<< Fehrenbach, Konstantin
Feichtmayr. >>
Fehrs, Johann Hinrich
niederdeutscher Dichter,
* 10.4.1838 Mühlenbarbeck bei Kellinghusen (Holstein),
† 17.8.1916 Itzehoe. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Drews (1792–1872), Tagelöhner, später
auto-didakt. Tierarzt, aus
holst. Bauernfam.;
M Anna Schröder;
⚭ 1865 Maria Amalia (1834–99),
T d. Pastors
Joh. Chrstn. Rehquate; 6
S , 2
T .
Leben ↑
In dörflicher Umwelt aufgewachsen, übernimmt Fehrs nach mehrjähriger Ausbildung an Seminaren und erfolgreicher Tätigkeit an Volksschulen Schleswig-Holsteins 1865 die Leitung einer von seiner Frau gegründeten Privat-Mädchenschule in Itzehoe. Nach Übergabe des Instituts an die Stadt widmet sich der 65jährige, befreit von beruflichen und finanziellen Sorgen, ausschließlich seinem literarischen Werk. Nachdem Fehrs vom 3. Lebensjahrzehnt an Versepen und Gedichte in hochdeutscher Sprache geschrieben hatte, die wohl zum Teil in den Motiven erlebnisecht, aber konventionell in der Form waren, greift er mit der Novelle „Lüttj Hinnerk“ (1877) zum Niederdeutschen, das er alsdann im epischen und lyrischen Schaffen beibehält. Im Sinne Stifters auf „große“ Stoffe bewußt verzichtend, gestaltet er unter meisterhafter Verwendung der Bild- und Klangfülle des Plattdeutschen in sprachlich wie erzählungstechnisch äußerst geschliffener Form bei poetischer Freiheit die kleine Welt seines Heimatdorfes. Die Idee von der Kraft des Seelischen und der inneren Läuterung des Menschen durchdringt das Gesamtwerk und zwingt den Dichter, bei der Gestaltung die psychologische Entwicklung höher zu achten als äußeres Geschehen. So tritt Fehrs mit seinem epischen Schaffen den hochdeutschen Meistern des poetischen Realismus ebenbürtig zur Seite. Den Gipfel seiner Dichtung erkannten bereits Fehrs' Zeitgenossen mit vollem Recht in seinem Roman „Maren“ (1907, zuletzt 1954), der ihn zum Schöpfer des niederdeutschen Dorfromans und neben Groth, Reuter und Brinckmann zum „vierten Klassiker“ niederdeutscher Literatur werden ließ. Zur Pflege und Verbreitung des Fehrsschen Werkes, dessen künstlerischer Wert aufgrund des Idioms sowie infolge von Fehlbeurteilungen noch nicht allgemein bekannt ist, wurde 1916 in Itzehoe die „Fehrs-Gilde“ gegründet, die besonders tatkräftig seit 1949 durch ihren Verlag das Werk des Dichters und wertvolles niederdeutsches Schrifttum unserer Zeit veröffentlicht.
Werke ↑
Ges. Dichtungen, 4
Bde., 1913
(P);
Ges. Dichtungen, 6
Bde., 1923;
Ausgew. Werke, 3
Bde., 1954/58;
Anna Moesch un ik, Vertelln ut de Kinnertied, 1921;
Briefe an
Heinr. Hansen,
hrsg. v. d.
F.-Gilde, 1929
(P).
Literatur ↑
Ch. Boeck, J. H.
F., 1908;
ders., Der Roman „Maren“, in: Von Groth zu
F., Wege
z. nd.
dt. Kultur, 1922, S. 91
ff.;
ders.,
F.s Novelle „Ehler Schoof“, in: Niedersachsen 35, 1930, S. 250
ff.;
ders., Der
lit. Nachlaß
v. J. H.
F., in:
Bll. d.
F.-Gilde 19,
Nr. 45, 1948, S. 1
ff.;
J. Bödewadt, J. H.
F., Sein Werk u. s. Wert, 1914,
21922;
W. Stammler, in:
Gesch. d. nd.
dt. Lit., 1920, S. 101
ff.;
W. Jensen, J. H.
F.s Erz.technik im Roman „Maren“ u. d. größeren Novellen,
Diss. Hamburg 1923
(ungedr.);
R. Zettler, J. H.
F.s dichter. Entwicklung,
Diss. Rostock 1923
(ungedr.);
H. Meyer-Benfey, „Maren“, in:
Nd.dt. Stud., Festschr. C. Borchling, 1932, S. 126
ff.;
H. Teske, J. H.
F. als Novellist,
ebd., S. 138
ff.;
G. Hoffmann,
F.-
Bibliogr., 1949
(ungedr.);
ders., Gott u. Natur bei J. H.
F.,
Diss. Hamburg 1952
(ungedr.);
ders., Die Weltanschauung bei J. H.
F., 1957;
U. Pretzel, J. H.
F.s „Maren“ als tragischer Schicksalsroman, 1954;
L. Foerste,
F.s künstler. Leistung, 1957;
H. Teuchert, in: Reallex. d.
dt. Lit.gesch.,
hrsg. v. P. Merker u. W. Stammler, II, 1926/28, S. 508
(im Art. Nd.dt. Lit.);
F. Fromme, in:
DBJ I, S. 202-04
(L);
Kosch, Lit.-Lex.;
G. Hoffmann, Studie
z. F.s dramat. Fragment „Persepter“, in: Festschr. f. Ch. Boeck, 1960, S. 128
ff.Portraits ↑
in
Schleswig-Holstein. Landesbibl. Kiel.
Autor ↑
Gustav HoffmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Hoffmann, Gustav, „Fehrs, Johann Hinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
5
(1961), S.
52
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118532235.html
Fehrs, Johann Hinrich
Name: Fehrs, Johann Hinrich
Lebensdaten: 1838 bis 1916
Geburtsort: Mühlenbarbeck bei Kellinghusen (Holstein)
Sterbeort: Itzehoe
Beruf/Lebensstellung: niederdeutscher Dichter
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Hoffmann, GustavPND: 118532235