Name
Passarge, Siegfried
Namensvarianten
Passarge, Otto Karl Siegfried
Lebensdaten
1866 bis 1958
Geburtsort
Königsberg (Ostpreußen)
Sterbeort
Bremen
Beruf/Lebensstellung
Geograph
Konfession
evangelischer Neffe
Autor NDB
Viola Imhof
Autor ADB
-
GND
11605199X

Passarge, Otto Karl Siegfried

Geograph, * 28.11.1866 (laut fehlerhaftem Kirchenbucheintrag 26.2.1867) Königsberg (Ostpreußen), 26.7.1958 Bremen.

  • Genealogie

    V Ludwig (Louis) (1825–1912), aus Wolittnick (Ostpr.), Richter in Insterburg u. K., Geh. Justizrat, Vf. v. Reisebüchern. Übers. d. Werke Ibsens u. Björnsons (s. BJ 18, Tl.; Altpreuß. Biogr. II; Nassau. Biogr.; Killy; Kosch. Lit.-Lex.3), S d. Gutsbes. Karl ( 1866) u. d. Dorothea Braun ( 1869); M Elmire Meermann; N. N.; 3 S, u. a. Wolfgang, Edgar, beide Arzt in Hamburg.

  • Leben

    P. studierte 1887-91 Geologie und Medizin in Berlin, Freiburg (Br.) und Jena, wo er 1891|mit einer geologischen Arbeit promoviert wurde. Das med. Staatsexamen folgte 1892. Dieser Fächerkombination verdankte er die Einladung zur Teilnahme an der Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees für die Festlegung der Grenzen dieser Kolonie 1893. Über seine Beobachtungen schrieb P. sein erstes Buch „Adamaua“ (1895), worin er die Geologie, Geomorphologie und regionale Landschaftstypen behandelte. Die Konfrontation mit Problemen der Grenzziehung in einem Gebiet, in dem die natürliche Landschaftsform, die ethnische Struktur der ansässigen Bevölkerung sowie politische Machtansprüche maßgeblich für den Grenzverlauf waren, legten möglicherweise den Keim für P.s spätere Arbeiten. Bis etwa 1914 folgten zahlreiche weitere Expeditionen, vor allem in Afrika. Die Beobachtungen auf seinen Reisen und der Einfluß Ferdinand v. Richthofens (1833–1905) ließen ihn zum Geomorphologen und Geographen werden. 1903 habilitierte sich P. bei Richthofen an der Univ. Berlin für das Fach Geographie. 1905 erfolgte seine Berufung nach Breslau als o. Professor für Geographie, 1908 ging er an das Kolonialinstitut Hamburg (jetzt Univ. Hamburg; 1936 emeritiert).

    P. untersuchte zunächst als Geomorphologe die Entwicklung der Erdoberflächenformen, entwickelte aber bald sein Konzept der „Geographischen Landschaftskunde“. Diese zu definieren und gegenüber der hauptsächlich durch Alfred Hettner (1859–1941) vertretenen „Länderkunde“ abzugrenzen, war der Inhalt seines Lebenswerkes. Die Länderkunde betrachtete P. als eine „Aneinanderreihung der geographischen Teilwissenschaften“, die Landschaftskunde als „Synthese der naturwissenschaftlichen Teilwissenschaften zu einer Einheit, das heißt [. …]1 eine Darstellung des gesamten Raumes, der Bühne, auf der Tier und Mensch sich bewegen“ (Geograph. Völkerkde., 1934). Der Unterschied zwischen beiden Disziplinen war nicht leicht zu erkennen, was heftige Kontroversen bewirkte. P. scheute sich nicht, Vertreter anderer Meinungen ungewöhnlich heftig, sogar ehrverletzend, anzugreifen. Beide Richtungen werden noch heute, abgewandelt und weiterentwickelt, gepflegt, z. B. als „naturräumliche“ Gliederungen einzelner Regionen, aber auch als Länderkunden und Regionalatlanten von Staaten oder Verwaltungsbezirken. Außerdem versuchte P, eine Völkerkunde als „gesetzmäßige Charakterentwicklung der Völker als Grundlage der Kulturentwicklung“ zu formulieren, die stark rassistische und antisemitische Züge trägt.|

    • Auszeichnungen

      Mitgl. d. Leopoldina (1925) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1926); Dr. h. c. (Hamburg 1957).

