<< Gundelfingen, Konrad von
Gundert, Hermann >>
Gundelfinger, Sigmund
Mathematiker,
* 14.2.1846 Kirchberg/Jagst,
† 13.12.1910 Darmstadt. (israelitisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Salomo,
Kaufm. in
K.;
M Julie Simon (
† 1877);
⚭ 1878 Amalie (
* 1857),
T d. Leopold Gunz (1809–76), Großhändler mit Schnittwaren in Augsburg, u. d. Großhändlers-
T Emilie Feist; 2
S,
u. a. Frdr. Gundolf (
† 1931), Literarhist. (s.
NDB VII).
Leben ↑
Nach Besuch des Gymnasiums in Ansbach und später in Stuttgart, wo der durch seine „Tafeln komplexer Primzahlen“ bekannte Mathematiker C. G. Reuschle die mathematischen Interessen seines Schülers förderte, und nach anfänglichen juristischen Studien in Tübingen widmete sich Gundelfinger der Mathematik und Physik, und zwar ab 1864 in Heidelberg bei L. O. Hesse, M. Cantor, H. Helmholtz, G. Kirchhoff, ab 1866 in Königsberg bei F. Richelot, F. Neumann, ab 1867 in Gießen bei A. Clebsch, P. Gordan (hier 1867 Promotion). 1869 habilitierte er sich in Tübingen für Mathematik, erhielt dort 1872 einen Lehrauftrag für Analytische Geometrie und Algebra und wurde 1873 außerordentlicher Professor der Mathematik. 1879 ging er als ordentlicher Professor der Mathematik an das Polytechnikum (später Technische Hochschule) in Darmstadt. – Gundelfinger hat als Schüler von Clebsch und Gordan die Invariantentheorie der algebraischen Formen und ihre Anwendung in der Geometrie der algebraischen Kurven, insbesonders der Kurven 2. und 3. Grades, durch wichtige Beiträge (unter anderem die Kanonisation der binären Formen) gefördert. Als Hesses Schüler, der die Werke seines Lehrers mitherausgab, ergänzte und teilweise neubearbeitete, hat er dessen grundlegende Forschungsmethoden in der Analytischen Geometrie, insbesondere des Raumes, in eigenen Arbeiten vertieft und ausgebaut (unter anderem Projektive Koordinaten in der Ebene und im Raum mit besonderer Anwendung auf das Achsenproblem der Kurven und Flächen zweiter Ordnung, zusammengefaßt dargestellt in „Vorlesungen aus der Analytischen Geometrie der Kegelschnitte“, 1895, herausgegeben von F. Dingeldey; Transformation einer quadratischen Form von n Veränderlichen in eine Summe von Quadraten linearer Funktionen der Veränderlichen [Journal für reine und angewandte Mathematik 91, 1881, S. 221-31]). Nicht unerwähnt bleiben dürfen seine Verdienste um die Herausgabe von verschiedenen Tafelwerken (unter anderem zur Berechnung neunstelliger Logarithmen mittels einer neuen Interpolationsmethode [1891] und der reellen Wurzeln trinomischer Gleichungen [1897])
|Auszeichnungen ↑
Geh. Hofrat, Hälfte
d. Steiner-Preises
d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1895), Goldene Medaille „Bene merenti“
d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1897).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Zur Theorie d. simultanen Systems e. kub. u. e. biquadrat. binären Form, Habil.schr. 1869;
Zur Theorie d. ternären kub. Formen, in:
Math. Ann. 4, 1871, S. 144-63;
Über einige
allg. Theoreme aus d. neueren Algebra,
ebd., S. 164-68;
Über binäre Formen, in;
Journal f. reine u.
angew. Math. 74, 1872, S. 87-91;
Über d. Transformation
v. Differentialausdrücken vermittels ellipt. Koordinaten,
ebd. 85, 1878, S. 80-87;
Zur Theorie d. binären Formen, in:
Nachrr. v. d.
kgl. Ges. d.
Wiss. z. Göttingen,
Jg. 1883, S. 115-21;
dass., in: Journal f. reine u.
angew. Math. 100, 1887, S. 413-24.
Literatur ↑
F. Dingeldey, in:
Jber. d.
Dt. Mathematiker-Vereinigung 26, 1917, S. 75-99
(W, P);
L. Schlesinger, in:
Hess. Biogr. III, 1934, S. 299-303
(W);
BJ XV (
Tl. 1910,
L);
Pogg. III-V.
Autor ↑
Otto VolkEmpfohlene Zitierweise ↑
Volk, Otto, „Gundelfinger, Sigmund“,
in: Neue Deutsche Biographie
7
(1966), S.
315
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136742416.html