<< Adametz, Leopold
Adami, Friedrich Wilhelm >>
Adami, Adam
Weihbischof von Hildesheim,
* 1610 Mülheim/Rhein,
† 1.3.1663 Hildesheim.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Mülheimer Patriziergeschlecht;
V Mathias Adami, Bürgermeister von Mülheim;
M Katharina Heumar.
Leben ↑
Nach Besuch des Jesuiten-Gymnasiums Tricoronatum und nachdem er 1627 in Köln den Grad eines Baccalaureus erworben hatte, trat Adami bald nach 1628 in die Benediktinerabtei Brauweiler bei Köln ein, wo er sich gründliche Kenntnisse in der Theologie, in Kirchenrecht und Kirchengeschichte aneignete. 1633 erhielt Adami die Priesterweihe, 1634-37 war er Regens des Seminars der Bursfelder Kongregation an der Kölner Universität und promovierte in dieser Zeit zum Doktor der Theologie. 1637 wurde er Prior in der Mainzer Abtei
St. Jakob, 1639 Prior in Murrhardt (Württemberg). Zwei Reisen nach Wien bezweckten die Erlangung der kaiserlichen Investitur und der Regalien für den Abt von Murrhardt, sowie die Erhaltung der (durch das Restitutionsedikt von 1629) restituierten Klöster Schwabens, deren Bestand durch den Herzog von Württemberg bedroht war. Bei den Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück war Adami der Bevollmächtigte dieser „restituierten Stifts- und Gotteshäuser in Schwaben“ und des Fürstabtes Arnold von Korvey, um die kirchlichen Belange zu sichern. Er gehörte zu den entschiedensten Verfechtern der katholischen Sache, konnte aber angesichts der allgemeinen Friedenssehnsucht für seine Auftraggeber nur wenig erreichen. Anfang Januar 1647 zum Abt von Huysburg gewählt, konnte er wegen der Friedensverhandlungen und der Machenschaften des abgesetzten Abtes von Huysburg sein Amt nicht antreten und verzichtete am 18.3.1650 auf die Abtei. Als Gesandter des Kölner Kurfürsten Maximilian Heinrich reiste er 1650 nach Rom und kehrte im Dezember 1651 mit dem erzbischöflichen Pallium für den Kurfürsten zurück, der Adami zum Geheimen Rat ernannte und ihn sich zum Weihbischof erbat (das römische Ernennungsdekret vom 17.12.1652). Am 13.3.1653 erhielt Adami als Titularbischof von Hierapolis im Dom zu Paderborn die bischöfliche Weihe; er wurde auch Administrator des Benediktinerinnenklosters Escherde.
Durch den Visitationsstreit mit der Würzburger Kurie und der Abtei Murrhardt veranlaßt, schrieb Adami „Monasterii S. Januarii in Murhardt
OSB Dioecesis Herbipolensis breve Chronicon“. Um die Neubestätigung der Bursfelder Privilegien zu erlangen, reichte Adami eine juristische Studie als Memoriale der römischen Kurie ein. Ferner war er der Verfasser der „Compendiosa relatio de initio, progressu ac privilegiis sacrae Congregationis Bursfeldensis“. In der Kontroverse Wagnerich
SJ und Abt Caramuel
OSB (Einwilligung in die dauernde Abtretung der geistlichen Güter) nahm Adami Stellung in seinem „Anti-Caramuel“. Wohl als einziger Friedensunterhändler hat Adami einen Rechenschaftsbericht über den Verlauf der Verhandlungen hinterlassen, der in übersichtlicher, auf authentischer Grundlage beruhender, auch gerecht urteilender Weise das Gewebe der Friedensverhandlungen offen darlegt. Adami gab ihm den Titel „De Sacri Romani Imperii pacificatione Westphalica libri duo“ (Originalmanuskript in Hildesheim, Dombibliothek; Kopie mit Verbesserungen in Trier, Dombibliothek,
Cod. 85 und 85a), im Druck erschienen ohne Verfassernamen in Frankfurt/Main 1698 mit dem Titel „Arcana pacis Westphalicae“, dann 1707 mit Adamis Namen als zweite Ausgabe und schließlich in dritter Ausgabe 1737 von Gottfried von Meiern besorgt.