    • Werke

        Wu. a. Die Besitzung El Caura in Venezuela, 1902; Die Kalahari, 1904; Grundlinien im ethnograph. Bilde d. Kalahari-Region, 1905; Die Buschmänner d. Kalahari, 1906; Südafrika, 1908; Das Dt. Kolonialreich, 1909/10 (mit Hans Meyer); Physiolog. Morphologie, 1912; Morphologie d. Meßtischblattes Stadtremda, 1914; Die Grundlagen d. Landschaftskde., 3 Bde. 1919/20 (2. erw. u. verb. Aufl. d. 1. Bd. 1929 u. d. T. „Beschreibende Landschaftskde.“); Vgl. Landschaftskde., 1921, 21930; Die Landschaft, 1921; Landschaft u. Kulturentwicklung in unseren Klimabreiten, 1922; Die Landschaftsgürtel d. Erde, 1923, 21929; Grundzüge d. gesetzmäßigen Charakterentwicklung d. Völker, 1925; Die Erde u. ihr Wirtsch.leben, 2 Bde., 1926/27; Klima u. Landschaftsbild, 1927; Panorama afrikan. Inselberglandschaft, 1928; Das Judentum als landschaftskundl.-ethnolog. Problem, 1929; Morphologie d. Erdoberfläche, 1929; Wesen, Aufgaben u. Grenzen d. Landschaftskde., 1930; Ägypten u. d. arab. Orient, 1931; Wiss. Ergebnisse e. Reise im Gebiet d. Orinoco, Caura u. Cuchivero im J. 1901/02, 1933; Einf. in d. Landschaftskde., 1933; Morpholog. Stud. in d. Wüste v. Assuan, 1933 (mit W. Meinardus); Geograph. Völkerkde., 3 Bde., 1933/34; Die Urlandschaft Ägyptens u. d. Wiege u. d. Lokalisierung d. altägypt. Kultur, 1940; Wiss. Ergebnisse zweier Reisen nach Algerien 1906 u. 1907, 1941; Geograph. Völkerkde., 1951; Morpholog. Stud. in d. Wüste v. Assuan, 1955. – Autobiograph. Arbb.: Versuch e. Darlegung d. eigenen wiss. Tätigkeit, in: Zs. f. Erdkde. 4, 1936, S. 49-62 (W-Verz.); Das Geograph. Seminar d. Kolonial-Inst. u. d. Hansischen Univ. 1908-1935, Erinnerungen u. Erfahrungen, in: Mitt. d. Geograph. Ges. Hamburg 45, 1939, S. 1-104. - Wiss. Nachlaß: Geograph. Inst. d. Univ. Hamburg u. Univ.bibl. München.

    • Literatur

      T. Stocks, in: Geograph. Anz. 28, 1927, S. 41-44 (W, P); H. Louis, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1959, S. 181-83 (P); H. Kanter, S. P.s Gedanken z. Geogr., in: Die Erde, Zs. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin 91, 1960, S. 41-51; R. Dickinson, The makers of modern geography, 1969, S. 137-41 (P); Kürschner, Gel.-Kal. 1925-61; Pogg. IV, VII a; Dt. Kolonial-Lex. III, 1920; E. Banse, Lex. d. Geographie II, 1923; Westermann, Lex. d. Geographie III, 1970; Altpreuß. Biogr. III; D. Henze, Enz. d. Entdecker u. Erforscher d. Erde. 17. Lfg., 1995.

  • Autor

    Viola Imhof
  • Empfohlene Zitierweise

    Imhof, Viola, "Passarge, Otto Karl Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 88 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11605199X.html
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Passarge, Siegfried

Passarge, Siegfried