<< Gersdorff, von
Gersdorff, Ernst Christian August Freiherr von >>
Gersdorff, Adolf Traugott von
Naturwissenschaftler,
* 24.3.1744 Niederrengersdorf (Oberlausitz),
† 16.6.1807 Meffersdorf Kreis Lauban (Schlesien). (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V
Karl Ernst (1689–1745), auf Eckersdorf, Niederrengersdorf (gekauft 1727)
usw.,
kursächs. Oberst,
S d.
Christoph Gottlob (1653–1731), auf Gersdorf (gekauft 1684)
usw.,
kursächs. Oberst, u. d. Katharina Magdalena
v. Theler;
M
Eleonore (1708–69),
T d. Samuel
Frhr. v. Richthofen, auf Hartmannsdorf;
Stief-V (seit 1751)
Karl August
v. Gersdorff (1705–87,
Vt d. V),
kursächs. General d.
Inf. u. Kabinettsminister;
Ov
Wolf Adolph (1683–1749),
kursächs. Gen.-Major u. Inspekteur d.
Kav.;
Tante-v
Joh. Charlotte (1688–1729),
Vf. d. Liedes „Ich bin zum Leiden wohl geboren“; ⚭ Bautzen 1770
Rahel Henriette (um 1740–1820),
T d.
kursächs. Premierlt. Carl Gottlob
v. Metzradt u. d.
Joh. Christiane
Henr. v. Kolbe; kinderlos.
Leben ↑
Durch auserlesene Hauslehrer vielseitig vorgebildet, empfing Gersdorff nach Abgang vom Görlitzer Gymnasium 1761-67 an der Universität Leipzig durch Ch. F. Gellert (Moralphilosophie und Literatur), Johann August Ernesti (Universalgeschichte und römische Altertumskunde), Johann Heinrich Winckler (Philosophie und Experimentalphysik) und Johann Ch. Daniel Schreber (Botanik und Ökonomie) das wissenschaftliche Rüstzeug im Sinne der späten Aufklärung und erwarb die Magisterwürde. 1776
|verlieh ihm die Universität Wittenberg den Doktortitel. Landeskundliche Reisen bezweckten seit 1765 praktische Kenntnisse der Ökonomie, um die rückständige Landwirtschaft der Oberlausitz zu heben, zumal Gersdorff schon in jungen Jahren ausgedehnte Rittergüter durch Erbgang zugefallen waren. Als Gutsherr sorgte er für die weitgehende Ablösung beziehungsweise Aufhebung der Fron und des Laßgutsystems, nicht zuletzt vom pietistischen Einfluß Zinzendorfs bestimmt. Bis zu seinem Tode Philanthropist, richtete Gersdorff zahlreiche Wohlfahrtsinstitutionen und Stipendien ein. 1779 stiftete er gemeinsam mit Karl Gottlob von Anton die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz, die, mit eigenem Publikationsorgan ausgerüstet, als provinzielle Gelehrtenakademie vielseitig auf allen Wissensgebieten wirkte, jedoch im Laufe des 19. Jahrhunderts mehr den Charakter eines lokalen vaterländischen Geschichtsvereins annahm. Gersdorffs Anteil am Wissenschaftsleben dieser Gesellschaft ist durch Forschungen und Publikationen auf folgenden Gebieten bestimmt: astronomische und meteorologische Beobachtungen, barometrische Höhenbestimmungen der schlesischen und Lausitzer Berge, experimentelle Physik der Luftelektrizität, Erforschung der Energie des Blitzes und Einführung des Blitzableiters in der Oberlausitz, Studien und eigene Heilpraxis zur medizinischen Anwendung der Elektrizität, ökonomische Nutzung der heimischen und Erforschung der gesamten Mineralogie (Briefwechsel unter anderem mit J. F. W. von Charpentier und Abraham Werner). Den mineralogischen und geologischen Studien dienten 1767-1801 ausgedehnte Reisen durch Mitteleuropa, deren bedeutendste die von 1786 nach der Schweiz war, wo Gersdorff Augenzeuge der Erstbesteigung des Mont Blanc wurde. Sämtliche Reisen sind durch gewissenhafte und ausführliche Journale belegt, die vorzügliche Quellen zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Goethezeit darstellen. 1801 stiftete Gersdorff der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften seine Sammlungen, seine Bibliothek und seine physikalischen Apparate und Instrumente, die, nach seinem Tode nach Görlitz überführt, trotz vieler Versuche, kaum genutzt wurden, bis sie 1953 in den Städtischen Kunstsammlungen ausgestellt wurden.
Werke ↑
u. a.
Beschreibung e. Blitzstrahls in Flinsberg, in: B. G. Kretzschmar, Nachlese oberlausitz. einheimischer u. auswärtiger
Nachrr., Zittau 1765, S. 318;
Versuch, die Höhe d. Riesengebirges zu bestimmen, Leipzig 1772;
Versuche, einen im Wasser verhärtenden Mörtel
od. Zement zu machen, in: Provinzialbll. …,
hrsg. v. d. Oberlausiz.
Ges. d.
Wiss.,
Bd. 1 u. 2,
ebd. u. Dessau 1782 f., S. 411-27;
Zween Fälle aus d.
med. Elektrizität, in: Lausiz.
Mschr., Görlitz 1795, II, S. 80-86;
Über d. Wirkung d.
med. Elektrizität bei
versch. Krankheiten,
ebd. I, S. 151-62, 229-34, 1797, I, S. 15-17;
Zurüstung
z. Erforschung d. atmosphär. Elektrizität,
ebd. 1800, II, S. 405-25;
Über meine Beobachtungen d. atmosphär. Elektrizität zu Meffersdorf in d. Oberlausitz, 1802.
|Quellen ↑
Qu.: Nachlaß (Briefe, Reisejournale,
wiss. Aufzeichnungen, Apparate u. Instrumente) im
Bes. d.
Städt. Kunstslgg. Görlitz.
Literatur ↑
Th. Neumann, in: Neues Lausitz.
Mgz. 31, 1854, S. 165-221;
F. Schönwalder,
ebd. 55, 1879, S. 409-12;
G. Eitner,
ebd. 70, 1894, S. 164-71;
R. Jecht,
ebd. 80, 1904, S. 71-78, 83, 1907, S. 265-72, 105, 1929, S. 202-07;
W.
v. Boetticher,
ebd. 111, 1935, S. 22;
Das Physikal.
Kab. Neißstr. 30, =
Schrr.-R. d.
Städt. Kunstslgg. Görlitz
NF 3, 1953;
E.-H. Lemper, A. T.
v. G. u. d. Spätaufklärung in d. Oberlausitz, in: Oberlausitzer Forschungen,
hrsg. v. M. Reuther, 1961, S. 193-228 (
W, L, Qu., P,
Abb. v. Apparaten u. Instrumenten);
R. Lehmann, Die Niederlausitz in d.
G.schen Reisetagebüchern 1772–93),
ebd., S. 229-55;
G. F. Otto,
Lex. d. … Oberlausitz. Schriftsteller u. Künstler I, 1801, S. 452-56, III, 1803, S. 706, Suppl.bd., 1821, S. 115 f.
(W-Verz.);
Pogg. I.
Portraits ↑
Gem. v. A. Graff, 1803 (Görlitz,
Städt. Kunstslgg.),
Abb. b. Lemper, s.
L.
Autor ↑
Ernst-Heinz LemperEmpfohlene Zitierweise ↑
Lemper, Ernst-Heinz, „Gersdorff, Adolf Traugott von“,
in: Neue Deutsche Biographie
6
(1964), S.
319 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118690906.html