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Fürstenberg

Grafen und Fürsten zu. (katholisch)


LebenLiteraturAutorZitierweise

Leben  
Das schwäbische Geschlecht der Grafen zu Fürstenberg, 1664 in der Heiligenberger Linie, 1716 mit dem ganzen Hause in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben, stammt von einer ursprünglich wohl fränkischen Grafenfamilie ab, die sich in karolingischer Zeit im inneren Schwaben festsetzte. Diese Grafen von Urach gelangten in spätsalischer und staufischer Zeit zu verstärktem Einfluß, standen jedoch überwiegend auf der Seite der päpstlichen Partei und kamen damit in politische Berührung mit den Herzogen von Zähringen; ihr bedeutendster Vertreter ist Konrad ( 1227), Kardinal von Porto und Sankt Rufina, der eine bedeutende Vermittlerrolle spielte. Egino (IV.) ( 1230), genannt der Bärtige, heiratete um 1180 Agnes von Zähringen, die Tochter Herzog Bertholds IV., und wurde nach dem Aussterben der Zähringer Herzöge 1218 neben den Grafen von Kiburg und agnatischen Seitenverwandten der Zähringer Haupterbe der zähringischen Güter rechts des Rheins. Sein Sohn, Egino (V.) ( um 1236), nannte sich nunmehr Graf von Freiburg (im Breisgau), setzte im wesentlichen seine Erbansprüche gegenüber Kaiser Friedrich II. durch und wurde damit Stammvater der Häuser der Grafen von Freiburg und Fürstenberg. Den Titel eines Grafen zu Fürstenberg nahm um 1250 nach einer Erbteilung Heinrich (I.) ( 1283/84, s. ADB VIII) an, der das Zähringergut im Kinzigtal und auf der Baar erhielt und als Hofbeamter und Vetter Rudolfs von Habsburg die enge Freundschaft der Egoniden mit dem Hause Habsburg begründete. 1283 lieh ihm König Rudolf für seine Person die Landgrafschaft Baar, die später als Hauserblehen anerkannt wurde und bis 1806 im Besitze der Grafen zu Fürstenberg blieb. Mittelpunkt der Landgrafschaft war die Burg Fürstenberg mit dem gleichnamigen Städtchen, während die verkehrsmäßig und wirtschaftlich bedeutsamere Stadt Villingen 1326 dem Hause Fürstenberg entfremdet wurde und an die Habsburger fiel. – Im 14. und 15. Jahrhundert blieb die Besitzgrundlage der Grafen zu Fürstenberg schmal, ihr Einfluß im wesentlichen auf Schwaben beschränkt. Erst unter Kaiser Maximilian I. kamen 2 fürstenbergische Brüder, Heinrich (VII.), 1499 als kaiserlicher oberster Feldhauptmann im Schweizerkrieg bei Domeck gefallen (s. ADB VIII), und Wolfgang ( 1509, s. ADB VIII) über den Reichsdienst zu Würden. Wolfgangs Sohn Friedrich (II.) ( 1559) erhielt aus dem werdenbergischen Erbe seiner Gemahlin Anna die Landgrafschaft Heiligenberg und stieß damit dauerhaft in das nördliche Bodenseegebiet vor. Weitere Abrundung erfuhr der Hausbesitz durch die Beerbung. Von den Grafen von Helfenstein und Zimmern kamen neben oberschwäbischen Gütern Meßkirch, und von den Grafen von Lupfen die Herrschaften Lupfen mit Stühlingen und Hewen mit Engen an Fürstenberg. Im kaiserlichen Dienst zeichneten sich zahlreiche Fürstenberg aus, so daß das Haus als streng prohabsburgisch galt; nur ein Teil der Heiligenberger Linie näherte sich den Wittelsbachern. Dadurch gerieten die Brüder Franz Egon ( 1682, s. NDB V) und Wilhelm Egon ( 1704), Bischöfe von Straßburg, in das Fahrwasser der französischen Politik, während die Stühlinger und die Meßkircher Linie auf habsburgischer Seite standen. – Mit dem Aussterben zunächst der Heiligenberger (1716) und der Meßkircher Linie (1744) kam es zur Zusam|menfassung des gesamten Hausbesitzes unter dem bedeutenden Fürsten Joseph Wilhelm Ernst (1699–1762), der daraus das Fürstentum Fürstenberg schuf. Dieses aus räumlich und rechtlich ganz verschiedenen Teilen zusammengesetzte Staatsgebilde bestand unter seinen Söhnen und Enkeln bis zur Mediatisierung 1806; dann wurde es unter Baden, Württemberg und Hohenzollern aufgeteilt. – Kurz zuvor hatte der minderjährige Fürst Karl Egon (II.) ( 1854, s. ADB VIII; Wurzbach V) von der böhmischen Sekundogenitur, Sohn des 1799 bei Stockach gefallenen Fürsten Karl Aloys, kaiserlicher Feldmarschall-Leutnant (s. ADB VIII), das Erbe der 1804 ausgestorbenen Reichsfürstlichen Linie übernommen. Mit Hilfe seiner Mutter, Fürstin Elisabeth, geborene Prinzessin von Thurn und Taxis ( 1822), und dank den Beziehungen zum badischen Hause, die seine Ehe mit Amalie Christine (1795–1869), Prinzessin von Baden(-Hochberg) begründeten, blieben neben dem großen Domanialbesitz auch verschiedene standesherrliche Hoheitsrechte dem Hause Fürstenberg bis 1918 erhalten. Unter Fürst Karl Egon (II.) erhielt die Fürstenbergsche Hofbibliothek starken Zuwachs, unter anderem durch Erwerbung der Laßbergschen Sammlungen (1853). Die Fürsten Karl Egon (III.) (1820-92, s. ADB 49) und Karl Egon (IV.) (1852-96, s. ADB 49) setzten den liberalen Kurs Karl Egons II. mit kräftiger Annäherung an Preußen fort. – 1896 fiel das schwäbische Hausgut erneut an die böhmische Sukzessionslinie, so daß Fürst Max Egon (II.) (1863-1941) wiederum beide Linien vereinigte. Als naher persönlicher Freund Kaiser Wilhelms II., Mitglied des kaiserlich und königlichen Österreichischen Reichshofrats und böhmischer Magnat spielte Fürst Max Egon eine im einzelnen noch der Klärung bedürftige, wichtige Berater- und Vermittlerrolle. Sein ältester Sohn, der jetzige Fürst Karl Egon (V.) (1891-1973) verzichtete 1932 auf die Verwaltung des schwäbischen Hausgutes und zog sich nach Weitra, dem Stammsitz einer ganz im Bereich der kaiserlich und königlichen Monarchie verbleibenden älteren landgräflichen Linie, zurück. Verwalter und Treuhänder des nunmehr an den Erbprinzen Joachim gelangten Gesamtgutes wurde Prinz Max Egon (1869–1959), der sich vor allem als Förderer der Fürstenbergschen Institute für Kunst und Wissenschaft hoch verdient gemacht hat.

