<< Aumann, Franz S.
Aurifaber >>
Aurbacher, Ludwig
Pädagoge und Volksschriftsteller,
* 26.8.1784 Türkheim (Bayerisch Schwaben),
† 25.5.1847 München.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Josef Aurbacher (1747–1805), Nagelschmied in Tussenhausen;
M Theresia Hinlich (1751–1807); unverheiratet.
Leben ↑
Aurbacher kam 1793 als Chorknabe ins Augustinerstift Dießen/Ammersee, 1796 in das Studienseminar in München, trat 1801 als Novize ins Benediktinerkloster Ottobeuren, übersiedelte nach dessen letzter Auflösung 1803 nach Wiblingen (Württemberg). Berufszweifel und Krankheit veranlaßten seinen Austritt. 1804-08 war er Hauslehrer beim Kanzler von Weckbecker zu Ottobeuren und 1809-34 Professor für Deutsch und Ästhetik am Kadettencorps in München, wo er freundschaftlich mit J. Görres, I. A. Schmeller und J. Schlotthauer verkehrte. Er verfaßte zunächst pädagogische Schriften; ferner leitete er die „Blätter für Erziehung und Unterricht" und die „Schulblätter“ (1829-32). Wesensverwandt mit J. Scheffler gab er „Des Angelus Silesius heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder der in ihrem Jesum verliebten Psyche“ neu heraus (1826) und fügte eigene religiöse Aphorismen (Perlenschnüre, 1823) bei, die noch W. Menzel dem Schlesier zuschrieb. Aber weltbekannt wurde Aurbacher erst durch sein Volksbüchlein (1. Teil 1827 und 1829, 2. Teil 1839), in dem er mittelalterliches Kulturgut (Legenden, Historien und Schwänke) in volkstümlichen gemütvollen Erzählungen erneuerte (Abenteuer der sieben Schwaben, Spiegelschwaben, Geschichte des ewigen Juden
u. a.). Aus dem Nachlaß veröffentlichten die „Fliegenden Blätter“ (1848) die köstliche „Historia von den Lalenbürgern“.
Werke ↑
Weitere W System d.
dt. Orthogr. mit
bes. Hinsicht auf d. Adelungsche Wörterbuch, 1813;
Lehrb. d.
dt. Styles, 1817/18; Grundlinien d. Rhetorik, 1820; Grundlinien d. Poetik, 1821; Dramat. Versuche, 1826; Ein Büchlein f. d. Jugend, 1834; Pädagog. Phantasie, 1838; Aus d. Leben u. d.
Schrr. d.
Mag. Herle u. seines Freundes Mäule, 1842;
Ges. größere Erzählungen aus d. Nachlaß,
hrsg. v. J. Sarreiter 1881,
21890; Historia
v. d. Lalenbürgern,
hrsg. v. dems., 1897
(P); Kleine Erzählungen u. Schwänke,
hrsg. v. dems., 1903;
A.s Leben
v. ihm selbst beschrieben, nebst Briefen,
hrsg. W. Kosch, 1913;
Schwäb. Idiotikon
(ungedr.).
Literatur ↑
ADB I;
J. Sarreiter, L.
A., 1880;
R. Radlkofer, Sieben Schwaben, 1895;
Goedeke XII, 1929
(W, L);
Frels, 1934;
Kosch, Lit.-Lex. I
(W, L);
LThK.
Portraits ↑
Holzschnitt in:
LIZ 83, 1884, S. 209.
Autor ↑
Eduard StemplingerEmpfohlene Zitierweise ↑
Stemplinger, Eduard, „Aurbacher, Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
456
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11922349X.html
<< Aurbach, Johann von
Aurelius, Cornelius >>
Aurbacher, Ludwig
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Aurbacher: Ludwig
A.
, der Verfasser des "Volksbüchleins", geb. 26. Aug. 1784 zu Türkheim in der Grafschaft Schwabeck als der Sohn
eines ganz unbemittelten Handwerkers, † 25. Mai 1847. Frühzeitig erwachte in ihm
die Absicht, sich dem geistlichen Stande zu widmen. 1801 trat er
in das weitberühmte Kloster zu Ottobeuren, und nach dessen gleich
darauf erfolgter Aufhebung in das vorderösterreichische Stift
Wiblingen als Novize ein. Die übermäßigen Anstrengungen aber,
denen er sich in diesem Kloster zu unterziehen hatte, brachen
seine Gesundheit leider für immer. Zudem bemächtigten sich seiner
religiöse Zweifel, deren Lösung erst in viel späteren Zeiten bei
ihm erfolgte, die ihm aber zunächst eine wahre Höllenpein
verursachten. So schied er denn von Wiblingen aus und trat um 1804
bei einer sehr gebildeten Familie zu Ottobeuren als Hofmeister
ein, in welcher Stellung er noch Muße genug fand, sich von der
deutschen und französischen Litteratur eine eingehende Kenntniß zu
verschaffen.
|Zu Ostern 1809 erhielt er hierauf eine
Anstellung als Professor der Rhetorik und Poetik am kgl.
