<< Balcke, Hans Joachim
Baldauf, Adam >>
Baldacci, Anton Maximilian Dominik Freiherr von (seit 1814)
österreichischer Staatsmann,
* 14.10.1762 Wien,
† 9.7.1841 Wien. (griechisch-orthodox)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus adeliger Familie, die zwischen 1732 und 1733 aus Korsika nach Österreich einwanderte;
V Dominik Alexander von Baldacci, korsischer, dann kaiserlich-königlicher Obristwachtmeister;
M Franziska,
T des Martin Conrad von Kothmann, kaiserlich-königlicher Hofkriegsagent, und der Elisabeth von Bruckentheiß;
Gvv Paul Baldacci.
Leben ↑
Nach Besuch des Theresianum diente sich Baldacci zu den höchsten Staatsämtern empor, wurde 1807 Kabinettsreferent, 1810 zweiter Vizekanzler der Vereinigten Hofkanzlei, 1811 Präsident des Generalrechnungsdirektoriums, 1813 Armeeminister. Nach seiner Tätigkeit in den Zentralstellen der inneren Verwaltung und den dadurch veranlaßten großen Reisen nach Westgalizien, Dalmatien, Istrien, Venetien war Baldacci einer der besten Kenner der österreichischen Landesverhältnisse und Staatsverwaltung geworden. Er gewann die Überzeugung, daß eine zuverlässige, von oben her zentral geleitete Beamtenschaft vonnöten sei, und bekämpfte deshalb alle provinziellen Sonderheiten, da die adligen Privilegien - besonders in Ungarn und Galizien - die ihm am Herzen liegende soziale Hebung der unteren Volksschichten verhinderten. Er erstrebte eine umfassende staatliche Bildungspolitik unter Ausschluß der geistlichen Orden, um „ein Geschlecht von patriotisch gesinnten, kraftvollen, unternehmenden und für die Welt praktisch gebildeten Menschen" heranzuziehen. Baldacci knüpfte weniger an die josephinische Staatsallmacht an - einer übertriebenen Reglementierung war er durchaus abhold -, als an die schon von Maria Theresia eingeschlagene Politik eines „patriarchalischen Fürstentums“, da er sich der Notwendigkeit bewußt blieb, die „volkstümlichen Kräfte“ in ihrem Reichtum zu entfalten. Während der napoleonischen Kriege befand sich Baldacci mit seinen Anschauungen in der Nähe der Nationalkonservativen um die Brüder Stadion; sein Haß gegen Napoleon wurde neben seinen Plänen zur Staatsreform der zweite Pol seines Denkens. Wie Stadion hat er, seit 1806 einer der nächsten Ratgeber, starken Einfluß auf die Politik des Kaisers ausgeübt. Er gehörte zu den geistigen Urhebern des kaiserlichen Manifestes vom 22.1.1806, in dem die Zusammenarbeit des Staates mit den Völkern proklamiert wurde, förderte 1806-08 die Errichtung des Landsturms und war 1809 einer der entschiedensten Befürworter des Widerstandes bis zum äußersten und an dem Abgang des friedenswilligen Erzherzogs Carl beteiligt. Nach der Niederlage wurde Baldacci durch die Ernennung zum Präsidenten des Generalrechnungsdirektoriums scheinbar kaltgestellt; er vermochte jedoch bald wieder das kaiserliche Vertrauen zurückzugewinnen. 1813 trat er für einen frühen Beitritt Österreichs zur Koalition unter Ausnützung des Volksenthusiasmus ein. 1813 bis 1815 leistete er Hervorragendes in der Organisation des Heeresnachschubs und später in der Verwaltung der besetzten Gebiete. Nach 1815 konnte er gegen Metternich sein Reformprogramm nicht durchsetzen; die Ansätze des von Baldacci vertretenen Frühliberalismus wurden nicht weiter entwickelt. Als Präsident des Generalrechnungsdirektoriums (bis 1839) gründete er die offizielle Statistik des Kaiserstaates.
Literatur ↑
ADB I; F. R.
v. Krones, Zur
Gesch. Österr.s im Zeitalter d. französ. Kriege u. d. Restauration 1792-1816, Mit
bes. Rücksicht auf d. Berufsleben d. Staatsmannes
Frhr. A.
v. B., 1886;
ders.,
Frhr. A.
v. B. üb. d. inneren Zustände Österr.s, Eine
Denkschr. aus
d. J. 1816, in:
AÖG 74, 1889, S. 1-160;
ders., Tirol 1812-1816 u.
Erzhzg. Johann
v. Österr., Innsbruck 1890;
ders., Aus Österr.s stillen u. bewegten Jahren 1810-1812 u. 1813-1815, ebenda 1892; H. Sturmberger, A.
v. B. im J. 1809,
Diss. Wien 1937; H. Rößler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung, 1940
(P).
Autor ↑
Hellmuth RößlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Rößler, Hellmuth, „Baldacci, Anton Maximilian Dominik Freiherr von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
548
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116042389.html
<< Balbi, Johann Friedrich von
Baldamus, Karl >>
Baldacci, Anton Freiherr von
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Baldacci: Anton
Freiherr von
B.
, österreichischer Staatsmann, aus einer alten während
der korsischen Freiheitskämpfe gegen Genua aus Korsika nach Ungarn
ausgewanderten Familie, zu Wien 1762 (nicht erst 1767) geb. und †
9. Juli 1841. Er war Zögling der
Theresianischen Ritterakademie und diente dem Staate von 1781 bis
1839, zuletzt als Präsident des General-Rechnungsdirectoriums.
Gegen seinen Stammesgenossen
Napoleon erfüllte ihn die
glühendste Abneigung, ihm von den Deutschen als "göttlicher Haß"
zur Ehre, von den Franzosen als "Monomanie
réelle" zu Last gerechnet. Durch diese Eigenschaft wurde er,
der mit dem Grafen Philipp Stadion allein auch in den ärgsten
Unglücksfällen ungebeugt blieb, die Seele des Widerstandes in den
Kämpfen Oesterreichs von
1805 und 1809, nach deren unglücklichem
Ausgang er mit Energie für Hebung des Unterrichtes und Ordnung der
Finanzen als Vorbedingungen für eine erfolgreiche Wiederaufnahme
des Kampfes mit dem Erb- und Todfeinde rastlos thätig war. Dafür
hatte er die Genugthung in den Freiheitskriegen 1813 bis 15 als
Armeeminister durch ausgezeichnete Leitung der Heeresverpflegung
nicht wenig zu dem Siege beizutragen und in Paris selbst das Ziel
seiner jahrelangen Aufopferung zu erleben. In seiner letzten
Diensteseigenschaft begründete er die officielle Statistik des
Kaiserstaates durch Einführung der ersten amtlich statistischen
Notizen.
Hormayr, Lebensskizzen aus den Befreiungskr. I. 70. II. 55 uud 434. — Wurzbach, Biogr.
Lex. — Gräffer, Oestr. Nationalencycl.
Autor ↑
Hoffinger.
Empfohlene Zitierweise ↑
Hoffinger, „Baldacci, Anton Freiherr von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
780
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116042389.html?anchor=adb
Baldacci, Anton Freiherr von
Name: Baldacci, Anton Freiherr von
Namensvariante: Baldacci, Anton Maximilian Dominik Freiherr von
Namensvariante: Baldacci, Anton von
Namensvariante: Baldacci, Anton Maximilian Dominik von
Lebensdaten: 1762 bis 1841
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: österreichischer Staatsmann; Statistiker
Konfession: griechisch-orthodox
Autor NDB:
Rößler, HellmuthAutor ADB:
HoffingerPND: 116042389