<<
Frankenberg, Abraham von
Frankenheim, Moritz Ludwig
>>
Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand Joseph Johann Nepomuk Graf von|, Freiherr von Schellendorf(f)
Erzbischof von Mecheln (1759–1801), Kardinal, * 18.9.1726 Glogau, † 12.6.1804 Breda.
Genealogie
|
Leben
|
Literatur
|
Portraits
|
Autor
|
Zitierweise
Genealogie
↑
V
→Otto (1700–53),
k.k. GR,
kurböhm. Komitialgesandter, 1752
Vizepräs. d. Justizkollegs in Wien,
S d.
Joh. Wolfg. Gf. v. F. (seit 1700, 1654-1719),
k.k. WGR,
Landeshptm. d. Fürstentums Glogau, Vizekanzler f. d.
Kgr. Böhmen, u. d.
Helena Sophia Freiin
v. Hochberg;
M
Maria Franziska
Jos. (* 1702),
T d.
Joh. Jos. Gf. v. Kuenburg (1652–1726),
kaiserl., dann
salzburg. GR, u. d.
Maria
Jos. Gfn. v. Harrach (
T d.
österr. Staatsmin.
Ferd. Bonaventura
Gf. v. H., 1637-1706, s.
ADB X, u. d.
Theresia
Gfn. v. Lamberg);
Ur-Groß-Om
→Joh. Phil. Gf. v. Lamberg (1651–1712), Kardinal, Bischof
v. Passau (seit 1689, s.
Wurzbach XIV);
Groß-Om
→Franz Anton
Gf. v. Harrach (1665–1727),
EB v. Salzburg (seit 1709, s.
Wurzbach VII);
z. gleichen Linie gehörig
→Friedrich (1835–97),
preuß. Parlamentarier.
Leben
↑
In Breslau bei den Jesuiten und in Rom im Collegium Germanicum ausgebildet, 1750 Gehilfe der Görzer Diözese, 1754 Stiftsdekan in Prag, 1755 infulierter Dekan in Alt-Bunzlau, wurde Frankenberg von Schellendorf 1759 von Maria Theresia zum Erzbischof von Mecheln in den österreichischen Niederlanden nominiert und erhielt aus der Hand Josephs II. den 1778 von Pius VI. verliehenen Kardinalshut. 1786 hob Joseph II. die bischöflichen Seminare auf und errichtete in Löwen ein Generalseminar. Frankenberg von Schellendorf weigerte sich, seine Alumnen nach Löwen zu schicken, und ließ sich, nach Wien zitiert, nicht umstimmen. Er erhielt bei Strafe der Temporaliensperre den Befehl, sich in Löwen von der Rechtgläubigkeit des Unterrichts zu überzeugen. Sein Hirtenbrief, der Professoren und Lehrbücher als unorthodox verurteilte, wurde im Druck verbreitet. Der Kaiser verlangte von ihm als Haupt des Widerstandes den von Maria Theresia verliehenen Stephansorden zurück, bat ihn aber bald darauf durch Kaunitz um Vermittlung mit den Ständen. Die vereinigten Stände verkündeten am 26.12.1789 unter dem Vorsitz Frankenberg von Schellendorfs die Unabhängigkeit Belgiens. Als unter Leopold II. Belgien zur alten Ordnung zurückkehrte, stimmte Frankenberg von Schellendorf in Sainte-Gudule das Te Deum an. 1792 rückte Dumouriez ein. Die Kirchengüter wurden säkularisiert. Beim zweiten Einmarsch der Franzosen floh Frankenberg von Schellendorf nach Holland, kehrte aber noch 1795 zurück. Die ihm als Ersatz für die konfiszierten Kirchengüter zugesprochene
|Rente hat er nie bezogen. Als das Direktorium den Priestern vorschrieb, das Königtum zu verdammen, wollte er nur versprechen, an der Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich nicht mitzuwirken. 1797 ausgewiesen, verließ er als letzter Bischof Belgien und zog sich nach Emmerich zurück. Auf Wunsch des Direktoriums aus Preußen ausgewiesen, ging er nach Birken im Münsterlande und später nach Breda. Nach dem Konkordate Pius VII. mit Napoleon verzichtete er auf den erzbischöflichen Stuhl.
Literatur
↑
ADB VII;
A. Verhaegen, Le Cardinal de
F., Brügge 1890;
L. Deplace, Joseph II et la révolution brabançonne,
ebd. 1891;
H. Pirenne, Histoire de Belgique V, VI, Brüssel 1926;
L. Hoffmann, in:
Schles. Lb. IV, 1931, S. 191-96
(L);
Pastor;
Wurzbach IV;
PRE;
RGG. –
Zu Friedrich: ADB 48;
F. Thimme, in:
Schles. Lb. II, 1926, S. 332-38
(L).
