<< Baruch, Simon
de Bary, Anton Heinrich >>
Barvitius (Barwitz), Johann Anton
kaiserlicher Ratgeber,
* um 1555 in den Niederlanden,
† Anfang 1620 Köln. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Herkunft unklar, wird 1601 als
eines tumpfaffen son von Utrecht bezeichnet. Die in genealogischen und heraldischen Werken stets wiederholte Angabe, die Familie sei aus Piemont eingewandert, dürfte auf Erfindung beruhen. Dafür spricht auch, daß die als alter Familiensitz dort bezeichnete Herrschaft Fernemont (bei Namur) nach dem Zeugnis der zeitgenössischen Khevenhüller erst durch Barvitius' Schwiegertochter in die Familie eingebracht ist;
⚭ August 1597 Catharina Maria Freiin von Bailliencourt und Circelles, Herrin von Barlette und Douchy;
S Johann Franz Barvitius (genannt Fernemont,
ca. 1598–1667), Generalfeldzeugmeister und Landeshauptmann des Fürstentums Glogau (
⚭ Clara Eugenie Gräfin von Frezin und Gavre,
† 1676).
Leben ↑
Barvitius studierte Eloquenz und Rechte (in Dôle und Douai?). Seit 1575 in Köln nachweisbar, beginnt hier seine politische Tätigkeit als Nachrichtenagent für katholische Höfe und kuriale Kreise, insbesondere seit 1581 für die bayerischen Wittelsbacher, die er frühzeitig gegen Kurfürst Gebhard alarmierte. Er war ein eifriger und erfolgreicher Schrittmacher Herzog Ernsts in Köln, siedelte im August 1583 nach Bayern über und setzte 1584 als bayerischer Agent in Rom bei Gregor XIII. die Kumulation der Bistümer Köln, Lüttich und Münster für Herzog Ernst durch. Anfang 1589 ging er an den Hof Rudolfs II. nach Prag, zunächst als Sekretär der lateinischen Expedition der Reichskanzlei, bald auch der geheimen Hauskorrespondenz des Kaisers, sowie des Geheimen Rates, als dessen vollwertiges Mitglied er bereits 1601 angesehen wurde, obwohl seine Ernennung dazu erst am 4.10.1608 erfolgte. 1593-1607 saß er auch im Reichshofrate. Seine Gewandtheit als Konzipist, seine juristische und sprachliche Bildung und nicht zuletzt seine Kunst der Menschenbehandlung verschafften ihm das persönliche Vertrauen des menschenscheuen Kaisers: von 1594 an war er mit zeitweiligen Unterbrechungen engster Vertrauensmann Rudolfs bis zu dessem Tode. Wieweit sein Einfluß auf die politischen Entscheidungen des Kaisers ging, ist in einzelnen Fällen indirekt zu erkennen, im ganzen aber schwer zu bestimmen, da sich der vorsichtige Berater des Kaisers von niemand in die Karten schauen ließ. Über seine konsequent katholische Grundhaltung hinaus besaß er schwerlich eine eigene staatsmännische Konzeption, sondern handelte, so gut es die Empfindlichkeit des Kaisers und sein eigenes Interesse zuließen, jeweils im Sinne seiner Auftraggeber und Petenten, die seine Zuverlässigkeit oft rühmen und von denen er sich gut bezahlen ließ. Den Einfluß des protestantischen Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig suchte er nach Kräften einzudämmen. - 1612 übernahm ihn Mathias sofort in seinen Geheimen Rat, und er vertrat hier zusammen mit dem Reichsvizekanzler von Ulm die streng katholische, dem Kardinal Khlesl feindliche Richtung. Kein Wunder, daß ihm auch Ferdinand II. sofort hohes Vertrauen schenkte.
|Literatur ↑
F. Ch.
Gf. Khevenhüller, Contorfet-Kupferstich II, =
Ann. Ferdinandei, T. 14. Leipzig 1726, S. 74;
J. Siebmacher, Wappenbuch IV/4, 1909, VI/8, 1887 ff.;
F. Stieve, in: Abhandlungen der
Bayer. Ak. d. Wiss. XV/1, 1879, S. 48;
M. Lossen, Der
köln. Krieg II, 1897, S. 72;
Nuntiaturberr. aus Dtld……
Abt. 4: 17.
Jh.,
hrsg. v. kgl. Preuß. Hist. Inst. z. Rom,
bearb. v. A. O. Meyer, 1911–13, S. LXX;
L. Groß, Die
Gesch. d. Reichshofkanzlei 1559-1806, = Inventare d. Wiener Haus-, Hof- u. Staatsarchivs I, Wien 1933, S. 414;
O.
v. Gschliesser. Der Reichshofrat. …, = Veröffentlichungen d.
Komm. f. neuere
Gesch. d. ehemal.
Österr.,
Bd. 33, Wien 1942, S. 153.
Autor ↑
Arno DuchEmpfohlene Zitierweise ↑
Duch, Arno, „Barvitius, Johann Anton“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
615 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd133258947.html
Barvitius, Johann Anton
Name: Barvitius, Johann Anton
Namensvariante: Barwitz, Johann Anton
Lebensdaten: um 1555 bis 1620
Geburtsort: in den Niederlanden
Sterbeort: Köln
Beruf/Lebensstellung: kaiserlicher Rat
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Duch, ArnoPND: 133258947