<< Rettig, Fritz Otto August
Reubke, Friedrich Julius >>
Retty (Retti), Leopold(o) Mattia
Baumeister,
* 1704 Laino (Val d'Intelvi, Provinz Como, Oberitalien),
† 18.9.1751 Stuttgart,
⚰ Oeffingen bei Fellbach, katholischer Friedhof. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Lorenzo Mattia (um 1664–1714), Stukkator (s.
ThB);
M Elena,
T d. Paolo Frisoni (
† um 1697);
Om Donato Giuseppe Frisoni (1683–1735), Stulckator, Baumeister (s.
NDB V;
L); –
⚭ 1733 Anna Clara Darny.
Leben ↑
R. erhielt seine Ausbildung 1717-24 in Ludwigsburg bei seinem dort seit 1708 am Schloßbau tätigen Onkel Donato Giuseppe Frisoni. Nach einer Studienreise 1724-26 nach Italien und Frankreich wurde
R. zum
hzgl.-
württ. Baumeister in Ludwigsburg und 1728 zum Leiter der Baudeputation für das Stadtbauwesen des neugegründeten Ludwigsburg berufen. 1731 ging
R. als Ingenieur-Capitän an den
mgfl. Hof in Ansbach, wo er 1732 zum Hofbaudirektor ernannt wurde. Hier vollendete er 1738 den von Gabriel de Gabrieli (1671–1747) begonnenen und von Karl Friedrich
v. Zocha (1683–1749) fortgesetzten Neubau des Residenzschlosses. Zur Innenausgestaltung der wesentlichen Schloßräume warb er Mitarbeiter von den Höfen in Ludwigsburg, München und Bonn an. Nicht zur Ausführung gelangte die in das Residenzschloß integrierte, als kuppelbekrönter mächtiger Zentralbau projektierte neue Hofkirche. Neben dem Residenzschloß wurden unter der Oberaufsicht
R.s zahlreiche weitere Schlösser, Kirchen, Befestigungsbauten, Schulen und Pfarrhäuser in der Ansbacher
Mgfsch. errichtet
bzw. umgestaltet. Mit den Hofkirchen in Weidenbach (1734–36), Ansbach-
St. Gumbertus (1736–38) und Unterschwaningen (1737–43) gelang es
R., die grundlegenden Problemstellungen des
ev. Kirchenbaus des 18.
Jh. einer angemessenen Lösung zuzuführen und die konstitutive Bedeutung des Gestühls für den
luth. Kirchenraum zu erkennen.
Im ersten Jahrzehnt seiner Ansbacher Tätigkeit war
R. mit höfischen Bauaufgaben weitgehend ausgelastet. Später blieben viele Projekte aus Mangel an finanziellen Mitteln unausgeführt, was dazu führte, daß
R. auch Privataufträge annahm und sich im Festungsbau engagierte. 1741 wurde er als Artillerie-Major Mitglied des Artillerie-Corps des Fränk. Kreises. Im
luth. Ansbach engagierte er sich auch persönlich für seine Konfession und bereitete mit dem Ansbacher Buchbindermeister Christoph Ernst Prediger eine
kath. illustrierte Bibelausgabe vor, die nach seinem Tod fertiggestellt wurde. 1741 begann
R. von Ansbach aus mit den Arbeiten am Neubau des Stuttgarter Residenzschlosses, für dessen Ausführung er dem
württ. Hof empfohlen worden war. 1749 siedelte er nach Stuttgart über und wurde 1750 zum Oberbaudirektor ernannt. Zur selben Zeit begann er 1749 die Planung für den Neubau des Karlsruher Schlosses. Als er 47jährig starb, wurde er im Grab seines Onkels beigesetzt.
|R. war ein bedeutender süddt. Baumeister des 18.
Jh., dem es innerhalb kurzer Zeit gelang, mit seiner vom
franz. Klassizismus bestimmten Stilauffassung die Architektur des Ansbacher Fürstentums maßgeblich zu prägen und durch den Bau der Ansbacher Residenz für kurze Zeit international bedeutende Künstler wie den Zeichner Paul Amadee Biarelle oder die Maler Carlo Innocenzo Carlone und Diego Francesco Carlone nach Ansbach zu holen.
Werke ↑
Weitere W
Gymnasium Carolinum Ansbach, 1735-37;
Münzgebäude Schwabach, 1733-34;
Pfarrkirche Wassertrüdingen, 1738-40;
Synagoge Ansbach, 1744-46;
Bebauungsplan d. Neuen Auslage Ansbach, um 1731;
Palais Nostiz, Ansbach, 1739-40;
Neue Auslage in Schwabach, 1736;
Bürgerbauten in Ansbach, Schwabach u. Gunzenhausen;
Schloss Dennenlohe, 1734-1750.
|Quellen ↑
Qu StA Nürnberg (
Rep. 219 u. 270b),
Univ.bibl. Stuttgart (
Planslg.);
British Library, London (Map Library K. Top XCVI/78-79).
Literatur ↑
F. Scholl, L. Retti, Mgfl. Ansbach'scher
Baudir., 1930;
Heinz Braun, L.
R. u. d. Ansbacher Schloßbau, in:
Jb. f.
fränk. Landesforsch. 19, 1959, S. 507-45;
R. Merkel, Buchdruck u. Buchhandel in Ansbach
v. d. Anfängen bis
z. Ende d. 18.
Jh., 1965;
L. Baron Döry, Donato Giuseppe Frisoni u. L. Mattia Retti, in: Arte lombarda, Rivista di storia dell'arte 12, 1967, S. 127-38 u. 14, 1969, S. 75-98;
G. Schuhmann, Die Markgrafen
v. Brandenburg-Ansbach, 1980;
K. Raschzok, Luth. Kirchenbau u. Kirchenraum im
Za. d. Absolutismus, 1988;
Ch. Eichinger, Zur Architektur d. Ansbacher Schlosses, Mag.arb. Erlangen-Nürnberg 1991;
K.-H. Kurzidem (
Bearb.), L.
R. (1704-1751), Ein
ital. Baumeister am Ansbacher Hof,
Ausst.kat. Ansbach 2001;
ThB.
Portraits ↑
Ölgem. v. R. Nickele, 1741 (Residenz Ansbach),
Abb. in: Johann David Steingruber 1702-1787, Leben u. Werk,
Ausst.kat. Ansbach 1987.
Autor ↑
Klaus RaschzokEmpfohlene Zitierweise ↑
Raschzok, Klaus, „Retty, Leopold Mattia“,
in: Neue Deutsche Biographie
21
(2003), S.
449-450
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118890301.html