Werke ↑
Weitere W J. G. de Meiern, Relatio historica de pacificatione Osnabrugo-Monasteriensi …, Leipzig 1737; Anti-Caramuel …, Trimonadi 1648
(unter d. Ps. Humanus Erdeman);
Originalbriefe: 154 in Mainz,
Bibl. d. Priesterseminars, Seligenstadt Fasc. 17; 72 in Wien, Arch. d. Schottenstiftes, Scrinium 45
Nr. 12; 2 im Staatsarch. Düsseldorf, Werden, Akten III, Bursfelder Kongregation, 3 k (Escherde).
Literatur ↑
ADB I;
M. Ziegelbauer, Historia rei literariae
OSB III, 1754, S. 389-95;
Wetzer u. Welte I, 1886,
Sp. 214-16;
F. Israel, A.
A. u. seine Arcana pacis Westphalicae, =
Hist. Stud. 69, 1909
(L);
A. Bertram,
Gesch. d. Bistums Hildesheim III, 1925, S. 80-82;
P. Volk, P. A.
A., d.
Vf. d. Compendiosa relatio, in:
StMBO 58, 1940, S. 207-14;
ders., Der Friedensbevollmächtigte A.
A. aus Mühlheim a. Rh. bei d. Friedensverhh. in Münster u. Osnabrück, in:
Ann. d.
Hist. Ver. f. d. Niederrhein 142/43, 1943, S. 84-146;
ders., Die kirchl. Fragen auf d. Westfäl. Frieden, in: Pax optima rerum,
hrsg. v. E. Hövel, 1948, S. 99-136;
ders., Der Westfäl. Frieden in benediktin. Sicht, in: Benediktin.
Mschr. 25, 1949, S. 5-16;
ders.,
|P.
A.A. als Sachwalter der benediktin. Belange auf d. Westfäl. Friedensverhh., in: 500 Jahre Bursfelder Kongregation, Eine Jubiläumsgabe,
hrsg. v. P. Volk, 1950, S. 67-125;
Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques I, 1912,
Sp. 501 f.;
Kosch, Kath. Dtld. I, 1933,
Sp. 11
(P);
LThK;
Enc. Catt. I, 1949.
Portraits ↑
Kupf. v. A. van Hulle, 1648; Bronzeplatte in d. Laurentiuskapelle d. Hildesheimer Doms
(erhalten geblieben),
Abb. in: Bertram
(vgl. L).
Autor ↑
Paulus Volk OSBBenediktinerordenEmpfohlene Zitierweise ↑
Volk OSB, Paulus, „Adami, Adam“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
55-56
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500562.html
<< Adamberger, Valentin
Adams, Karl >>
Adami, Adam
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Adami: Adam
A.
, einer der gewiegtesten Diplomaten des 17.
Jahrh., geb. 1603 zu Mülheim am Rhein, † 1663 am 19. Febr. als Weihbischof von Hildesheim,
der Sohn schlichter ehrlicher Bürgersleute, scheint seine ersten
Studien in Köln gemacht zu haben, trat im 19. Lebensjahre in die
Benedictiner-Abtei Brauweiler, beschäftigte sich hier mit
Theologie und dem Rechtsstudium und zeigte sich so brauchbar, daß
er bereits 1633 die Priesterweihe erhielt und schon im folgenden
Jahre als Rector des damaligen Benedictiner-Seminars nach Köln
versetzt wurde, an dessen Hochschule er sich das Doctorat der
Theologie erwarb. Von da als Prior 1637 nach Mainz in die Abtei
St. Jacob berufen, verstand er es, bald sich das allgemeine
Vertrauen und einen Ruf zu erwerben. der sich in die benachbarten
Diöcesen verbreitete, da
A.