Literatur  
ADB VIII, 16 u. 49; G. Tumbült, Das Fürstentum F. usw., 1908; E. Johne, Fürst Jos. Wilh. Ernst zu F., s. Bedeutung f. d. staatl. u. kultur. Verhältnisse in F.schen Landen, in: Bad. Heimat, J.h. Die Baar, 1938, S. 291 ff.; K. S. Bader, in: Schrr. d. Ver. f. Gesch. u. Naturgesch. d. Baar 21, 1940, S. I ff. (Nachruf auf Fürst Max Egon II.) u. in: Hegau 1/7, 1959, S. 83 ff. (Nachruf auf Prinz Max Egon); ders., Fürstin Elisabeth zu F. im Kampf um d. Erhaltung d. Rechte ihres mediatis. Hauses, in: Schrr. d. Ver. f. Gesch. u. Naturgesch. d. Baar 24, 1956, S. 119 ff.; A. v. Platen, Karl Egon II., Fürst zu F. 1796-1854, 1954; K. S. Bader u. A. v. Platen, Das Große Palatinat d. Hauses F., 1954. – Qu. z. Haus- u. Landesgesch. im F.-Archiv, Donaueschingen. Editionen: F. Urkk. Buch I-VII (1877–91); Mitt. a. d. Fürstl. F.schen Archiv I/II, 1894/1902; Veröff. a. d. F.schen Archiv, 1938 ff.; Wurzbach V.

Autor  
Karl Siegfried Bader
Empfohlene Zitierweise  

Bader, Karl Siegfried, „Fürstenberg“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 695 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118694103.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 5 (1961), S. 695 f.

PND: 118694103
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Index

Fürstenberg

Name: Fürstenberg
Namensvariante: Urach, Grafen von
Namensvariante: Freiburg, Grafen von
Lebensdaten: unbekannt
Beruf/Lebensstellung: Grafen und Fürsten zu Fürstenberg; schwäbisches Adelsgeschlecht
Konfession: katholische Familie
Autor NDB: Bader, Karl Siegfried
PND: 118694103

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Fürstenberg

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