissertationen, Predigten s. Strieder V, S. 212-21, VI, S. 519, 523, IX, S. 386.

Literatur  
ADB X; H. Heppe, KG beider Hessen II, 1876, S. 213 ff.; Die Univ. Gießen 1607-1907, 1907, I, S. 273 f., 373, 429, II, S. 38, 256; W. Diehl, Hassia Sacra I, 1921, S. 223, II, 1925, S. 87-90; E. Kredel, Grabschrr. v. Gießener Univ.angehörigen, in: Nachrr. d. Gießener Hochschulges. 6, 1928, H. 3, S. 26 ff.; W. Flemming, Dt. Kultur im Za. d.|Barock, in: Hdb. d. Kulturgesch. I. Abt., Bd. 5, 1937; W. Philipp, Das Bild d. Menschheit im 17. Jh. d. Barock, in: Studium Generale 14, 1961, S. 721-42; H. Steitz, Gesch. d. Ev. Kirche in Hessen u. Nassau II, 1962, S. 151 ff.; W. J. Becker, Gießener Theologen, in: Hess. Heimat 14, 1963; Strieder V, S. 205-25; PRE; RGG3.

Portraits  
Ludwigs-Univ.-Justus-Liebig Hochschule 1607-1957, 1957, S. 144 f. (Abb. d. Grabmals); Gem. (früher Univ. Gießen, Phot. ebd.).

Autor  
Karl Dienst
Empfohlene Zitierweise  

Dienst, Karl, „Haberkorn, Peter“, in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 390 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd100153003.html

ADB-Artikel

<< Haberer, Herman     Haeberl, Franz Xaver von >>

Haberkorn, Peter

 LebenAutorLiteraturZitierweise

Leben  
Haberkorn: Peter H., eifriger Verfechter der lutherischen Orthodoxie im 17. Jahrh. — wahrscheinlich ein Abkömmling des alten fränkischen Adelsgeschlechts v. Haberkorn — war am 9. Mai 1604 zu Butzbach in der Wetterau als Sohn eines dortigen Schreinermeisters geboren. Da die Eltern frühzeitig starben, veranlaßte es der damalige Prediger zu Butzbach (nachheriger Superintendent zu Gießen) Joh. Dieterichs, daß der verwaiste Knabe nach Ulm zum Besuche des dortigen Gymnasiums geschickt wurde, dessen Rector der Bruder des Dieterichs war. Nach Beendigung der Gymnasialstudien besuchte H. seit 1626 die Universitäten Marburg, Leipzig und Straßburg und hielt sich dann schließlich noch, lediglich um die Streittheologie der Katholiken von diesen selbst zu erlernen, ein halbes Jahr in Köln auf. Im J. 1632 nach (dem damals im hessen-darmstädtischen Besitze befindlichen) Marburg zurückgekehrt machte er sich bald durch seinen mit großer Gelehrsamkeit gepaarten Feuereifer für das lutherische Dogma bemerklich, und erhielt infolge dessen 1633 die Stelle eines Hofpredigers zu Darmstadt. Hier erkannte Landgraf Georg II. die Bedeutung des Mannes und ernannte ihn daher im Januar 1643 zum Superintendenten in Gießen, sowie, als die hessen-darmstädtische lutherische Hochschule von Marburg nach Gießen zurückverlegt war, zum ordentlichen Professor der Theologie und der hebräischen Sprache an derselben. Von dieser Stellung aus lag nun H., um die Mauern Zions zu hüten, im ununterbrochenen Kampfe mit Papisten und Reformirten. So lange er lebte, galt daher die lutherische Kirche des Landes als wohlverwahrt. In den trostlosen synkretistischen Streitigkeiten, welche durch den Unionismus des großen Helmstädter Theologen Georg Calixt veranlaßt waren, spielte daher H. zwar eine hervorragende aber keine erfreuliche Rolle. In seinem Werke "Anti-Syncretismus" führt H. aus, daß der Teufel selbst das Princip der die confessionellen Gegensätze mißachtenden Religionsmengerei sei. Wie zwischen Christus und Belial, Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge, so sei auch zwischen lutherischer und reformirter Lehre keine Zusammenstimmung möglich. Haberkorn's Theilnahme an dem Religionsgespräch zu Rheinfels mit (reformirten und) katholischen Theologen war durchaus erfolglos, weil der zum Uebertritt zum Katholicismus schon vor dem Beginne des Gesprächs entschlossene Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg (von welchem dasselbe veranstaltet war) durch seine das Colloquium betreffenden Dispositionen dasselbe zu einer leeren Formalität gemacht hatte. H. — nach dem Tode seines Schwiegervaters Feuerborn (1658) Professor primarius der Gießener Facultät — starb im April 1676.

Literatur  
Vgl. Strieders Hess. Gelehrten-Lexikon Bd. IX, S. 205—211, wo auch seine Schriften aufgezählt sind.

Autor  
Heppe.
Empfohlene Zitierweise  

Heppe, Heinrich, „Haberkorn, Peter“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 268 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd100153003.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
NDB 7 (1966), S. 390 f.
ADB 10 (1879), S. 268
Erwähnungen: 
NDB 5 (1961), S. 115*

PND: 100153003
Artikel drucken

Index

Haberkorn, Peter

Name: Haberkorn, Peter
Lebensdaten: 1604 bis 1676
Geburtsort: Butzbach (Hessen)
Sterbeort: Gießen
Beruf/Lebensstellung: Professor der Theologie
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Dienst, Karl
Autor ADB: Heppe, Heinrich
PND: 100153003

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Haberkorn, Peter

PND
100153003

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München
Gesamtkatalog deutschsprachiger Leichenpredigten (GESA)

Nachlässe
Kalliope