<< Philipp von Heinsberg
Philipp der Aufrichtige >>
Philipp Karl Freiherr von Eltz (1733 Reichsgraf)
Erzbischof von Mainz (seit 1732),
* 26.10.1665 Eltz bei Cochem/Mosel,
† 21.3.1743 Mainz,
⚰ Mainz, Ostchor des Doms.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus moselländ.
Adelsgeschl. (s.
NDB I, Fam.art.);
V Johann (Hans) Jakob zu
E.-Kempenich (1636–1721), Amtmann zu Mayen, Montreal u. Kaisersesch;
M Maria Antonetta Schenk
v. Schmidtburg (
† 1719); 16
Geschw,
u. a. Damian Heinrich (1678–1737, 1733
Reichsgf.), Domherr, seit 1729
Gen.-vikar in Trier, kfstl. mainz. u. trier.
Geh. Rat (s.
Gatz II), Friedrich Hugo (1681–1700), Malteserritter, Philipp Adolf (1683–1735, 1733
Reichsgf.), Deutschordenskomtur in Muffendorf, kfstl. mainz. u.
köln. Geh. Rat, Carl Anton Ernst (1671–1736, 1733
Reichsgf.),
wirkl. kaiserl. u. kfstl. mainz. u. trier.
Geh. Rat
bzw. Landhofmstr. u. Erbmarschall;
N Hugo Franz Karl (1701–79), Domherr in
M., Trier u. Minden, 1735-43 Gen.vikar in
M.;
Verwandter Jakob
v. E. (1510–81),
Ebf. v. Trier (s.
Gatz III).
Leben ↑
P. studierte in Trier (1679–82,
Mag.) und am Germanicum in Rom (1684–86). Nach seinen Admissionen zum Mainzer und Trierer Domkapitel (1694
bzw. 1700) erwarb er als Regierungspräsident in Mainz beachtliche Verwaltungserfahrung. Zudem war er im moselländisch-
rhein. Stiftsadel fest verankert. Seit 1710 war er Domkantor in Mainz und bis 1729 hatte er das Domarchidiakonat an
St. Peter in Trier inne. Als Nachfolger des Pfalzgrafen Franz Ludwig (1664–1732), der die Reihe der ritterschaftlichen Mainzer Erzbischöfe erstmals seit der Mitte des 16.
Jh. durchbrochen hatte, wurde
P. im Juni 1732 zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz gewählt. Der Ausbruch des
Poln. Thronfolgekrieges (1733), der großteils am Mittel- und Oberrhein ausgefochten wurde, ein langer Konflikt mit Hessen-Kassel um das
sog. Freigericht bei Alzenau, der Tod
Ks. Karls VI. und der Beginn des
Österr. Erbfolgekrieges überschatteten
P.s Amtszeit und ließen tiefgreifende Reformen kaum zu. Nur ansatzweise organisierte er die ihm unterstellte Reichshofkanzlei und die Mainzer Regierungsbehörden neu. In den Mittelpunkt der Reichspolitik rückte
P. während des Interregnums 1740/42. Seine Nähe zum Wiener Hof, der
u. a. der Aufstieg seiner Familie in den Reichsgrafenstand und den Erwerb der Herrschaft Vukovar (Slawonien) zu verdanken war, wurde auf eine schwere Probe gestellt. Unter wachsendem
franz. Druck mußte
P. zunächst als Dekan des Kurfürstenkollegs den Wünschen der Krone Frankreich, zu der er emotional Distanz wahrte, entsprechen und die Wahl des
bayer. Kurfürsten zum
röm.-deutschen Kaiser mittragen.
P. verhielt sich gegenüber Karl Albrecht loyal, doch er hätte eine Fortsetzung des
habsburg. Kaisertums favorisiert. Schon länger kränkelnd, starb
P. während des
Österr. Erbfolgekriegs.
Bei seinem Amtsantritt bereits 66jährig, blieb
P. nur die Rolle eines Übergangsfürsten. In erster Linie verhinderten die politischen Umstände eine stärkere Profilierung des habsburgtreuen Erzbischofs, aber namentlich in der Krisensituation 1741/42 agierte
P. unglücklich und konnte trotz kleiner Korrekturen auch bei der inneren Verwaltung des Erzstiftes kaum zukunftsweisende Akzente setzen. Im Vergleich mit seinem reformwilligeren Nachfolger Johann Friedrich Karl
Gf. v. Ostein (1696–1763) fehlt
P.s Amtszeit eine große Konzeption.
Literatur ↑
H. Duchhardt,
P. K.
v. E.,
Kf. v. Mainz, Erzkanzler d. Reiches (1732–1743), 1969;
S. Schlösser, Der Mainzer Erzkanzler im Streit d. Häuser Habsburg u. Wittelsbach um d. Kaisertum 1740-1745, 1986;
dies., Interregnum, Kaiserwahl u. -
krönung im 18.
Jh., Die
Pol. d. Mainzer Erzkanzlers 1740-1742, in: Der Mainzer
Kf. als Reichskanzler,
hg. v. P.-C. Hartmann, 1997, S. 111-30;
E. Gotthardt. Die Kaiserwahl Karls VII., 1986;
Gatz (P).
Autor ↑
Heinz DuchhardtEmpfohlene Zitierweise ↑
Duchhardt, Heinz, „Philipp Karl Freiherr von Eltz“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
381 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118742213.html