Portraits
↑
Zeichnung
v. A. B. de Quartenmont, gest.
v. N. Dandelau 1787.
Autor
↑
Heinrich Benedikt
Empfohlene Zitierweise
↑
Benedikt, Heinrich, „Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand Joseph Johann Nepomuk Graf von, Freiherr von Schellendorf“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 349 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119353504.html
<<
Frankenberg, Franz
Frankenberg, Sylvius Friedrich Ludwig Freiherr von
>>
Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand von
Leben
|
Autor
|
Literatur
|
Zitierweise
Leben
↑
Frankenberg: Johann Heinrich Ferdinand v. F., Cardinal und Erzbischof von Mecheln, geboren am 18. September 1726 zu Glogau in Schlesien, studirte bei den Jesuiten, besuchte dann das Collegium germanicum in Rom, predigte hier vor Benediet XIV. und zeigte sich als pflichttreuen und frommen Geistlichen. Nach Deutschland zurückgekehrt wurde er Domherr in Breslau, dann Decan von Bunzlau in Schlesien. Im J. 1759 ernannte ihn Maria Theresia zum Erzbischof in Mecheln.
F. nahm die Pflichten seines Amtes höchst gewissenhaft wahr, weshalb er von Pius VI. am 1. Juli 1778 zum Cardinal ernannt wurde. Den Reformplänen Josephs II. setzte er ebenso wie der übrige belgische Clerus entschiedenen Widerstand entgegen, wurde deshalb 1787 nach Wien citirt, um sich zu rechtfertigen, durfte aber wieder in seine Diöcese zurückkehren, wo er seine Opposition namentlich gegen die auf dem Gebiet des
Universitätsunterrichts eingeführten Reformen fortsetzte. Die nach dem Tode Josephs zurückkehrende Ruhe dauerte aber nicht lange, denn Dumouriez rückte 1792 in Belgien ein, die Kirchengüter wurden säcularisirt und
F. mußte sich verbergen. Für kurze Zeit vertrieben kamen die Franzosen 1794 wieder, der Cardinal floh nach Holland, kehrte aber 1795 nach Mecheln zurück, wo man ihm als Ersatz für die confiscirten Güter eine Jahresrente von 6000 Francs zusicherte, die er jedoch niemals bezogen hat. Da er sich 1797 weigerte, den Eid gegen das Königthum abzulegen, wurde er nach Emmerich verbannt, wo er im Kloster der Tertiarissen wohnte. Die meisten Priester seiner Diöcese wurden nach Guiana abgeführt und das Directorium wußte es bei dem Könige von Preußen durchzusetzen, daß
F. aus Emmerich, wie überhaupt aus den preußischen Staaten ausgewiesen wurde. Er wandte sich deshalb nach Berken, das damals noch dem Erzbischof von Köln gehörte und von hier aus unterzeichnete er auf den Wunsch von Pius VII. die Urkunde, in welcher er auf seinen erzbischöflichen Stuhl verzichtete. Im folgenden Jahre begab er sich nach Breda in Holland. Der Cardinal Consalvi lud ihn im Namen des Papstes ein, nach Rom zu kommen,
F. ließ sich jedoch wegen seines hohen Alters entschuldigen und nahm den ihm vom Papst angebotenen Jahresgehalt von 3000 Gulden an, wovon er indessen nie mehr als eine Quartalsrate ausbezahlt erhielt. Er starb am 8. Juni 1804, während er die Messe las und hinterließ den Ruf eines ebenso frommen, wie eifrigen Prälaten, der mitten unter harten Verfolgungen eine seltene Standhaftigkeit an den Tag legte.
Literatur
↑
Synopsis Momumentorum, Gent 1822.
F. X. de Feller, Geschiedkundig Woordenboek, 10. Theil, S. 343 u. ff.
Autor
↑
Wenzelburger.
Empfohlene Zitierweise
↑
Wenzelburger, Theodor, „Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand von“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 270-271 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119353504.html?anchor=adb
Frankenberg, Johann Heinrich Graf von
Name: Frankenberg, Johann Heinrich Graf von
Namensvariante: Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand Joseph Johann Nepomuk Graf von
Namensvariante: Schellendorf, Johann Heinrich Freiherr von
Namensvariante: Schellendorff, Johann Heinrich Freiherr von
Namensvariante: Frankenberg Freiherr von Schellendorff, Johann Heinrich Graf von
Namensvariante: Frankenberg Freiherr von Schellendorf, Johann Heinrich Graf von
Namensvariante: Frankenberg, Johann Heinrich Ferdinand Graf von
Lebensdaten: 1726 bis 1804
Geburtsort: Glogau
Sterbeort: Breda
Beruf/Lebensstellung: Kardinal; Erzbischof von Mecheln
Konfession: katholisch
Autor NDB: Benedikt, HeinrichAutor ADB: Wenzelburger, TheodorGND: 119353504