<< Adalbert
Adalbert Heinrich Wilhelm >>
Adalbert (heilig)
Bischof von Prag (seit 982),
* um 956,
† 23.4.997 Tenkitten, Samland (?).
Genealogie
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| Literatur
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Genealogie ↑
V Slavnik, ostböhmischer Slawenfürst;
M Adilburg (Střzislava), verwandt mit Heinrich I.
Leben ↑
Adalbert (Voytech) wurde 969-78 in Magdeburg unter Ohtrich ausgebildet und nahm den Namen seines Firmpaten, des Erzbischofs von Magdeburg an. In die Zeit seiner Rückkehr nach Prag, wo er in den Domklerus eintrat, fällt seine innere Wandlung zur Askese. 982 zum Bischof gewählt, wurde er am 22.2.983 in Mainz von Otto II. investiert und von Willigis geweiht. Wegen seiner asketischen Gesinnung, aber sonst weichen Art vermochte er sich gegenüber den halbheidnischen Böhmen nicht zu behaupten. 989 verzichtete er auf sein Bistum, ging nach Rom und Montecassino und trat auf Rat des heiligen Nilus in das griechische Kloster s. Bonifatius et Alexius ein, mußte aber 992 nach Prag zurückkehren, wo er das Kloster Brebnow gründete. 994 bis 995 verließ er erneut sein Amt und missionierte in Ungarn. 996 trat er in Rom wieder ins Kloster ein, wurde indessen noch im gleichen Jahr von der Krönungssynode zur Rückkehr aufgefordert. Er begleitete Otto III. nach Deutschland, dessen religiöses und po
|litisches Denken von der Frömmigkeit Adalberts und dem Gedanken einer Ostmission entscheidend beeinflußt wurde. Noch Weihnachten 996 taufte Adalbert Stephan von Ungarn und ging dann, da er nach dem Tode seiner Angehörigen nicht mehr nach Prag zurückzukehren wagte, zu Boleslaw Chrobry, unterwegs das Kloster Meseritz gründend. Boleslaw sandte ihn zu den Preußen; bevor er aber wegen seiner dortigen Mißerfolge sich den Liutizen zuwenden wollte, fand er den Märtyrertod. Einer seiner überlebenden Begleiter verfaßte auf Anregung Ottos III. das „Lobgedicht“ auf Adalbert; seinen Leichnam ließ Boleslaw Chrobry in Gnesen beisetzen.
Literatur ↑
ADB I
(unter Adelbert);
Potthast II, S. 1034–36;
H. G. Voigt,
A. v. P., 1898;
K. Uhlirz,
Jbb. d.
dt. Reiches unter Otto II. u. Otto III.,
Bd. I, 1902, S. 187 f.;
M. Uhlirz,
Jbb. d.
dt. Reiches unter Otto III., 1953;
dies., Der Fürstentag zu Mainz im
Febr.-März 983, in:
MIÖG 58, 1950, S. 267-84;
dies., Die älteste Lebensbeschreibung d.
hl. A., ebenda 59, 1951;
A. Zimmermann, Kalendarium Benedictinum 2, 1934, S. 95-100;
Wattenbach-Holtzmann I, 1, S. 46 ff.;
R. Holtzmann,
Gesch. d.
sächs. Kaiserzeit, 1941;
LThK;
MGG Suppl.Autor ↑
Franz-Josef SchmaleEmpfohlene Zitierweise ↑
Schmale, Franz-Josef, „Adalbert“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
45-46
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118646850.html
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Adelbert >>
Adelbert, Adalbert
Leben
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Leben ↑
Adelbert: Adalbert,
Bischof von Prag und Märtyrerapostel († 23.
