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Geßler, Otto Karl

Reichswehrminister, * 6.2.1875 Ludwigsburg (Württemberg), 24.3.1955 Lindenberg (Allgäu). (katholisch)


Genealogie | Leben | Werke | Literatur | Autor | Zitierweise

Genealogie  
Aus Bauernfam. d. Ravensburger Gegend; V Liberat (* 1844), württ. Berufsunteroffizier, später Gutsverwalter; M Karoline Späth; 1903 Maria Helmschrott († 1954).

Leben  
Nach dem Studium der Rechte (Erlangen, doctor iuris 1898, Tübingen, Leipzig) bekleidete Geßler verschiedene Stellungen im bayerischen Justizdienst (1903 Hilfsarbeiter im Justizministerium, 1904 Dritter Staatsanwalt in Straubing, 1905 Gewerberichter in München), bis er sich der kommunalen Verwaltung zuwandte. 1910 wählte ihn Regensburg zum Ersten rechtskundigen Bürgermeister, 3 Jahre später wurde Geßler Oberbürgermeister von Nürnberg. In dieser Stellung hat er während des Krieges mit großer Umsicht die Geschicke seiner Stadt geleitet und mit dazu beigetragen, daß Nürnberg und die fränkischen Gebiete im wesentlichen von den Nachkriegswirren (Räteherrschaft) verschont geblieben sind. Politisch stand Geßler den Liberalen um Naumann nahe (1918 Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei in Nürnberg), was ihm im Oktober 1919 die Berufung zum Reichsminister für den Wiederaufbau im Kabinett Bauer einbrachte. Als nach dem Kapp-Putsch im März 1920 der bisherige Reichswehrminister Noske von seiner eigenen Partei (SPD) gezwungen wurde, von seinem Posten zurückzutreten, schien unter den amtierenden Ministern Geßler der geeignetste zu sein, in kritischer Situation das Amt des Wehrministers zu übernehmen. Er bekleidete diese Stellung ohne Unterbrechung im Wechsel der Koalitionen 8 Jahre lang und war zusammen mit Seeckt maßgebend am Aufbau der Reichswehr beteiligt. Im Herbst 1923 ermöglichte seine loyale Mittlerstellung zwischen Ebert, Stresemann und der Generalität eine Bewältigung der großen Staatskrise. Später schirmte Geßler die Reichswehr gegen eine nicht immer redliche Opposition in Parlament und Öffentlichkeit ab und verlagerte durch unmittelbare Unterstellung einer neuen „Wehrmacht-Abteilung“ das politische Schwergewicht von der „Heeresleitung“ auf das Amt des Ministers. Eigenmächtigkeiten untergebener Organe („Phoebus“-Affäre), die er nicht mehr decken wollte, führten im Januar 1928 zu seinem Rücktritt. Geßler, seit 1927 parteilos, blieb noch längere Zeit als ministrabler Politiker im Spiel, bereit, sich zur Durchführung staatsreformerischer Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Infolge seines ungewöhnlich hohen Ansehens in der Öffentlichkeit hatte er bis 1933 zahlreiche Ämter inne (Präsident des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge und des Bundes für die Erneuerung des Reiches, 1931-33 Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland [VDA] und andere). Während der nationalsozialistischen Herrschaft lebte Geßler zurückgezogen. Im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und verbrachte unter Mißhandlungen 7 Monate im KZ Ravensbrück. Von 1949 bis zu seinem Tode war er Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, 1950-52 auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes; die letzten Jahre seines Lebens galten dem Wiederaufbau dieser beiden großen karitativen Organisationen.

Werke  
Der Aufbau d. neuen Wehrmacht, in: Zehn J. dt. Gesch. 1918–28, 1928;  Die Träger d. Reichsgewalt, 1931;  Auf d. Nürnberger Bgm.stuhl im Weltkrieg 1914–18, in: Festgabe f. S. K. H. Kronprinz Rupprecht, 1954;  Reichswehrpol. in d. Weimarer Zeit, hrsg. v. K. Sendtner, 1958 (P).

Literatur  
E. Eyck, Gesch. d. Weimarer Republik, 2 Bde., 1954-56;  H. J. Gordon, Die Reichswehr u. d. Weimarer Republik 1919–26, 1959.

Autor  
Thilo Vogelsang
Empfohlene Zitierweise  

Vogelsang, Thilo, „Geßler, Otto Karl“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 350 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116599723.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 6 (1964), S. 350

Erwähnungen: 
NDB 24 (2010), S. 671 in Artikel Sperr, Franz
NDB 15 (1987), S. 205 (Lossow, Otto von)
NDB 18 (1997), S. 19 (Moltke, Helmuth James Graf)


GND: 116599723

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Index

Geßler, Otto

Name: Geßler, Otto
Namensvariante: Geßler, Otto Karl
Lebensdaten: 1875 bis 1955
Geburtsort: Ludwigsburg (Württemberg)
Sterbeort: Lindenberg (Allgäu)
Beruf/Lebensstellung: Reichswehrminister
Konfession: katholisch
Autor NDB: Vogelsang, Thilo
GND: 116599723

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