<< Auguste Viktoria Luise Feodora Jenny
Augustin von Hamerstetten >>
Augusti, Johann Christian Wilhelm
evangelischer Theologe und Orientalist,
* 27.10.1772 Eschenberge (Sachsen-Gotha),
† 28.4.1841 Koblenz.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ernst Friedrich Anton Augusti, Superintendent in Ichtershausen;
M Christine Marie,
T des Pfarrers J. H. W. Werner;
Gvv Friedrich Albrecht Augusti (1691–1782), zunächst Rabbiner, trat er 1722 zum Christentum über und wurde evangelischer Theologe;
Gmv Margarethe Sophie Schaper;
⚭ 1804 Ernestine Elisabeth Charlotte,
T des Superintendenten Wunder, Dornburg.
Leben ↑
Augusti studierte 1790 in Jena und habilitierte sich dort 1798 für orientalische Sprachen in der philosophische Fakultät. Seit 1800 außerordentlicher, seit 1803 ordentlicher Professor und 1808
D. theol. der Universität Rinteln, war er 1812-19 Professor der Theologie in Breslau und 1813/14 Rektor. 1819 wurde er nach Bonn berufen, wo er 1819/20 und 1823/24 Rektor war. 1828 wurde er Oberkonsistorialrat in Koblenz unter Beibehaltung seiner Professur, 1835 Konsistorialdirektor. - Seine Bedeutung liegt hauptsächlich auf dem Gebiet der christlichen Altertumswissenschaft. Zusammen mit Martin Leberecht De Wette arbeitete er an der 1809-14 in Heidelberg erschienenen Bibelübersetzung. Er verband eine konservative Haltung zum kirchlichen Dogma mit einer kritischen Stellung zur Bibel.
Werke ↑
u. a. Exeget.
Hdb. d.
AT, 1797-1800 (mit J. G. C. Hoepfner); Grundriß einer
hist.-krit.
Einl. in d.
AT, 1806; Denkwürdigkeiten aus d.
christl. Archäol., 12
Bde., 1817–31;
Lehrb. d.
christl. Altertümer, 1819;
Hdb. d.
christl. Archäol., 3
Bde., 1836/37;
Btr. z. christl. Kunstgesch. u. Liturgik,
Bd. 1, 1841,
Bd. 2, 1846 (
hrsg. v. C.
A. Nitzsch).
Literatur ↑
ADB I;
Goedeke VII, 1906, S. 773;
F. Haase, Die Breslauer
theol. Fak., 1911;
O. Ritschl, Die
ev.-
theol. Fak. z. Bonn in d. ersten
Jh. ihrer
Gesch. 1819-1919, 1919;
PRE;
RGG;
LThK;
Enc. Catt. II, 1949.
Portraits ↑
Phot. nach
Lithogr., in: Die Rhein. Friedr.-
Wilh.-
Univ., ihre Rektoren u. berühmten
Prof., 1943, nach S. 48.
Autor ↑
Heinz-Horst SchreyEmpfohlene Zitierweise ↑
Schrey, Heinz-Horst, „Augusti, Johann Christian Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
453
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116381086.html
<< Augusti, Friedrich Albrecht
Augustynke van Dordt >>
Augusti, Johann Christian Wilhelm
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Augusti: Joh. Christian
Wilh.
A.
, einer der gelehrtesten evangelischen Theologen
des 19. Jahrh., welcher sich wenigstens auf dem Gebiete der
kirchlichen Archäologie bleibende Verdienste erworben hat, geb.
27. Oct. 1771 in Eschenberga im Gothaischen, wo sein
Vater, Ernst Friedrich Anton
A.
, Pfarrer war, † 28. April
1841 als Professor der Theologie in Bonn und Director des
rheinpreußischen Consistoriums. Auf dem Gymnasium in Gotha u.
A.
durch den Unterricht Kaltwasser's, Manso's und
Doering's zu den Universitätsstudien vorbereitet, ging er 1790
nach Jena. Die dort durch den Kantianer Reinhold und sodann durch
Fichte in Schwung gebrachte philosophische Richtung scheint nicht
auf ihn eingewirkt zu haben. Von den in Thüringen heimisch
gewordenen Koryphäen der deutschen Poesie und Litteratur aber ist
er wenigstens mit zweien, nämlich mit Friedrich Schlegel, den er
als gewandter öffentlicher Disputator auf dem Katheder besiegte,
und mit Herder in persönliche Berührung gekommen. Mit letzterem
theilte er das Interesse für den Orient, welches ihm selbst als
dem Enkel eines (1722 freilich zum Christenthum übergetretenen)
jüdischen Rabbiners Namens Herschel, (
cf.
Friedr. Alb. Augusti) gleichsam angeboren war und sich bei ihm
hauptsächlich darin beurkundete, daß er, 1798 als Privatdocent in
der Jenaer philosophischen Facultät habilitirt, zunächst über
orientalische Sprachen Vorlesungen hielt. Im J. 1800 wurde er zum
außerordentlichen Professor der Philosophie, 1803 zum ordentlichen
Professor der orientalischen Sprachen ernannt. Früchte der
betreffenden Studien waren seine "Uebersetzung und Erläuterung
einzelner Stücke des Koran" (1798), sein in Verbindung mit
Hoepfner herausgegebenes "Exegetisches Handbuch des
A.
