<< de Ball, Leo Anton Carl
Ballestrem, Franz Karl Wolfgang Ludwig Alexander Graf von >>
Ballenstedt, Johann Georg Justus
evangelischer Theologe und Geologe,
* 11.8.1756 Schöningen (Braunschweig),
† 19.12.1840 Pabstdorf bei Schöningen.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Arnold Ballenstedt (1705–98), Rektor in Schöningen;
M Louise Christiane,
T des Konrektors Salig in Wolfenbüttel;
Gvv Johann Conrad Ballenstedt, Regimentschirurg;
Gmv Hedwig Elisabeth,
T des Senators Haven in Wolfenbüttel;
⚭ 1) Sophie,
T des Oberfeldcassiers Güdecke, 2) Friederike,
T des Postmeisters Schneider in Helmstedt, 3) 1804 Philippine,
T des Pastors Friedrich Prössel in Evessen, 4) 1840
N Dorothea,
T des Pastors Ballenstedt in Bornum.
Leben ↑
Ballenstedt war 1796 Pfarrer in Schoppau, 1806 in Dobbeln, 1815 in Pabstdorf. Angeregt sowohl durch die in der Nähe seiner Heimat befindlichen Salinen- und Braunkohlenwerke, wie auch durch die rationalistische Richtung seines Lehrers J. F. W. Jerusalem, widmete er sich geologischen und paläontologischen Studien und bemühte sich in zahlreichen Schriften, die biblische Schöpfungsgeschichte naturwissenschaftlich zu erklären. Ballenstedt ist neben anderen deutschen Autoren einer der frühesten Vertreter der Abstammungslehre, in die auch der Mensch einbezogen wird. Gedankengänge wie die Ballenstedts sind für die damalige Zeit geradezu revolutionär. Gegenüber der Naturphilosophie und idealistischen Morphologie (
z. B. Goethes) hat Ballenstedt das Verdienst, seine Anschauungen real-historisch, im Sinn der Denkweise der heutigen Erdgeschichte begründet zu haben. Doch ist die empirische Basis Ballenstedts viel zu schmal, auch kaum originell, so daß er zwar zeitgenössischen Erfolg ernten, aber mit seinen Anschauungen noch viel weniger als die großen französischen Deszendenztheoretiker und Gegner G. von Cuviers sich in der Wissenschaft durchsetzen konnte. Sein Werk verfiel in der Folgezeit der Vergessenheit und
|ist erst neuerdings wieder gebührend gewürdigt worden.
Werke ↑
s.
Pogg. I;
Hrsg.: Archiv f. d. neuesten Entdeckungen in d. Urwelt, 6
Bde., 1809–24.
Literatur ↑
ADB II;
C.
Gf. v. Klinckowstroem, Aus d. Kindertagen d.
Urgesch.-F, in: Umschau 41, 1937, H. 9, S. 199 f.;
O. H. Schindewolf, Einige vergessene
dt. Vertreter d. Abstammungsgedankens aus d. Anfang d. 19. Jh.s, in: Paläontolog.
Ztschr. 22, 1941,
Nr. 3/4, S. 156-60;
Pogg. I.
Autor ↑
Werner QuenstedtEmpfohlene Zitierweise ↑
Quenstedt, Werner, „Ballenstedt, Johann Georg Justus“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
560 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116044349.html
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Ballhorn, Johann >>
Ballenstedt, Johann Georg Justus
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Ballenstedt: Joh. Georg Just. B., evangelischer Prediger und speculativer Geologe, geb. 11. Aug. 1756 zu Schöningen, Kreis Helmstedt im Braunschweigischen, † 19. Dec. 1840 zu Pabstorf bei Quedlinburg, widmete sich zunächst dem Studium der Theologie, bei welchem die rationalistische Richtung seines Lehrers Joh. Friedr. Wilh. Jerusalem von entscheidendem Einflusse war. Gleichzeitig wurde sein Geist, schon angeregt durch die bei seiner Geburtsstadt befindlichen Salinen und Braunkohlenbergwerke, auf geologische Erforschung hingelenkt. Als Prediger zu Pabstorf angestellt, verwendete er seine Muße ganz vorzüglich zu geologischen Studien und war besonders eifrig bemüht, die theologischen Vorstellungen von der Schöpfungsgeschichte, wie sie die Genesis mittheilt, in rationalistischem Sinne aufzuklären. In dieser Richtung sind seine zahlreichen Schriften verfaßt (vgl. Meusel, G. T.), unter welchen als die hervorragendsten zu nennen sind: "Die Urwelt oder Beweis von Dasein und Untergang von mehr als einer Welt". 3 Th. Quedlinburg 1818. 3. Aufl. 1819; "Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt" (mit Krüger herausgegeben) 1819—1825; "Die neue und jetzige Welt als Gegenstück zur Urwelt", Hannover 1820; "Die Vorwelt und die Mitwelt". 2 Bde. Braunschweig 1824. Hierin suchte er den Beweis eines voradamischen Bestandes der Erde zu führen und erklärte die Abstammung des Menschengeschlechtes von
einem Paare, das Paradies, den Sündenfall der ersten Menschen, die Sündfluth, die Arche Noahs für Mythen des Alterthums, welche sich mit Anwendung der Vernunft und der Erfahrungen der Wissenschaft auf natürlichem Wege erklären ließen. Er vertheidigte gegen Cuvier's und Blumenbach's Ansicht das höhere Alter des Menschengeschlechtes ohne jedoch die Beweiskraft der hierfür angeführten Beispiele von aufgefundenen Menschenresten aus der Vorzeit mit kritischer Schärfe zu prüfen, wie er auch durch die mährchenhaften Erzählungen von Wassermenschen und dem Einhorn getäuscht, sich verleiten ließ, deren Existenz nachweisen zu wollen.
Autor ↑
Gümbel.Empfohlene Zitierweise ↑
Gümbel, Wilhelm von, „Ballenstedt, Johann Georg Justus“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
2
(1875), S.
22
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116044349.html?anchor=adb
Ballenstedt, Johann Georg Justus
Name: Ballenstedt, Johann Georg Justus
Lebensdaten: 1756 bis 1840
Geburtsort: Schöningen (Braunschweig)
Sterbeort: Pabstdorf bei Schöningen
Beruf/Lebensstellung: Geologe; evangelischer Theologe; Prediger
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Quenstedt, WernerAutor ADB:
Gümbel, Wilhelm vonPND: 116044349