Cadetten-Corps zu München, welches Amt ihn zur Herausgabe
verschiedener, auch jetzt noch schätzbarer Schriften, wie
namentlich der "Andeutungen zu einem neuen und einfachen Entwurf
der Psychologie" und einer Abhandlung "Ueber die Methode des
rhetorischen Unterrichtes", beide zunächst für Lehrer bestimmt,
dann eines "Lehrbuchs des deutschen Stils" in 2 Theilen, der
"Grundlinien der Rhetorik" — der "Poetik" — der "Rhythmik", auch
einer Theorie des militärischen Geschäftsstils veranlaßte. In
diese litterarische Thätigkeit gehören auch, nächst der Redaction
der "Schulblätter" in den Jahren 1829 bis 1832, seine
"Philologischen Belustigungen", sein "System der deutschen
Orthographie", sein kleines "Wörterbuch der deutschen Sprache",
seine "Vorschule zur Geschichte und Kenntniß der deutschen
Litteratur", und weiterhin das anonym erschienene "Handbuch zur
intellectuellen und moralischen Bildung für angehende Officiere",
sowie die sehr gehaltreichen "Pädagogischen Phantasien". Wenn
schon in allen diesen Arbeiten Aurbacher's ernstes Bemühen um
Förderung echter Humanität in der erfreulichsten Weise sich kund
gibt, so hat er seinen tief religiösen Sinn auch durch eine
"Anthologie deutscher katholischer Gesänge aus älterer Zeit" und
durch eine neue Ausgabe von Angelus Silesius' "Geistlichen
Hirtenliedern" und dessen "Cherubinischem Wandersmann" bethätigt.
Ja es gelang ihm sogar, in seinen "Perlenschnüren"
religiös-philosophischer Sprüche dem Tone des Angelus Silesius
selbst bedeutend sich anzunähern. Seine "Dramatischen Versuche",
seine Novellen und lyrischen Gedichte kann man nicht zu seinem
Besten rechnen; gelungener ist sein dem J. 1834 angehörendes
"Büchlein für die Jugend"; einen wahren Schatz echter Volkspoesie
besitzen wir dagegen in seinem 1826 in erster, 1835 in zweiter
Auflage erschienenen "Volksbüchlein". Es einigten sich eben in
seinem Wesen die beiden Haupteigenschaften des
Volksschriftstellers: Ernst und muntere Laune, in vorzüglichem
Maße, und wenn er gleich die Bahn des Gelehrten eingeschlagen
hatte, so bewahrte sich ihm doch, bei der Schlichtheit und Einfalt
seines Gemüthes, der Sinn und die Liebe für das Volksleben, aus
welchem er selbst hervorgegangen war, in vollster Kraft bis in
seine späteren Lebenstage. So konnte denn sein "Volksbüchlein",
wodurch es sich wesentlich von ähnlichen Leistungen Anderer
unterscheidet, nicht blos ein Buch
für das
Volk, sondern ganz eigentlich ein Buch des Volkes, ein dessen
Leben selbst entstammendes Buch werden. Während die "Abenteuer der
sieben Schwaben" und die "Wanderungen des Spiegelschwaben", welche
beide
A.
scherzweise als die schwäbische Ilias und Odyssee
bezeichnete und die von ihm merkwürdiger Weise in einer Periode
der äußersten Melancholie verfaßt worden, von dem köstlichsten
Humor ganz und gar erfüllt sind, so legt sich im "Doctor Faustus",
besonders aber in der "Geschichte des ewigen Juden", bei aller
Popularität der Darstellung, ein echtphilosophischer Tiefsinn zu
Tage. Von nicht minderer Vortrefflichkeit sind die beigefügten
"Ergötzlichen und erbaulichen Erzählungen". Unter den Papieren
Aurbacher's, der im J. 1834 wegen zunehmender Kränklichkeit von
seiner Professur zurücktrat, hat sich noch eine kleine
volksthümliche Dichtung "Die Lalenbürger" vorgefunden, welche bald
nach seinem Dahinscheiden im V. Bande der
Münchener "Fliegenden Blätter" Dr.
Friedrich Beck veröffentlicht hat. Es enthielt aber sein
litterarischer Nachlaß ferner noch sehr reiche Vorarbeiten zu
einem "Schwäbischen Idiotikon", welche von den Erben dem Prof.
Adelb. v. Keller in Tübingen überlassen wurden. Eine
Autobiographie Aurbacher's bis zum Antritt seines Lehramts am kgl.
Cadetten-Corps bewahrt die kgl. Hof- und Staatsbibliothek in
München.
Autor ↑
Hamberger.
Empfohlene Zitierweise ↑
Hamberger, Julius, „Aurbacher, Ludwig“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
688-689
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11922349X.html?anchor=adb
Aurbacher, Ludwig
Name: Aurbacher, Ludwig
Lebensdaten: 1784 bis 1847
Geburtsort: Türkheim (Bayerisch Schwaben)
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Volksschriftsteller; Pädagoge; Psychologe; Philologe
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Stemplinger, EduardAutor ADB:
Hamberger, JuliusPND: 11922349X