T." (1797—1800), sein "Grundriß einer
historisch-kritischen Einleitung ins A. T." (1806, 2. Aufl. 1827), seine "Ausgabe der
Apokryphen des A. T." (1804), endlich sein Antheil an der 1809—14 in
Heidelberg erschienenen neuen Bibelübersetzung. An letzterer
arbeitete er in Gemeinschaft mit de Wette, hinter dessen
Vielseitigkeit und Vielgeschäftigkeit die seinige nicht
zurückblieb. Allein die Richtung beider Theologen war eine
durchaus verschiedene. Die tiefsinnigen, auf eine durchgreifende
Reform des herkömmlichen Glaubenssystems hindrängenden religiösen
Ideen, von denen de Wette kaum minder als Fries und Schleiermacher
durchdrungen war, lagen
A.
fern. Dieß zeigt sich in seinen dogmatischen Schriften
(besonders in seinem "System der chr. Dogmatik nach dem
Lehrbegriff der evangelischen Kirche", 1809,
|2. Aufl.
1825), die einen Supranaturalisten verrathen, welcher zwar als
Exeget für die von der Zeittheologie geforderte und auch von ihm
selbst geübte Kritik freien Spielraum verlangt, als Dogmatiker
aber keine Neuerungen dulden will. Aus Furcht vor modernem
Subjectivismus und aus archaistischer Ehrfurcht vor den einmal zu
Recht bestehenden Normen und Formen will er sich und Anderen
lieber Zwang anthun, als dem noch lebendigen Geiste zutrauen, daß
er neue, bessere dogmatische Formen finden könne. Sein
archaistischer Sinn, sowie seine Neigung, gefallene geschichtliche
Autoritäten wiederaufrichten zu helfen und einen Halt in ihnen zu
suchen, offenbart sich auch in andern seiner Werke, die mit seiner
Dogmatik in Beziehung standen, namentlich in seiner
"Dogmengeschichte" (1808, 4. Aufl. 1835), seiner Ausgabe der "Loci" Melanchthon's (1821), seinem "Corpus librorum symbolicorum, qui in ecclesia
reformatorum auctoritatem publicam obtinuerunt" (1827, 2.
Ausg. 1846) und in seiner "Historischen Einleitung in die beiden
Hauptkatechismen der evangelischen Kirche" (1834). Auf keinem
Gebiet verrieth sich aber seine in dem bezeichnetem Sinne
conservative Geistesrichtung deutlicher, als auf dem der
praktischen kirchlichen Fragen. Diese traten namentlich in Bonn an
ihn heran, wohin er 1819 als Professor der Theologie berufen
wurde, nachdem er, 1808 von der Universität Rinteln zum Dr. theol. promovirt, 1812—19 in der gleichen
Eigenschaft in Breslau gewirkt hatte. In Bonn vertheidigte er
nicht nur während des Agendenstreites in seiner "Kritik der neuen
preußischen Kirchenagende" (1824), in seiner "Näheren Erklärung
über das Majestätsrecht" (1825) und in seinem "Nachtrag" zu dieser
(1826) vom Standpunkt des Territorialismus aus das unbedingte
liturgische Gesetzgebungsrecht der Fürsten, sondern auch in seinen
"Bemerkungen über die neue Organisation der evangelischen Kirche
des Großherzogthums Hessen" (1833) gegenüber dem immer lebhafter
sich aufdrängenden Bedürfniß nach Sicherstellung, beziehungsweise
Einführung der Presbyterial- und Synodalverfassung die nackte
Consistorialverfassung. Seine eigentliche Stärke war historischer
Sammelfleiß, und dieser befähigte ihn in Verbindung mit dem
archaistischen Zuge seines Geistes zu wirklich bedeutenden
Leistungen im Bereich der kirchlichen Archäologie. Die
einschlägigen Hauptwerke sind seine "Denkwürdigkeiten aus der
christlichen Archäologie", 1817—31, 12 Bde.; sein "Lehrbuch der
christl. Alterthümer, 1819; sein "Handbuch der christlichen
Archäologie", 1837, 3 Bde., und seine "Beiträge zur christlichen
Kunstgeschichte und Liturgik", 1841, 2 Bdchn.
Ein Verzeichniß seiner hauptsächlichsten anderweitigen
Schriften, welche u.
A.
die Kirchengeschichte, die Werke der Kirchenväter und
die kirchliche Statistik betreffen, gibt Hagenbach im XIX. Band der Herzog'schen Real-Encyklopädie.
Als Schriftsteller läßt
A.
Abrundung und Gedrungenheit, überhaupt technische
Sorgfalt vermissen; hingegen fehlt es ihm — abgesehen von der
Fülle des Stoffs — weder an Kritik noch an Lebendigkeit der
Darstellung. Im Privatleben zeigte er sich als einen gewandten,
witzigen Mann von Welt.
Autor ↑
F. A. Nitzsch.
Empfohlene Zitierweise ↑
Nitzsch, Friedrich, „Augusti, Johann Christian Wilhelm“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
685-686
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116381086.html?anchor=adb
Augusti, Johann Christian Wilhelm
Name: Augusti, Johann Christian Wilhelm
Lebensdaten: 1772 bis 1841
Geburtsort: Eschenberge (Sachsen-Gotha)
Sterbeort: Koblenz
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Orientalist
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Schrey, Heinz-HorstAutor ADB:
Nitzsch, FriedrichPND: 116381086