<< Abbt, Thomas
Abé, Richard >>
Abderhalden, Emil
Physiologe,
* 9.3.1877 Oberuzwil (Kanton
St. Gallen),
† 5.8.1950 Zürich. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus
St. Gallischer Familie;
V Nikolaus Abderhalden (1842–1923), Lehrer in Oberuzwil u. Basel:
M Anna Barbara Stamm aus Thayngen;
Gvv Melchior Abderhalden (1810–57), Weber in Ebnat (Kanton
St. Gallen);
Gvm Georg Stamm;
⚭ Neuwied 1909 Margarethe,
T des Theodor Barth in Neuwied;
S Rudolf Abderhalden, Physiologe und Pathologe in Basel, Klaus Abderhalden, Chirurg in
St. Gallen; 3
T,
u. a. Barbara, Ärztin.
Leben ↑
Nach seinen Studien in Basel, wo Abderhalden schon seine erste Arbeit „Zur quantitativen Analyse des Blutes“ veröffentlichte, legte er 1901 das Staatsexamen als Arzt ab und promovierte ein Jahr darauf bei Gustav
v. Bunge. Die ersten Untersuchungen über Eiweißkörper des berühmten Chemikers Emil Fischer fesselten den angehenden Forscher. 1902 trat er bei Fischer in Berlin ein, zu dessen Privatassistenten er bald aufrückte. In den kommenden Jahren arbeitete Abderhalden vor allem über die Struktur der Eiweiße; er isolierte erstmals ein Polypeptid aus Eiweiß und machte grundlegende Versuche über eiweißspaltende Fermente. 1904 war Abderhalden Privatdozent, als 31jähriger wurde er als Nachfolger von Hermann Munk auf den Lehrstuhl für gesamte Physiologie an die tierärztliche Hochschule von Berlin berufen. Arbeiten über Eiweiß-Synthese im tierischen Organismus, Polypeptid-Synthese, die Probleme der Fermente und Hormone beschäftigten ihn. In diese Zeit fällt auch die Entdeckung der hochspezifischen Abwehrfermente. 1911 erhielt Abderhalden einen Ruf als Nachfolger Bernsteins nach Halle, wo er 34 Jahre als Ordinarius für physiologische Chemie und Physiologie verbrachte. – Seine Untersuchungen erstreckten sich praktisch auf sämtliche Gebiete der physiologischen Chemie. Der Schwerpunkt ruhte aber immer auf der Erforschung der Eiweiß-Körper: Entdeckung neuer Aminosäuren, Synthese von Polypeptiden und Arbeiten über Proteinasen und Peptidasen. – Der große Menschenfreund Abderhalden, der im ersten Weltkrieg Verwundetentransporte organisierte, der bedürftigen Familien Ackerland vermittelte, der Säuglingsheime gründete und Hilfe für alte Leute suchte, der Forscher mit zahlreichen Orden, Mitglied von 50 wissenschaftlichen Gesellschaften aller Länder, Ehrendoktor mehrerer Fakultäten, blieb von schweren Schicksalsschlägen in seinem Alter nicht verschont. 1945 wurde
A. von den Amerikanern in ein kleines Dorf im Westen evakuiert; schon schwer krank, erhielt der Klassiker der Physiologie noch einmal vom Frühling 1946 bis zu seiner Emeritierung 1947 den Lehrstuhl für physiologische Chemie an der Universität Zürich.
Werke ↑
u. a. Der Einfluß d. Höhenklimas auf d. Zusammensetzung d. Blutes,
Diss. 1902;
Bibliogr. d. gesamten
wiss. Lit. üb. d. Alkohol u. d. Alkoholismus, Wien 1904; Neuere Ergebnisse auf d. Gebiet d. speziellen Eiweiß-Chemie, 1909; Synthese d. Zellbausteine in Pflanze u. Tier, 1912;
Physiolog. Praktikum. 1912, 7.
Aufl. 2
Bde., 1946/49;
Lehrb. d. physiolog. Chemie, 1906,
281948; Schutzfermente d. tier. Organismus, 1912,
71944; Die Grundlagen unserer Ernährung, 1917, 5.
Aufl.: Die Grundlagen unserer Ernährung u. unseres Stoffwechsels, Bern 1946;
Lehrb. d. Physiol, 4
Bde., 1925/26.
121946; Vitamine u. Vitamintherapie (mit G. Moriquand), 1948;
Hrsg.: Fortschritte d.
Naturwiss., 1909 ff.
(bis 1930 13 Bde.);
Hdb. d. biochem. Arbeitsmethoden, 9
Bde., 1910 ff.: Biochem. Handlex., 14
Bde., 1910–33;
Hdb. d.
biolog. Arbeitsmethoden. 1920 ff. (bis
1939 7 Bde.);
Ztschr. f. Ferment-F, 1916 ff.
(1945 17. Bd., dann ersetzt durch d.
Ztschr. f. Vitamin-, Hormon- u. Ferment-F, 1947 ff.);
Ztschr. f. Alters-F (mit M. Bürger); Ethik, 14
Jgg., 1922 ff.
(Selbstverlag); Mithrsg.
v. „Pflügers Archiv“
Literatur ↑
Nekrolog in:
Ztschr. f. Vitamin-, Hormon- u. Ferment-F,
Bd. 4.1951, H. 1
(P);
K. Heyns, in: Pflügers Archiv f. d. gesamte
Physiol.,
Bd. 253, 1951, S. 229-37;
Dt. Med. Wschr. 75, 1950, S. 1410 f.;
A. Durig, E.
A. in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss. Wien,
Jg. 101, 1951, Wien 1952, S. 428-33;
HBLS I, 1921;
Pogg. VI;
Schweizer Zeitgenossenlex.,
21932
(L);
Neue Schweizer
Biogr., Basel 1938
(P);
Schweizer Lex. I, 1945.
Portraits ↑
im
Physiolog.-
chem. Institut d.
Univ. Halle/S., 1946:
v. Frau
v. Esebeck, 1943 (im Besitz
v. Dr. Rudolf A„ Basel).
Autor ↑
Peter FriedliEmpfohlene Zitierweise ↑
Friedli, Peter, „Abderhalden, Emil“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
5-6
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118643576.html