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NDB-Artikel

<< Bar, Georg Ludwig von     Barack, Karl August >>

Bar, Carl Ludwig von

Straf- und Völkerrechtler, * 24.7.1836 Hannover, 20.8.1913 Folkestone (England). (lutherisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl Ludwig von Bar (1802–80), zuletzt Generalsekretär im königlichen Hausministerium Hannover, unehelicher S des Oberkammerherrn Carl Ludwig von Bar (1765–1841), seit 1823 anerkannt als von Bar; M Emilie Rüsselsheim (* 1812); Lübeck 17.8.1869 Axelena (1847–1912), T des Kaufmanns Georg Blohm (V des Hermann Blohm, Gründers der Werft Blohm & Voß in Hamburg) und der Anna Margaret Lind; 1 S; T Helene (1872–1927, Hans Schnorr von Carolsfeld, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek); E Ludwig Schnorr von Carolsfeld (* 1903), Professor für Bürgerliches, Handels- und Arbeitsrecht in Erlangen.

Leben  
Bar studierte von 1853 ab in Göttingen und Berlin die Rechte und übte sodann richterliche Tätigkeit aus. 1862 erhielt er von Justizminister L. Windthorst als dessen Sekretär den Auftrag zur Ausarbeitung eines Entwurfs einer neuen Hypothekenordnung für Hannover. 1863 habilitierte er sich in Göttingen und wurde 1866 ordentlicher Professor in Rostock, 1868 in Breslau und 1879 in Göttingen. Von 1886 an entfaltete er als Vertreter liberaler Ideen auch schriftstellerisch eine rege politische Tätigkeit, wobei er scharfe Kritik an der Innenpolitik Bismarcks übte. 1890-93 war er Abgeordneter des Reichstags (deutsch-freisinnige Partei). - Bar verband Tiefe der Kenntnisse und kritischen Geist mit aufgeschlossenem Verständnis für die Wirklichkeit des Rechtslebens. Sein internationaler Ruf grün|det sich einmal auf seine völkerrechtliche Wirksamkeit (insbesondere Gutachten und Tätigkeit im Institut für internationales Recht), vor allem aber auf seine bedeutenden Werke auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts, das er mehr auf die Natur der Sache als auf Gesetzgebung und Staatsverträge gegründet wissen wollte und durch Gedanken bereicherte, die z. T. Eingang in internationale Abkommen und in- und ausländische Gesetzgebung und Rechtsprechung gefunden haben. Bar war Mitglied des internationalen Schiedshofs im Haag.
In seinem Handbuch des Deutschen Strafrechts (1882) schuf er die erste bedeutsame zusammenfassende Darstellung der Geschichte des Strafrechts. Den Zweck der Strafrechtspflege sah er darin, Handlungen, die den anerkannten Grundsätzen der Sittlichkeit zuwiderlaufen, mit einem Zeichen der öffentlichen Mißbilligung zu versehen. Die Lehren der klassischen Strafrechtsschule, von denen er ausging, suchte er weiter zu entwickeln, die Tat als Produkt des Charakters des Täters zu begreifen. - In seiner Lehre vom Kausalzusammenhang (1871) nahm er durch Ausscheidung der Bedingungen, die nicht „der Regel des Lebens“ entsprechen, den Grundgedanken der später (1888) von J. von Kries entwickelten, einflußreichen Lehre von der adäquaten Verursachung voraus. - In seinem Werk „Gesetz und Schuld im Strafrecht“ (3 Bände, 1906–09) gab er eine durch Gedankenreichtum ausgezeichnete, umfassende Darstellung der allgemeinen strafrechtlichen Lehren.

Werke  
u. a. Das internat. Privat- u. Strafrecht, 1862; Recht u. Beweis im Geschworenengericht, 1865; Das Beweisurteil im german. Prozeß, 1866; Recht u. Beweis im Zivilprozeß, 1867; Die Grundlagen d. Strafrechts, 1869; Hannöv. Hypothekenrecht, 1870; Systematik d. dt. Strafprozeßrechts. 1878; Staat u. kath. Kirche in Preußen, 1883; Cavour, 1886; Theorie u. Praxis d. internat. Privatrechts, 2 Bde., 1889; Lehrbuch d. internat. Privat- u. Strafrechts, 1892: Probleme d. Strafrechts, 1896; Die Haager Friedenskonferenz u. d. Errichtung einer internat. Ak. z. Ausgleichung v. Streitigkeiten d. Staaten, 1900; Die Reform d. Strafrechts, 1903; s. a. Frensdorff, Verz. d. Schrr. v. L. v. B., Mit einem Lebensabriß, 1916 (P); G. Siebner (s. L).

Literatur  
A. Löffler, in: Österr. Ztschr. f. Strafrecht, 1913, S. 246; F. v. Liszt, in: Voss. Ztg. v. 22.8.1913; W. Schücking, in: Berliner Tagebl. v. 18.9.1913 (Morgenausg.); L. Strisower, in: Ztschr. f. d. Privat- u. öffentl. Recht d. Gegenwart, Bd. 40, Wien 1913/14, S. 575; H. Harburger, in: DJZ 1913, Sp. 1119 ff.; Ch. de Boeck, in: Ztschr. f. Völkerrecht, Bd. 8, 1914, S. 420-36; Axelena v. B., Biogr. üb. ihren Ehemann C. L. v. B., 1914; G. Siebner, Leben u. Werk d. Göttinger Rechtsgelehrten C. L. v. B., Diss. Göttingen 1950 (ungedr.); R. Kukulla, Bibliograph. Jb. d. dt. Hochschulen, 1892; BJ XVIII (Totenliste 1913, L).

Portraits  
Holzschnitt, in: LIZ 105, 1895, S. 160 u. 141, 1913.

Autor  
Dietrich Lang-Hinrichsen
Empfohlene Zitierweise  

Lang-Hinrichsen, Dietrich, „Bar, Carl Ludwig von“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 579-580 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119243148.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 579-580
Erwähnungen: 
NDB 23 (2007), S. 341*
NDB 23 (2007), S.  632 in Artikel Schücking, Walther

PND: 119243148
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Index

Bar, Carl Ludwig von

Name: Bar, Carl Ludwig von
Namensvariante: Bar, Ludwig von
Lebensdaten: 1836 bis 1913
Geburtsort: Hannover
Sterbeort: Folkestone (England)
Beruf/Lebensstellung: Jurist; Strafrechtler; Völkerrechtler
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Lang-Hinrichsen, Dietrich
PND: 119243148

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Bar, Carl Ludwig von

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119243148

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