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Bach, Alexander Freiherr von >>
Bach, Wilhelm Friedemann
* 22.11.1710 Weimar,
† 1.7.1784 Berlin. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Sebastian Bach (s. 8);
⚭ 25.2.1751 Dorothea Elisabeth,
T des Steuereinnehmers Johann Gotthilf Georgi, Halle; 2
S (früh verstorben), 1
T.
Leben ↑
Der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs war traditionsgemäß im Orgel- und Klavierspiel sowie in der Komposition Schüler seines Vaters, der für seinen Lieblingssohn das „Clavierbüchlein vor Friedemann Bach“ (1720) mit eigenen Kompositionen und solchen von G. Ph. Telemann, J. C. Richter und G. H. Stölzel, nebst einer Manieren-Tabelle nach F. Couperin und einer Fingersatz-Anweisung angelegt hat (heute im Besitz der Yale-University, New Haven, Connecticut, USA). Später nahm Bach noch Geigenunterricht bei J. G. Graun in Merseburg, einem Schüler von J. G. Pisendel und G. Tartini. Bach besuchte die Lateinschule in Cöthen und die Thomasschule in Leipzig, wo er an der Universität 1723 als
Depositus („nondum inscriptus“), 1729 als stud.
jur. immatrikuliert wurde und außer den Rechten Philosophie und Mathematik studierte. 1733 wurde er Organist an der Sophienkirche in Dresden, der Residenzstadt, ausgezeichnet durch reiche Musikkultur und die italienische Oper unter J. A. Hasse. Hier entstanden viele von Bachs besten Kompositionen, namentlich Konzerte, Sinfonien und Klavierwerke. In seinen frühen Sonaten - die erste (in D-dur) von „Sei Sonate per il Cembalo“ erschien 1745 im Druck „In Verlag zu haben 1. bey dem Autore in Dresden, 2. bey dessen Herrn Vater in Leipzig und 3. dessen Bruder in Berlin“ - kündigt sich der neue Stilwille der Klaviersonate in Deutschland an. 1746 ging Bach nach Halle als Organist der Marktkirche
St. Marien und als
Director musices. Hier trat er mit Kirchenkantaten, eigenen und solchen seines Vaters hervor und lebte ab 1764 ohne Bindung an ein Amt („ohne engagement“) nur der Komposition und dem Unterricht. 1770 siedelte die Familie nach Braunschweig, 1774 nach Berlin über, wo Bach sich mit öffentlichen Konzerten und Unterricht durchbrachte. Aus der altbürgerlichen Welt des Elternhauses sich schwer und langsam lösend, um ein freies, subjektives Künstlertum anzustreben, für das die sozialen Voraussetzungen in der neubürgerlichen Gesellschaftsordnung erst im Entstehen begriffen waren, geriet Bach immer mehr in wirtschaftliche Not und innere Haltlosigkeit, so daß er beim Verkauf von Werken aus dem Nachlaß seines Vaters sogar vor Fälschungen nicht zurückschreckte. Als berühmter Orgel- und Klavierspieler war er bis in das Alter, besonders wegen seiner gerühmten Kunst der Improvisation, beliebt. Um das Leben des zwiespältigen Künstlers, eines „Originalgenies“ im Sinne der Zeit, legte sich bald nach seinem Tod ein Kranz von Legenden, wie er sich in E. Brachvogels Roman „W. F. B.“ (1858) spiegelt.
Literatur ↑
ADB I; M. Falck, W. F.
B., 1913,
21919
(mit themat. W-Verz.); F. Blume, in:
MGG I
(W, L, P).
Portraits ↑
Ölgem. (
Städt. Kunstslg. Halle, Echtheit wohl zu Unrecht angezweifelt); Jugendbildnis in Pastell,
vgl. C. Freyse, in:
Ber. üb. d.
Wiss. Bach-Tagung d.
Ges. f. Musik-F in Leipzig, 1951, S. 349 ff.
Autor ↑
Wilibald GurlittEmpfohlene Zitierweise ↑
Gurlitt, Wilibald, „Bach, Wilhelm Friedemann“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
489
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505548.html
<< Bach, Musikerfamilie
Bach, Karl Philip Emanuel >>
Bach, Wilhelm Friedemann
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Bach: Wilhelm
Friedemann
B.
, berühmter Musicus, auch der halle'sche
B.
genannt, war Joh. Seb. Bach's ältester Sohn aus dessen
erster Ehe mit Maria Barbara geb. Bach. Er ist 1710 zu Weimar geboren, (sein Geburtstag ist
nicht bekannt), † 1. Juli 1784 zu
Berlin. In seiner Jugend hat
er eine sorgfältige musikalische und wissenschaftliche Bildung
erhalten; der Vater hielt ihn für den zur Musik begabtesten unter
seinen Söhnen und bestimmte deshalb die Kunst zu seinem
Lebensberufe. Nachdem er 1717 mit dem Vater nach Cöthen und dann
nach Leipzig übergefiedelt war, wurde er Schüler der Thomasschule.
Schon vor dieser Zeit hatte der Vater ihm Unterweisung in der
Composition und im Clavierspiele gegeben, so daß Friedemann sich
bereits in seinem zwölften Lebensjahr eine höchst beachtenswerthe
Sicherheit auf dem Instrumente angeeignet hatte. Von seinem 15.
Jahre an erhielt er außerdem noch Violinunterricht bei I. I.
