<< Auer, Hans Wilhelm
Auer, Ludwig Kasimir von >>
Auer, Ludwig (genannt Onkel Ludwig)
katholischer Volkspädagoge und -schriftsteller,
* 11.4.1839 Laaber (Oberpfalz),
† 28.12.1914 Donauwörth.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Emeran Joseph Auer (1794–1858), Volksschullehrer;
M Anna Maria Enderer (1795–1877);
⚭ 1) Wilhelmine Haselbeck, geborene Falkner (1840–68), 2) 1868 Maria Dorothea Heß (1841–75), 3) 1876 Philomena Zöschinger (1842–1921);
S Ludwig Auer (1869–1945), Direktor des Cassianeums;
E Ludwig Auer (
* 1899), Generaldirektor des Cassianeums, Max Auer (
* 1903), Direktor des Cassianeums.
Leben ↑
Seit 1857 war Auer Lehrer an verschiedenen bayerischen Volksschulen. 1867 gründete er den „Katholischen Erziehungsverein in Bayern", dem er sich nach seinem freiwilligen Ausscheiden aus dem Schuldienst 1869-72 als Vorstand und als Schriftleiter der „Katholischen Schulzeitung" widmete. Dann gründete und leitete er das „Pädagogium" (ab 1873 „Cassianeum“) in Regensburg, das 1875 in das ehemalige Benediktinerkloster Heilig-Kreuz in Donauwörth verlegt und 1910 in die „Pädagogische Stiftung Cassianeum zur Förderung der Pädagogik im Geist der Katholischen Kirche“ umgewandelt wurde.
Auer, den die Cassianeums- und dessen weite Lesergemeinde vertraulich „Onkel Ludwig“ nannte, setzte O. Willmanns Theorie von der Pädagogik als Grundelement der Gesellschafts-, Volks- und Kulturganzheit in die Tat um, wobei ihm die Volksgemeinschaft Idealziel und -inhalt aller Pädagogik war. So schuf er als Praktiker in den Tagen der Vorherrschaft von J. F. Herbarts individualistischer Pädagogik eine katholische Volkspädagogik. Den Kern dieser Bestrebungen bildete die Pflege der katholischen Familie, deren Eigenrechte gegenüber dem Staat er insbesondere im Sinne des Elternrechtes betonte, wie er auch das Laienapostolat förderte. Das Gesamtziel seiner Volkspädagogik lautete: Erziehung zur christlichen Freiheit. Dabei legte er der Ausbildung der Sinne eine ebenso große und ähnliche Bedeutung bei wie J. Fröbel und M. Montessori. Um seine volks-, familien- und heilspädagogischen Ziele zu verwirklichen, gründete Auer eine Reihe noch heute bestehender Zeitschriften. Als Ausgangspunkt der pädagogischen Bemühungen und für ihre Fortentwicklung forderte er eine wissenschaftliche Pädagogik. In diesem Sinne bestimmte er das Cassianeum als Forschungsstätte, sowie als Sammelpunkt und Zentrum des pädagogischen Lebens im katholischen Deutschland, und gründete den „Pharus" (1910-34, ab 1947 „Pädagogische Welt“) als programmatische Zeitschrift, wie er auch das heute noch bestehende „Knabeninstitut“ ins Leben rief (1889).
Werke ↑
Volksbildung, Schulfragen, Schulpläne, 1884; Alte Ziele - Neue Wege, 2
Bde., 1897–1908; Neue Erziehungspläne, 1909; Die Pädagog. Stiftung Cassianeum, 1911; Die erzieherische Arbeitsgemeinschaft in d. Pädagog. Stiftung Cassianeum, 2
Bde., 1913;
Umfangreiche z. größten Teil noch unveröffentl. volks- u. jugendpädagog. Slgg., daraus: Der Schulludwig - Neue Volks- u. Jugendschrr.; Hausbrot (ab 1887, teilweise
bearb. v. R.
v. Kralik u. J. Arntzen);
Begründung d. Ztschrr.: Monika, 1869; Schutzengel, 1875, seit 1927 aufgeteilt als „Freund d. Kinder" u. „Freund d. Jugend"; Notburga, 1877–1941, seit 1950 als „Blüte"; Raphael, 1879–1935, 1935-38 als „Christusträger“, seit 1951 als „Brief“; Ambrosius, 1876.
Literatur ↑
M. Mohr, L.
A.s Erziehungsichre f. d. 20.
Jh., 1899; J. Traber, Das Cassianeum in Donauwörth, 1900; Elternbriefe aus d. Instituten d. Cassianeums zu Donauwörth, 1921, 4, 1921/22, 5, 1925/26, 2; J. Ungewitter, Die Pädagog. Stiftung Cassianeum in Donauwörth, 1925
(P); L. Huber, L.
A.s pädagog. Werk, 1925
(W, L); Das goldene Gründungsj. d. Cassianeums, Institutsbll., 1925, 2; Onkel L. in d. Presse, in: Institutsbll., 1927; Stimmen aus d. Cassianeum, 1947; 75 J. Pädagog. Stiftung Cassianeum, 1950; L. Auer jr., L.
A., in:
Lb. Bayer. Schwaben, 1952, S. 431-44
(P);
Kürschner, Lit.-Kal., Nekrolog 1901–35, 1936
(W).
Autor ↑
Heinrich KautzEmpfohlene Zitierweise ↑
Kautz, Heinrich, „Auer, Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
431
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11891216X.html