<< Flügel, Gustav Leberecht
Flügge, Carl Georg Friedrich Wilhelm >>
Flügel, Otto
evangelischer Theologe und Philosoph,
* 16.6.1842 Lützen bei Leipzig,
† 9.7.1914 Dölau bei Halle/Saale.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joh. Nikolaus (1806–62), Lehrer u.
Bgm. in
L.;
M Sophie,
T d.
Joh. Ernst Hartung,
Bgm. u. Zimmermeister in
L.;
⚭ 1869 Marie,
T d. Dr.
Frdr. Heinr. Theod. Allihn (1811–85), Privatdozent, Pfarrer in Merzien
b. Köthen, u. d. Henriette Kärner;
Schwager Fritz Anders (
† 1910, Schriftsteller (s.
NDB I); 1
S , 2
T .
Leben ↑
Nach dem Besuch von Schulpforta (1855–61) studierte Flügel bis 1864 in Halle Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Den stärksten Einfluß übte C. S. Cornelius auf ihn aus, der als unmittelbarer Schüler J. F. Herbarts ihn zu dessen Philosophie und Psychologie führte. Nach kurzer Lehrtätigkeit am Progymnasium in Weißenfels war Flügel 1869-71 Diakon in Laucha. Mit großer Hingabe wirkte er dann als einfacher Landpfarrer, und zwar bis 1883 in Schochwitz und bis 1908 in Wansleben. Seitdem lebte er als freier Schriftsteller in Dölau. – Vom Standpunkte eines pluralistischen Realismus aus hat Flügel sich während eines halben Jahrhunderts in wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit den atheistischen, materialistischen und monistischen Strömungen seiner Zeit befunden. Seit 1872 gab er mit seinem Schwiegervater F. H. Th. Allihn die von diesem 1861 mit T. Ziller gegründete „Zeitschrift für exakte Philosophie“ heraus und setzte sie von 1894 an mit W. Rein und K. Just als „Zeitschrift für Philosophie und Pädagogik“ fort. Dank seiner Fähigkeit, auch schwierige philosophische Probleme und ihre Lösungen leicht faßlich darzustellen, war Flügel um die Jahrhundertwende einer der fruchtbarsten philosophischen Schriftsteller, der wegen seiner Breitenwirkung vor allem unter den Volksschullehrern der „schülerreichste Philosophielehrer“ seiner Zeit genannt worden ist. Im besonderen betätigte er sich als eigentümlicher Interpret der Philosophie und Psychologie Herbarts und als ihr scharfsinniger Apologet gegenüber ihren voluntaristischen Widersachern, die Herbarts Theorie vom Einfluß des Gedankenkreises auf den Willen zu einer Lehre von der Bestimmtheit des Willens durch bloß gedächtnishaftes Wissen veräußerlichten. Als „der beste Herbartkenner der Welt“ war Flügel auch in Verbindung mit Th. Fritzsch der berufene Fortsetzer der Kehrbachschen Herbartausgabe. Nachdem die Universitätsphilosophie ihn lange ignoriert hatte, fand sein Wirken 1912 Anerkennung durch die Universität Halle, die ihm den philosophischen Ehrendoktor verlieh.
Werke ↑
W u. a.
Der Materialismus vom Standpunkte d. atomist.-mechan. NaturF, 1865;
Die Probleme d.
Philos. u. ihre Lösungen, 1876,
41906;
Das Seelenleben d. Tiere, 1882,
31897;
Das Ich u. d. sittlichen Ideen im Leben d. Völker, 1885,
51912;
Die Sittenlehre Jesu, 1887,
41897;
Abriß d. Logik, 1894,
51914;
Herbarts Lehren u. Leben, 1907,
21912;
Monismus u.
Theol., 1908,
41914;
Der Voluntarismus u. d.
Päd., 1914.
Literatur ↑
K. Hemprich, O.
F.s Leben u.
Schrr., 1908
(P);
Th. Fritzsch, in:
Dt. Bll. f. erziehenden Unterricht, 1912, S. 381-84;
ders., in:
Zs. f. KinderF 17, 1912, S. 448-55
(P);
H. Zimmermann, in:
Allg. Dt. Lehrerztg., 1912, S. 281-83;
ders., in:
Päd. Warte, 1912, S. 664-67;
ders., in:
Päd. Stud., 1914, S. 428-30;
G.
v. Rhoden, in:
Dt.-Ev.
Mbll. f. d. gesamten
dt. Protestantismus, 1914, S. 536-41;
O. Ziller, in:
Zs. f.
Philos. u.
Päd., 1914, S. 465
ff.;
DBJ I (
Tl. 1914,
L). –
Zu Schwieger-V F. H. Th. Allihn: Ziegenfuß I
(W).
Autor ↑
Walter AsmusEmpfohlene Zitierweise ↑
Asmus, Walter, „Flügel, Otto“,
in: Neue Deutsche Biographie
5
(1961), S.
261
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116631503.html
Flügel, Otto
Name: Flügel, Otto
Lebensdaten: 1842 bis 1914
Geburtsort: Lützen bei Leipzig
Sterbeort: Dölau bei Halle/Saale
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Philosoph
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Asmus, WalterPND: 116631503