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NDB-Artikel

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Gerhardt, Carl Jakob Christian Adolph

Mediziner, * 5.5.1833 Speyer, 21.7.1902 Gamburg bei Mosbach (Baden).


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Abraham (1796–1872), Gymnasialprof. in S., S d. Bierbrauers Clemens in Frankenthal u. d. Mehlhändlers-T Anna Marg. Hillgärtner; M Clementine (* 1813), T d. Jak. Chrstn. Kolb (um 1766–1827), Buchdrucker u. Stadtrat in S., u. d. Gutsbes.-T Karoline Christina Prior; ⚭ Wanda (1841–1903), T d. Reg.-rats Gustav v. Barby u. d. Eveline v. Ribbentrop; 7 K, u. a. Dietrich (s. 2), Ulrich (s. 4); entfernter Verwandter Charles(s. 1).

Leben  
Schon während der Schulzeit zeigte Gerhardt starke naturwissenschaftliche Interessen, so daß er neben dem Gymnasium auch den Chemie- und Physikunterricht der Gewerbeschule besuchte. Er studierte ab 1850 Medizin in Würzburg. 1856 wurde Gerhardt Assistent an der medizinischen Poliklinik unter von Rinecker. Hier entwickelte er eine so umfangreiche Tätigkeit, daß er auf Grund einer Beschwerde der niedergelassenen Ärzte wegen der zu großen Praxis der Poliklinik einen Verweis von der Regierung erhielt. 1858-60 war er Assistenzarzt an der medizinischen Klinik in Tübingen unter Griesinger mit den Rechten eines Privatdozenten. 1860 kehrte Gerhardt nach Würzburg zurück und habilitierte sich. 1862 wurde er Ordinarius und Direktor der medizinischen Klinik in Jena. 1872 ging er in gleicher Stellung nach Würzburg und folgte 1885 einem Ruf als Nachfolger von Frerichs nach Berlin, nachdem er die rechtliche Gleichstellung der 1. und 2. medizinischen Klinik der Charité durchgesetzt hatte. – Gerhardt war ein hervorragender klinischer Lehrer. Als Kliniker und Diagnostiker genoß er einen ausgezeichneten Ruf. Um die Einführung und Ausgestaltung der physikalischen und chemischen Diagnostik erwarb er sich bleibende Verdienste. 1865 führte er die Eisenchloridprobe als quantitativen Nachweis der Azetessigsäure im Harn ein. Es gelang ihm auch der Peptonnachweis im Urin. Die Auskultation und Perkussion erfuhr durch seine Untersuchungen einen wesentlichen Ausbau (unter anderem Gerhardtscher Schallwechsel = Veränderung des Perkussionsschalls über Kavernen der Lunge). Um die Einführung der Laryngoskopie in die Klinik war er sehr bemüht. Gerhardt begründete die Lehre von den Kehlkopflähmungen. 1887 diagnostizierte er beim|deutschen Kronprinzen den Kehlkopfkrebs. Der Bekämpfung der Tuberkulose schenkte er sein Interesse. Er trat für die Freiluftbehandlung ein und förderte die Errichtung der märkischen Heilstätte Grabowsee. Die Kinderheilkunde förderte er durch das von ihm herausgegebene „Handbuch der Kinderkrankheiten“ (6 Bände und Nachtrag 1-3, 1877-96), das starke Beachtung fand. Die Übertragbarkeit der Malaria durch Blut wurde von Gerhardt noch vor Entdeckung des Plasmodium beschrieben. Der Parasitologie stand er aufgeschlossen gegenüber, besonders interessierte ihn die Helminthologie. Gerhardt hatte eine gesuchte internationale Konsiliarpraxis. Durch seine Persönlichkeit übte er einen starken Einfluß auf die Medizin seiner Zeit aus.

Werke  
Weitere W u. a. Der Kehlkopfcroup, 1859; Der Stand d. Diaphragmas, 1860; Lehrb. d. Kinderkrankheiten, 1861, 31874; Lehrb. d. Auscultation u. Perkussion, 1866, 61900.

Literatur  
Leyden, in: Dt. Med. Wschr. 28, 1902, S. 565 f.; Frdr. Müller, in: Dt. Archiv f. klin. Med. 74, 1902, S. III-XXVI (W-Verz. S. XXVI-XXIX); F. Martius, in: Münchener med. Wschr. 69, 1902, S. 1581-83; Th. Escherich, in: Wiener Klin. Wschr., 1902, S. 821 f.; W. Zinn, in: Zs. f. Tuberkulose u. Heilstättenwesen, 1902, S. 374-77; E. Grawitz, in: Berliner Klin. Wschr. 39, 1902, S. 721-23; ders., Gedächtnisrede auf C. G., in: Gedächtnisfeier f. C. G. u. R. Virchow im Ver. f. innere Med. z. Berlin am 27.10.1902, 1903; Erinnerungsbll. f. d. Seinen, 1903 (als Ms. gedr.); Dietr. Gerhardt [S], in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 116-19 (W); BLÄ; J. Pagel, in: BJ VII, S. 87 f. (u. Tl. 1902, L).

Portraits  
in: Fünf J.zehnte Blütezeit dt. Med., hrsg. v. H. Spatz, 1938; Phot. (Berlin, Univ.bibl.).

Autor  
Manfred Stürzbecher
Empfohlene Zitierweise  

Stürzbecher, Manfred, „Gerhardt, Carl Jakob Christian Adolph“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 284 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116571357.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 6 (1964), S. 284 f.
Erwähnungen: 
NDB 20 (2001), S. 175 in Artikel Penzoldt, Franz

PND: 116571357
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Index

Gerhardt, Carl

Name: Gerhardt, Carl
Namensvariante: Gerhardt, Carl Jakob Christian Adolph
Lebensdaten: 1833 bis 1902
Geburtsort: Speyer
Sterbeort: Gamburg bei Mosbach (Baden)
Beruf/Lebensstellung: Mediziner
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Stürzbecher, Manfred
PND: 116571357

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Gerhardt, Carl

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116571357

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