April 997) oder wie sein eigentlicher slavischer Name
lautet, Wojtĕch, war einer der sieben Söhne des mächtigen,
güterreichen Slavnik, eines altböhmischen Geschlechtsfürsten, an
Besitzthum dem herzoglichen Hause der Přemysliden nahezu
ebenbürtig. Denn man schätzt (nach Cosmas' Angabe) das Fürstenthum
des Slavnik, mit dem Hauptsitze auf Burg Libice — an der Mündung
der Cidlina in die Elbe — auf einen Umfang, wonach die einzelnen
Besitzungen westlich von der Mies, südlich bis gegen Baiern,
östlich an die mährische Zwittawa (Switawa) und nördlich gegen
Glaz (Kladsko) hin sich erstreckend, an 20—23 Decanatsbezirke,
also viele kleinere Landesbezirke in sich begriffen oder
berührten. — Slavnik, der Vater Wojtĕchs oder Adalberts, war
überdies mit dem Hause der baierischen Arnulfinger und dadurch
auch mit den Ottonen verwandt, denn seine dem Namen nach
unbekannte Mutter gilt als Tochter Herzog Arnulfs († 937) und
Schwester Judiths, welche den Stiefbruder Otto's I., Heinrich,
Begründer der sächsisch-baierischen Herzogslinie, ehelichte.
Slavnik war somit ein Neffe dieses Herzogs Heinrich I. († 955) und
Großneffe König Heinrichs I. († 937); wenn somit der zweite, zeitgenössische
Biograph des heil.
A.
, Brun, Adalberts Vater den "nächsten Neffen König
Heinrichs" nennt (Heinrico regi accessit
proximus nepos), so darf dies in dem eben entwickelten Sinne
gedeutet werden. Die Mutter Adalberts, Střezislava, stammte aus
edelstem Slavengeschlechte und wird als eine bis zum Uebermaße
fromme Christin bezeichnet. Den in tödtliches Fieber verfallenen
Knaben weihen die bangenden Eltern dem geistlichen Stande. Den
Jugendunterricht leitet ein Geistlicher (Radla) und seine Strenge
gegen den lebhaften, weltlich gesinnten Junker findet an dem
Ernste und der Schärfe des Vaters einen Verbündeten. Höchstens 15
Jahre alt kommt
A.
, so als Knabe von Adalbert, Erzbischof von Magdeburg,
gefirmt, an die Domschule nach
|Magdeburg (972),
woselbst der Sachse den lebhaften Jüngling mit dem Trivium und Quadrivium
quälte und bei der Drillung im Latein und in harter Klosterzucht
an dem hochbegabten aber vielbeweglichen
A.
auch die Peitsche nicht schonte. Neun Jahre hindurch
also geschult, kehrte
A.
im J. 981, dies ist auch das Todesjahr des Vaters,
nach Böhmen heim, und hier übten die reuevollen Stoßseufzer des
sterbenden Bischofs von Prag, Thietmars des Sachsen, einen so
gewaltigen Eindruck auf den jungen Cleriker, daß nun die
ascetische Richtung seinen ganzen innern und äußern Menschen
durchdrang und umwandelte. In der Nacht des Sterbetages Thietmars
besuchte er, mit dem Cilicium umgürtet und das Haar mit Asche
bestreut, die Kirchen Prags. Zwei Wochen darauf wählte man ihn
(19. Febr. 982), unter dem Vorsitze Herzog Boleslavs II., zum Prager Bischofe Böhmens. 983 den 3.
Juni erhielt er zu Verona die kaiserliche Investitur und den 29.
