Name
Geßler, Otto
Namensvarianten
Geßler, Otto Karl
Lebensdaten
1875 bis 1955
Geburtsort
Ludwigsburg (Württemberg)
Sterbeort
Lindenberg (Allgäu)
Beruf/Lebensstellung
Reichswehrminister
Konfession
katholisch
Autor NDB
Thilo Vogelsang
Autor ADB
-
GND
116599723

Geßler, Otto Karl

Reichswehrminister, * 6.2.1875 Ludwigsburg (Württemberg), 24.3.1955 Lindenberg (Allgäu). (katholisch)

  • Genealogie

    Aus Bauernfam. d. Ravensburger Gegend; V Liberat (* 1844), württ. Berufsunteroffizier, später Gutsverwalter; M Karoline Späth; 1903 Maria Helmschrott ( 1954).

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechte (Erlangen, doctor iuris 1898, Tübingen, Leipzig) bekleidete G. verschiedene Stellungen im bayerischen Justizdienst (1903 Hilfsarbeiter im Justizministerium, 1904 Dritter Staatsanwalt in Straubing, 1905 Gewerberichter in München), bis er sich der kommunalen Verwaltung zuwandte. 1910 wählte ihn Regensburg zum Ersten rechtskundigen Bürgermeister, 3 Jahre später wurde G. Oberbürgermeister von Nürnberg. In dieser Stellung hat er während des Krieges mit großer Umsicht die Geschicke seiner Stadt geleitet und mit dazu beigetragen, daß Nürnberg und die fränkischen Gebiete im wesentlichen von den Nachkriegswirren (Räteherrschaft) verschont geblieben sind. Politisch stand G. den Liberalen um Naumann nahe (1918 Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei in Nürnberg), was ihm im Oktober 1919 die Berufung zum Reichsminister für den Wiederaufbau im Kabinett Bauer einbrachte. Als nach dem Kapp-Putsch im März 1920 der bisherige Reichswehrminister Noske von seiner eigenen Partei (SPD) gezwungen wurde, von seinem Posten zurückzutreten, schien unter den amtierenden Ministern G. der geeignetste zu sein, in kritischer Situation das Amt des Wehrministers zu übernehmen. Er bekleidete diese Stellung ohne Unterbrechung im Wechsel der Koalitionen 8 Jahre lang und war zusammen mit Seeckt maßgebend am Aufbau der Reichswehr beteiligt. Im Herbst 1923 ermöglichte seine loyale Mittlerstellung zwischen Ebert, Stresemann und der Generalität eine Bewältigung der großen Staatskrise. Später schirmte G. die Reichswehr gegen eine nicht immer redliche Opposition in Parlament und Öffentlichkeit ab und verlagerte durch unmittelbare Unterstellung einer neuen „Wehrmacht-Abteilung“ das politische Schwergewicht von der „Heeresleitung“ auf das Amt des Ministers. Eigenmächtigkeiten untergebener Organe („Phoebus“-Affäre), die er nicht mehr decken wollte, führten im Januar 1928 zu seinem Rücktritt. G., seit 1927 parteilos, blieb noch längere Zeit als ministrabler Politiker im Spiel, bereit, sich zur Durchführung staatsreformerischer Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Infolge seines ungewöhnlich hohen Ansehens in der Öffentlichkeit hatte er bis 1933 zahlreiche Ämter inne (Präsident des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge und des Bundes für die Erneuerung des Reiches, 1931-33 Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland [VDA] und andere). Während der nationalsozialistischen Herrschaft lebte G. zurückgezogen. Im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und verbrachte unter Mißhandlungen 7 Monate im KZ Ravensbrück. Von 1949 bis zu seinem Tode war er Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, 1950-52 auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes; die letzten Jahre seines Lebens galten dem Wiederaufbau dieser beiden großen karitativen Organisationen.

    • Werke

      Der Aufbau d. neuen Wehrmacht, in: Zehn J. dt. Gesch. 1918–28, 1928;  Die Träger d. Reichsgewalt, 1931;  Auf d. Nürnberger Bgm.stuhl im Weltkrieg 1914–18, in: Festgabe f. S. K. H. Kronprinz Rupprecht, 1954;  Reichswehrpol. in d. Weimarer Zeit, hrsg. v. K. Sendtner, 1958 (P).

    • Literatur

      E. Eyck, Gesch. d. Weimarer Republik, 2 Bde., 1954-56;  H. J. Gordon, Die Reichswehr u. d. Weimarer Republik 1919–26, 1959.

  • Autor

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Geßler, Otto Karl" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 350 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn116599723.html
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Geßler, Otto

Geßler, Otto