als ein ausgezeichneter Jurist und als Mann galt, der
es verstand, in Rechtsfragen auch die Feder mit aller Gewandtheit
zu führen. Damals besaß das Bisthum Würzburg die Diöcesanrechte
über das uralte
an der Murr liegende Benedictiner-Kloster
|Murhart, welches unter der Landeshoheit der Würtemberger
Herzöge stand und bereits 1558 zum Protestantismus übergegangen
war. Durch das Restitutionsedict des Kaisers Ferdinand II. dem Benedictiner-Orden wieder
zurückgestellt, war es von der schwäbischen Congregation mit
Benedictinern aus Zwifalten gegen den Willen des Diöcesanbischofs
besetzt worden, welcher fränkische Benedictiner wünschte und
diesem seinem Wunsche auch Erfolg gab. Indessen wurden die
Benedictiner nach dem Siege der schwedischen Waffen in Deutschland
noch einmal aus Murhart vertrieben und kehrten erst nach der
Nördlinger Schlacht wieder dahin zurück. Der Gegensatz zu dem
Landesherrn blieb aber nach wie vor bestehen und hatte vielfache
Verwicklungen im Gefolge. In derselben Lage befanden sich nahezu
alle restituirten Abteien, und deshalb wünschte man einen
Prälaten, der geeigenschaftet wäre, nicht nur die Rechte Murharts,
sonder
aller Klöster bei dem in Aussicht
stehenden Friedensschlusse mit Einsicht und Kraft zu vertreten.
Nirgends fand sich aber ein Mann, der hierzu geeigneter erschien,
als der Mainzer Prior
A.
So wurde ihm also die Abtei Murhart übertragen und von
hier aus zog er bereits 1643 als Bevollmächtigter "der
restituirten Stift- und Gotteshäuser in Schwaben" — wie sich die
nachträgliche Vollmacht vom 15. Sept. 1645 ausdrückt — zu den
westphälischen Friedensverhandlungen. Da ihm und seinen
Vollmachtgebern aber alsbald der Herzog von Würtemberg das Recht
der Theilnahme an diesen Verhandlungen bestritt, wußte sich
A.
eine weitere Vollmacht des Fürstabts von Corvey zu
verschaffen und sie bei den Verhandlungen in der Art geltend zu
machen, daß man damals von ihm urtheilte: "Si
pacis compositio non nisi a suffragiorum numero penderet, Adamum
solum atque unicum fore pacis arbitrum, qui tanta copia et
multitudine instructus accedat senatum, ut ceteros legatos omnes
et numero et pondere vincat, superetve." Nach Schluß dieser
Friedensverhandlungen, in welchen
A.
um des Normaljahrs (1624) willen mit seinem Kloster
Murhart wie mit den meisten Abteien unterlag, ging er 1649 als
Gesandter des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln Maximilian
Heinrich, aus dem Hause Baiern, nach Rom, um die
Palliums-Angelegenheit zu bereinigen, was ihm auch, unterstützt
von dem früheren päpstlichen Legaten beim Friedensschlusse, Fabio
Chisi, vollkommen gelang. Auf dessen Empfehlung ernannte Papst
Innocenz X.
A.
zum Bischof von Hierapolis, sein Auftraggeber aber aus
Dankbarkeit zum Weihbischof von Hildesheim. Hier wirkte er nun in
treuer Pflichterfüllung, dabei aber immer auf dem
staatsrechtlichen Felde litterarisch thätig. Eine Frucht dieser
Thätigkeit sind seine aus den weitumfassenden Verhandlungsacten
geschöpften "Arcana pacis Westphalicae",
zuerst anonym erschienen Frankfurt 1698, mit dem Namen des
Verfassers 1707 und zuletzt unter dem Titel "Relatio historica de pacificatione
Osnabrugo-Monasteriensi. Accurante Jo. God. de Meiern" zu
Leipzig 1738. 672 Quartseiten. Das Werk hat als die Arbeit eines
sachkundigen, unbefangenen und wohlgesinnten Zeitgenossen und
Mithandelnden verdiente Anerkennung gefunden. Dort findet sich
auch die Abbildung seiner Metallgrabplatte in der
Laurentiuscapelle des Doms, auf der er im Pontificalornate
abgebildet ist.
Autor ↑
Ruland.
Empfohlene Zitierweise ↑
Ruland, Carl, „Adami, Adam“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
46-47
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500562.html?anchor=adb