Juni von dem Mainzer Willegis, dem Metropoliten für Böhmen, die
Weihe. Heimgekehrt nach Böhmen versuchte er den Kampf gegen die
tiefgewurzelten heidnischen Unsitten seines Volkes. Aber sein
wohlgemeinter Eifer, seine verschwenderische Freigebigkeit und
vielerprobte Nächstenliebe hatte für sein Volk einen so fremden,
mönchischen Beigeschmack, daß man ihn in hohen und niedern Kreisen
scheelen Auges zu betrachten anfing. Das verleidete dem
reformlustigen Bischofe das Wirken in der Heimath und der Gedanke
einer Wallfahrt nach Palästina ergriff seine Seele mit ganzer
Gewalt, oder vielmehr die Sehnsucht nach einem fromm beschaulichen
Mönchsleben. In Monte Cassino war seines Bleibens nicht; gern wäre
er ein Genosse des h. Nilus, eines Basilianers von großem Ansehen,
zu Valleluce im Capuanischen geworden, aber auch das stieß auf
Schwierigkeiten und so sehen wir ihn denn endlich in die
Siebenhügelstadt ziehen und hier nach längeren, vom Abte des
aventinischen Klosters Leo über ihn verhängten Prüfungen
(989—990), mit päpstlicher Zustimmung die Mönchsgelübde ablegen.
Aber nach fünf Jahren mußte er wieder das liebgewonnene
Klosterleben mit dem bischöflichen Amte in seinem Heimathlande
vertauschen, denn im Auftrage Herzog Boleslavs II. und mit Zustimmung des Volkes der Böhmen
begaben sich Adalberts Stiefbruder Radim (Radmilah, Radla), mit
seinem geistlichen Namen Gaudentius, und Christian (Strachkwas),
der Bruder des Herzogs, Mönch eines Regensburger Klosters, nach
Italien, ausgerüstet mit Schreiben des Mainzer Erzbischofs an den
Papst, um gegen die Zusage, namentlich in Bezug der Ehen werde
sich Böhmen den Anschauungen und Vorschriften Adalberts fügen, ihn
zur Rückkehr und Wiederausübung des bischöflichen Amtes zu
bewegen. Ein päpstlicher Synodalspruch erklärte,
A.
sei unter solchen Umständen verpflichtet, das
geistliche Hirtenamt wieder zu übernehmen, und so mußte denn der
Sohn Slavniks den Weg über die Alpen zögernd und mit halber
Zuversicht einschlagen. Nach Böhmen heimgekehrt und anfänglich mit
vieler Ehrfurcht behandelt, sah er sich bald über die Erfolge
seines bischöflichen Wirkens bitter enttäuscht und einzelne
geistliche Amtshandlungen Adalberts, z. B. die Bannung eines der
vornehmsten Böhmen (?) oder die Beschützung einer vornehmen
Ehebrecherin, die er schließlich vor der Wuth der Verfolger
dennoch nicht erretten konnte, führten den Bruch zwischen dem
Bischofe und seinen Landsleuten herbei. Verzweifelnd an jedem
Erfolge seines Wirkens suchte er einige Zeit hindurch Ersatz in
christlichen Missionsversuchen bei den Ungarn. Doch ist es mehr
als unwahrscheinlich, daß er Geisa, den letzten Arpadenherzog,
oder dessen Sohn Wajk (Stephan) getauft habe. Jedenfalls hatte
sein apostolisches Wirken im Karpathenreiche wenig nennenswerthe
Erfolge, wie selbst sein Biograph Brun bezeugt. Im J. 995 (von
anderer Seite wird 996 geltend gemacht) verließ
A.
zum zweiten Male sein Heimathland und eilte dem
aventinischen Kloster zu, das er ohnehin
|mit schwerem
Herzen verlassen. Es war das Jahr, in welchem Herzog Boleslav II. seinem Mißtrauen und Grolle gegen das
mächtige, landesverrätherischer Verbindung mit dem Polenfürsten
von den Gegnern (Wrsowcen?) beschuldigte Haus der Slavnik Luft
machte. Den 27. Sept. 995 (996) wurde die Burg Libice von den
Herzoglichen überfallen und Alles grausam und treulos
niedergemacht. So fanden die vier Brüder Adalberts: Spitimir,
Dobroslav, Porej und Caslav, ein blutiges Ende; Soběbor, der
älteste, war außerhalb des Landes; Radim, Adalberts Stiefbruder,
auch Radla genannt, entkam glücklich dem allgemeinen
Verderben.
