<< Gans, Eduard
Gans, Richard Martin >>
Gans, Leo Ludwig
Chemiker und Großindustrieller,
* 4.8.1843 Frankfurt/Main,
† 14.9.1935 Frankfurt/Main. (israelitisch, dann evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V
Ludw. Aaron (1794–1871), Bürger u. Handelsmann in
F., Teilhaber d.
Fa. L. Cassella (Farbwarengroßhandlung),
S d.
Kaufm. Aaron Phil, in Celle (
S d. Isaak
Jac. Salomon,
s. Gen. 1) u. d. Fanny Hanau aus
F.;
M
Rosette (1805–68),
T d. Bürgers u.
Handelsmanns Mayer Salomon Goldschmidt (1775–1854) in
F. (aus alter
Fam. d. Judengasse) u. d. Helene Cassel (
Schw d.
Großhändlers Leopold Cassella,
† 1847, s.
NDB III);
Ov
Salomon
Phil. (1788–1843), Nat.ökonom u.
jur. Schriftsteller (s.
Jewish Enc.), Eduard (s. 1);
B Frdr. v. G. (
preuß. Adel 1912, 1833-1920),
preuß. WGR,
kaufm. Leiter d.
Fa. L. Cassella, Sammler
v. Antiken (1912 dem Berliner Antiquarium übergeben);
Schw Henriette (
⚭ Max Heidelbach,
Kaufm. in New York u. London), Pauline (⚭
Bernh. Weinberg, 1815–77, Teilhaber
v. L. Cassella); ⚭ 1876
Luise (1854–1927),
T d. Carl Sander; 2
S , 1
T ;
N Paul
v. G. (1866-1915),
Privatgel., Industrieller,
Ludw. v. G. (1869-1946), Großindustrieller,
ungar. Konsul in
F.,
Arthur
v. Weinberg (1860–1943), Chemiker, Geschäftsführer
v. L. Cassella (s.
Wenzel;
Pogg. VI),
Carl
v. Weinberg (1861–1943), Teilhaber
v. L. Cassella (s.
Wenzel);
E Editha (⚭ 1]
Max
Gf. v. Courten, 1892–1939, Bildhauer, 2]
Albert Scanzoni
v. Lichtenfels,
† 1960, Schriftsteller u. Maler);
Groß-N
Sir Max Bonn (
* 1877), Bankier in London.
Leben ↑
Schon als Schüler trieb Gans chemische Studien im Laboratorium eines Frankfurter Privatgelehrten. 1860 bezog er das Polytechnikum in Karlsruhe zum Studium der Chemie, ging 1862 nach Heidelberg zu Emil Erlenmeyer, wurde dessen Assistent und promovierte dort 1863 zum doctor philosophiae 1864 kam er als Assistent zu H. Kolbe nach Marburg. Da Gans jedoch von vornherein das Ziel verfolgte, technische Chemie zu treiben, praktizierte er 1865 in einer chemisch-pharmazeutischen Fabrik in Wyl/Kanton Sankt Gallen und dann in der bekannten Pariser „Manufactur de Javel“. Dort trat er mit A. W. Hofmann in Verbindung und arbeitete seitdem auf dessen Spuren. Dazu gründete er 1868 in der Vaterstadt ein eigenes chemisch-technisches Laboratorium. Aus diesen Anfängen, die er selbst bescheiden als „Fabrikchen“ bezeichnete, ging durch Verbindung mit der vom Vater übernommenen Farbwarengroßhandlung 1870 die Teerfarbenfabrik Leopold Cassella & Compagnie hervor, in der er zusammen mit seinem Bruder Friedrich als kaufmännischem Leiter tätig war. Gans fand, daß die γ-Säure zur Herstellung einer ganzen Reihe prächtiger Azofarbstoffe führt, und er brachte damit dem in Fechenheim bei Frankfurt erbauten Werk große Erfolge. Von vornherein arbeitete er auch auf dem Gebiet der Naphthalin-Farbstoffe. Gans gehört zu den Wegbereitern der Farbenchemie und ihrer industriellen Auswertung. In seinem Neffen A. von Weinberg, dem er frühzeitig freie Hand ließ, fand er einen adäquaten Mitarbeiter und Nachfolger als Betriebsleiter. Er selbst widmete sich in späteren Jahren dem Ausbau des Unternehmens und den damit verbundenen Aufgaben sozialer Art. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung kam 1904 die Interessengemeinschaft zwischen Cassella und den Hoechster Farbwerken zustande, die dann auf weitere Großunternehmen der deutschen chemischen Industrie ausgedehnt wurde. Als daraus schließlich 1925 die Interessengemienschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft hervorging, wurde Gans als Senior Mitglied ihres Aufsichtsrates. Lange Jahre hat Gans als Vorsitzender des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main die naturwissenschaftliche Forschung nachdrücklich gefördert. Die Hochschulpläne von Adickes unterstützte er mit erheblichen Mitteln. Als Vorsitzender des Frankfurter Vereins für Luftfahrt war Gans 1909 am Zustandekommen der epochemachenden ILA, der ersten Internationalen Luftfahrt-Ausstellung, in Frankfurt am Main entscheidend beteiligt und war deren Präsident. Der bis zu seinem Tode rüstige Greis mußte 1933 auf alle seine Ehrenämter verzichten
|Auszeichnungen ↑
Ehrensenator,
Dr. med. h. c.,
Dr. rer. nat. h. c. (Frankfurt),
GKR, Ehrenbürger
v. Frankfurt 1928 (als erster gebürtiger Frankfurter).
Literatur ↑
M. Freund, A. Häusser u. P. Bode, in:
Jb. d. Physikal.
Ver. Frankfurt a. M.,1912–13, S. 33-41
(P);
Chemiker-
Ztg. 52, 1928, S. 609;
Die Chem. Industrie, 1933, S. 538;
W. Emrich, Bildnisse Frankfurter Demokraten, 1956
(P);
F. Lerner, in: Adreßbuch d. Stadt Frankfurt a. M., 1960, S. 29 f.;
Rhdb.Portraits ↑
in: C. Ungewitter, Ausgew.
Kap. a. d.
chem.-industriellen
Wirtsch.pol. 1877-1927, 1927, S. 160.
Autor ↑
Franz LernerEmpfohlene Zitierweise ↑
Lerner, Franz, „Gans, Leo Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
6
(1964), S.
64
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116411384.html
Gans, Leo
Name: Gans, Leo
Namensvariante: Gans, Leo Ludwig
Lebensdaten: 1843 bis 1935
Geburtsort: Frankfurt/Main
Sterbeort: Frankfurt/Main
Beruf/Lebensstellung: Chemiker; Großindustrieller
Konfession: jüdisch; evangelisch
Autor NDB:
Lerner, FranzPND: 116411384