Graun, dem späteren Concertmeister Friedrich des Großen, und auch
auf diesem Instrument soll seine Fertigkeit bald
bewunderungswürdig gewesen sein. Ebenso legten die Fortschritte in
der theoretischen Musik und in der Kunst des Contrapunktes ein
glänzendes Zeugniß für sein hervorragendes musikalisches Talent
ab. Zu gleicher Zeit ließ
B.
aber nicht nach, sich auch in den wissenschaftlichen
Schulfächern zu vervollkommnen, so daß er ungefähr 1729 oder 30
befähigt war, die Universität zu beziehen, Marpurg berichtet
hierüber in seinen "Histor. krit. Beiträgen", Bd. I. S. 431: "Nach
öffentlicher Valediction von der Thomasschule schritt er zu den
höheren Wissenschaften auf der Universität Leipzig, allwo er unter
den Professoribus Jöcher und Ernesti die Philosophie und
insbesondere unter Dr. Rüdiger die
Vernunftlehre studirte. Ueber die Institutiones hörte er die Herren Dr. Köstner und Dr.
Joachim und bei diesem Letzteren besonders die Pandecten, bei dem
Herrn Dr. Stieglitz Wechselrecht und bei
den Herren Professoribus Haußen und Richter die Mathematik."
Nachdem
B.
auf diese Weise sich eine gründliche allgemeine und
höchst beachtenswerthe musikalische Bildung angeeignet hatte,
bewarb er sich 1733 um die Organisten-Stelle an der St.
Sophienkirche zu Dresden, die ihm auch nach einer glänzend
bestandenen Probe zu Theil wurde. Dieser Posten erheischte von
B.
nur das Orgelspiel, nicht die Leitung der
Kirchenmusiken. Dem gemäß, war auch das Gehalt gering; doch
scheint es, daß
B.
seine Einnahme durch Privatmusikunterricht in
genügender Weise zu vermehren wußte. Ueber seine Verhältnisse
dieser Dresdner Periode, sowie über seine Thätigkeit als Componist
daselbst ist man allerdings nur sehr wenig unterrichtet. Man nimmt
daher an, daß seine uns erhaltenen kirchlichen Compositionen erst
aus der folgenden Halle'schen Periode stammen, und daß er in
Dresden hauptsächlich Clavierwerke componirt hat. Marpurg
berichtet uns ferner, daß er in Dresden seine auf der Universität
begonnenen mathematischen Studien mit Fleiß fortgesetzt hat und
zwar bei dem "sehr geschickten Commissionsrath und Hofmathematicus
Walz" und daß er dabei namentlich noch die Algebra fleißig geübt
habe.
B.
blieb bis 1747 in Dresden, als in Halle durch
Kirchhofs Tod die Organistenstelle an der Marienkirche frei wurde.
Er bewarb sich um diesen Posten und erhielt ihn. Im Juli desselben
Jahres trat
B.
sein neues Amt an, welches er bis 1764 inne hatte. In
Dresden scheint
B.
eine geachtete Stellung eingenommen und ein
regelmäßiges ruhiges Leben geführt zu haben; wenigstens ist
durchaus kein Grund vorhanden, das Gegentheil anzunehmen. Während
seines Aufenthaltes in Halle zeigten sich indeß Schwächen seines
Charakters, welche sein ganzes folgendes Leben in höchst,
betrübender Weise verbittern sollten. Ein Hang zur Faulheit und
Trunksucht stellten sich ein, so daß er häufig seine amtliche
Pflicht versäumte. Die Folge davon war, daß er
|sich
wiederholt Zurechtweisungen der Kirchenbehörde zuzog, welche ihm
mit Recht einen lüderlichen Lebenswandel vorwarf. Er wurde immer
zerstreuter und in sich gekehrter, und auf der anderen Seite in
seinen Genüssen immer ausschwei fender. Das Verhältniß zu seinen
Vorgesetzten war höchst unerquicklich; er gab daher 1764 seine
Organistenstelle freiwillig auf. Vergeblich bemühte er sich nach
einer neuen Anstellung. Sein Nachfolger im Amte war ein gewisser
A. F. Roth und dann ein Herr Rühlemann, welche beide bald hinter
einander starben. Da
B.
inzwischen noch keine neue Stellung gewonnen hatte, so
schämte er sich nicht, 1768 sich zum zweiten Male um den von ihm
selbst aufgegebenen Organistenposten an St. Marie zu bewerben,
indeß ohne Erfolg. Seine Lage wurde immer drücken der; er verließ
Halle und ging nach Leipzig, dann nach Braunschweig, Göttingen und
schließlich (1774) nach Berlin. Da er es aber mit der Zeit
verlernt hatte, zu arbeiten und ein ordentliches Leben zu führen,
so hatte er nirgends Glück. In Berlin wurde ihm anfangs durch
Kirnberger's Fürsprache bei der Prinzessin Amalie und bei anderen
Musikern manche Unterstützung zu Theil, die er aber in so
unehrenhafter Weise mißbrauchte, daß er schließlich gänzlich
verlassen dastand, und in den dürftigsten und traurigsten
Verhältnissen an völliger Entkräftung am 1. Juli 1784 zu Berlin
starb, eine unglückliche Gattin hinterlassend, mit welcher er seit
1751 verheirathet war. Ueber seine Compositionen vgl. Bitter, s.
u. S. 746, Bd. II. S. 175 ff. (Kirchen-Compositionen) u. S. 230
ff. (Instrumental-Compositionen).
Autor ↑
H. Bellermann.
Empfohlene Zitierweise ↑
Bellermann, H., „Bach, Wilhelm Friedemann“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
743-744
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505548.html?anchor=adb
Bach, Friedemann
Name: Bach, Friedemann
Namensvariante: Bach, Wilhelm Friedemann
Lebensdaten: 1710 bis 1784
Geburtsort: Weimar
Sterbeort: Berlin
Beruf/Lebensstellung: Musiker; Komponist
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Gurlitt, WilibaldAutor ADB:
Bellermann, H.PND: 118505548