Zur Zeit der Kaiserkrönung Otto's III.
(21. Mai 996) durch den deutschen Papst Gregor V. sah sich
A.
durch die dringenden Vorstellungen des Mainzer
Erzbischofs Willegis und den scharfen Ausspruch der bischöflichen
Synode genöthigt, noch einmal die Ruhe des Klosters mit dem
bischöflichen Amte zu vertauschen. Doch erlangte er, von Visionen
apostolischen Märtyrerthums erfüllt, die Erlaubniß, daß — im Falle
seine Landsleute die frühere Widerspenstigkeit an den Tag legten —
er berechtigt sei, andern Völkern das Christenthum zu predigen.
Das grause Schicksal seiner Familie mußte ihm die Heimath doppelt
verleiden. In der Umgebung des Kaisers trat er die Rückreise aus
Italien an und seine Biographen erzählen, daß er oft die Geschäfte
eines Dieners niedersten Ranges auf sich nahm, um sich in der
Tugend der Demuth zu üben. Auch eine Wallfahrt zu den geheiligten
Stätten Frankreichs, nach St. Denys und Tours, Fleury an der
untern Loire und St. Maur bei Angers, soll er unternommen haben.
Dann aber reiste er nach Polen, um von hier aus bei den Böhmen
anfragen zu lassen, ob sie ihn aufnehmen wollten. Die schneidige
und schmähende Ablehnung war so, wie dies
A.
vorausgesetzt hatte, und nun war er seiner
Verpflichtung entbunden. Er weilte eine Zeit lang bei dem
Polenherzoge, soll, was jedoch sehr unwahrscheinlich ist,
Missionen nach Ungarn und ins Chorwatenland, das spätere
Kleinpolen, unternommen haben. Dann aber entschloß er sich, in
Begleitung seines Bruders Radim (Gaudentius) und des Diacons
Bugussa (Benedict) ins heidnische Preußenland zu reisen. Zunächst
ging die Fahrt nach Gdansk (Danzig), woselbst heidnische Landleute
der Nachbarschaft für das Christenthum gewonnen wurden. Aber von
hier aus begann erst die gefährliche Mission, auf der er — die
Landschaft und der Ort ist noch nicht unbestreitbar erwiesen (man
denkt an das Samland; auch an die Gegend von Kulm, an Truso am
Ilfing, an Kolteney an der obern Sorge bei Christburg) — den 23.
April 997 den Märtyrertod starb. Sein Leichnam wurde von dem
polnischen Herzoge Boleslav den Heiden um eine hohe Geldsumme
abgekauft und in Gnesen beigesetzt.
Literatur ↑
Vita S. Adalberti auctore Canapario
(Mönch und Genosse Adalberts im aventinischen Kloster, dann Abt
daselbst. Monum. Germ. SS. IV. 581). — Vita S.
Adalberti auctore s. Brunone (ebenda S. 596. Brun aus dem
Hause der Grafen von Querfurt, Mönch des aventinischen Klosters,
dann Missionär und Erzbischof). — Passio s.
Adalperti, herausg. v. W. Giesebrecht in den Scrr. rer. Pruss. I. — Alle drei sammt den Versus martyrii S. Adalperti episcopi et
martyris mit böhmischer Uebersetzung in den Fontes rerum Bohemic. I. Vitae sanctorum fasc. 3.
1872. S. 231. — S. Adalbert, Bischof von Prag, der erste
christliche Apostel und Märtyrer bei den Preußen; v. Dr. Karl Lohmeyer in Königsberg, in der
Zeitschr. f. preuß. Gesch. u. Landeskunde.
Autor ↑
Krones.
Empfohlene Zitierweise ↑
Krones, Franz von, „Adelbert, Adalbert“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
67-69 unter Adelbert
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118646850.html?anchor=adb