Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Friedberg.     Friedberg, Heinrich von >>

Friedberg, Emil Albert von (württembergischer Personaladel 1874)

Kirchenrechtler, * 22.12.1837 Konitz (Westpreußen), 7.9.1910 Leipzig. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Adolf Aug. (1808–44, isr., seit 1824 ev.), Land- u. Stadtrichter in Berlin, S d. Israel Abraham, dann Aug. (s. Gen. 2); M Philippine Emma (* 1811, isr., seit 1837 ev.), T d. Kaufm. Jos. Stargardt in Märk.-Friedland; Ov Heinrich s. (2); 1867 Clara Minna Asta (1840-n. 1917), T d. Gust. Adolph Gotthold Schleh (Schlesinger), Kaufm. u. Fabr. in Berlin, u. d. Henriette Wilh. Gülich; 2 K; Schwieger-S Paul Adolph (1868–1941), Gen.-Intendant d. sächs. Staatstheaters (s. Kosch, Theater-Lex.).

Leben  
Friedberg besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und studierte seit 1856 in Berlin und Heidelberg Jura. Er promovierte 1861 in Berlin und habilitierte sich dort 1862, wurde 1865 außerordentlicher Professor in Halle, 1868 ordentlicher Professor in Freiburg im Breisgau und 1869 in Leipzig, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Das wissenschaftliche Anliegen Friedbergs war in erster Linie das Verhältnis von Staat und Kirche in Geschichte und Gegenwart. Diesem Thema galt bereits seine Promotionsschrift „De finium inter ecclesiam et civitatem regundorum judicio quid medii aevi doctores et leges statuerunt“; obwohl Friedberg ein historisches Thema behandelt, befürwortet er bereits hier im Geiste des zeitgenössischen Liberalismus die unbedingte Hoheitsgewalt des Staates über die Kirche. Friedberg hat dieses Thema späterhin in zahlreichen weiteren kirchenrechtlichen und kirchenpolitischen Schriften behandelt. „Sein Ideal war das territorialistische Staatskirchenrecht des 17. und 18. Jahrhunderts, das dem Staat weitgehende Macht auch über das innerkirchliche Leben gewährt“ (R. Sohm). Friedberg ist wissenschaftlicher Parteigänger und politischer Berater in dem von Bismarck seit 1872 ausgefochtenen Kulturkampf geworden; namentlich an den Kirchengesetzen von 1872 war Friedberg in einflußreicher Weise beteiligt. Er handelte darüber zugleich wissenschaftlich in seiner Schrift „Die preußischen Gesetze über die Stellung der Kirche zum Staat“ (1873). Der streng rechtlich denkende Mann ist von der Mitverantwortung für den Kulturkampf ebensowenig freizusprechen, wie es anderseits sein Verdienst ist, daß der Kampf in den Bahnen des konstitutionellen Rechtsstaates verblieb.
Friedbergs bleibendes wissenschaftliches Verdienst ist die noch heute maßgebende Ausgabe des Corpus Juris Canonici (1879/82). Er konnte dabei aufbauen auf der großen Ausgabe von Ae. L. Richter (1837/39). Aber im Gegensatz zu Richter und anderen Vorgängern hatte sich Friedberg das Ziel gesetzt, den im Laufe der|Jahrhunderte überlagerten Text nach Möglichkeit in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen. Er handelt davon in Prolegomena (I 1879, II 1882). Sein hochgestecktes Ziel hat er naturgemäß nicht voll erreicht (kritisch und zugleich vorwärtsweisend: St. Kuttner, De Gratiani opere noviter edendo, in: Apollinaris 21, Rom 1948, S. 118 f.). Dennoch bedeutet seine Ausgabe den Brückenschlag zur modernen historischen Kanonistik; sie wird auch für die Zukunft noch solange maßgebend sein, bis die 1952 in Bologna beschlossene kritische Neuausgabe wenigstens des Decretum Gratiani Gestalt gewinnt.

Werke  
Weitere W u. a. Ehe u. Eheschließung im dt. MA, 1864; Das Recht d. Eheschließung in s. geschichtl. Entwicklung, 1865; Die ev. u. kath. Kirche d. neu einverleibten Länder in ihrer Beziehung z. preuß. Landeskirche u. z. Staat, 1867; Aus dt. Bußbüchern, 1868; Das Veto d. Regierungen bei Bischofswahlen, 1869; Agende, wie es in d. Kf. zu Sachsen Landen in d. Kirchen gehalten wird, 1869; Die Gesch. d. Zivilehe, 1870, 21877; Der Staat u. d. kath. Kirche im Ghzgt. Baden, 1871, 21874; Das dt. Reich u. d. kath. Kirche, 1872; Die Grenzen zw. Staat u. Kirche, 1872; Slg. d. Aktenstücke z. ersten vatikan. Konzil, 1872; Johs. Baptista Baltzer, 1873; Der Staat u. d. Bischofswahlen in Dtld., 1874; Lehrb. d. kath. u. ev. Kirchenrechts, 1879, 61909. – Hrsg.: F. L. Keller, Pandektenvorlesungen, 1861; Die geltenden Vfg.gesetze d. ev. dt. Landeskirchen, 1885, 4 Erg.bde., 1904; Zs. f. Kirchenrecht (mit R. Dove), 22 Bde., 1861-89: Dt. Zs. f. Kirchenrecht (mit E. Sehling), 25 Bde., 1891-1916.

Literatur  
Festschr. f. Friedberg, 1908; R. Sohm. in: Dt. Juristenztg. 15, 1910, S. 1061-63; H. M. Gietl, in: HJb. 31, 1910, S. 945; H. E. Feine, Kirchl. Rechtsgesch. I, 31955, S. 260, 593, 611, 639; E. Sehling, in: Dt. Zs. f. Kirchenrecht 20, 1910/11, S. I-VIII; BJ 15 (Tl. 1910, L); LThK; PRE; RGG3.

Portraits  
Phot. in: LIZ 108.

Autor  
Adalbert Erler
Empfohlene Zitierweise  

Erler, Adalbert, „Friedberg, Emil Albert von“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 443 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118535536.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 5 (1961), S. 443 f.
Erwähnungen: 
NDB 4 (1959), S. 41*

PND: 118535536
Artikel drucken

Index

Friedberg, Emil von

Name: Friedberg, Emil von
Namensvariante: Friedberg, Emil Albert von
Lebensdaten: 1837 bis 1910
Geburtsort: Konitz (Westpreußen)
Sterbeort: Leipzig
Beruf/Lebensstellung: Kirchenrechtler
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Erler, Adalbert
PND: 118535536

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Friedberg, Emil von

PND
118535536

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München
Rektoratsreden im 19. und 20. Jahrhundert

Quellennachweise
Historische Vorlesungsverzeichnisse der Universität Leipzig

Nachlässe der SLUB

Nachlässe
Kalliope