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Auberlen, Karl August
Leben
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Leben ↑
Auberlen: Karl August
A.
, evangelischer Theolog des 19. Jahrh., geb.
24. Nov. 1824 zu Fellbach in Würtemberg, † 2. Mai 1864 als Professor der Theologie in
Basel. Sohn eines frommen und würdigen Volksschullehrers,
aufgewachsen in der Luft der altwürtembergischen Frömmigkeit,
widmet er sich früh aus innerem Zug des Herzens dem Studium der
Theologie, und bezieht, nach tüchtiger Vorbildung im Pädagogium zu
Eßlingen und im Seminar Blaubeuren, 1841 die Universität Tübingen
als Zögling des theologischen Stifts. Zart organisirt nach Körper
und Geist, von tiefem Gemüth und vielseitiger Begabung, für alles
Ideale jugendlich begeistert, mit einem Kreis gleichstrebender
Freunde enge verbunden, wirft er sich mit regem Eifer auf das
Studium der Philosophie, wird aber von der damals vorherrschenden
kritisch-speculativen Richtung weniger angezogen, als von
ästhetischen, litteratur- und kunstgeschichtlichen Studien, —
einen möglichsten Universalismus des Wissens und der Bildung
erstrebend. Eine festere Gestalt gewinnt sein inneres Leben erst
im Verlauf der speciell theologischen Studien, bes. durch den
Einfluß seiner Lehrer Schmid und Beck und durch die Beschäftigung
mit den älteren würtembergischen Theologen aus der Bengel'schen
Schule, Roos, Steinhofer, Oetinger etc. Letzterem galt denn auch
sein, bald nach Beendigung des akad. Studiums auf seinem Vicariat
geschriebenes Erstlingswerk: "Die Theosophie Oetinger's, ein
Beitrag zur Dogmengeschichte und Geschichte der Philosophie",
1847. 2.
A.
mit Vorrede von R. Rothe. Eine
|wissenschaftliche Reise durch Norddeutschland, Belgien
und Holland mit längerem Aufenthalt in Berlin diente theils zur
Erweiterung seines Gesichtskreises theils zu Anknüpfung der
vielfachsten persönlichen Beziehungen. Nachdem er dann noch eine
kurze, aber für seine innere Entwicklung besonders gesegnete Zeit
im geistlichen Amte, als W. Hofacker's Vicar, verbracht, gab ihm
die Tübinger Repetentur 1849—51 Gelegenheit zu den ersten
Versuchen akademischer Lehrthätigkeit und zur weiteren
Ausgestaltung seiner eigenthümlichen, besonders an Bengel und Beck
sich anschließenden biblisch-theologischen oder theosophischen
Richtung. Mit seiner Berufung zu einer außerordentl. Professur der
Theologie in Basel betrat er den Boden seiner reichsten und
gesegnetsten Wirksamkeit als akademischer Lehrer, Schriftsteller
und Prediger. Auch hier war es neben seinen wissenschaftlichen
Leistungen fast mehr noch seine gewinnende, vielseitig angeregte
und anregende Persönlichkeit, der liebevoll hingebende Verkehr mit
nahen und fernen Freunden, und der seelsorgerlich-erziehende
Einfluß auf jüngere Leute, wodurch er reichen Segen stiftete und
innere Befriedigung fand. Von litterarischen Arbeiten aus dieser
Basler Zeit ist besonders zu nennen diejenige Schrift, welche
seinen eigenthümlichen theologischen Standpunkt am deutlichsten
repräsentirt: "Der Prophet Daniel und die Offenbarung Johannis in
ihrem gegenseitigen Verh.", 1854. 2.
A.
1857, worin er die sog. "reichsgeschichtliche Deutung"
der beiden biblischen Weissagungsbücher vertritt. Außerdem
erschien von ihm in dieser Zeit (neben vielen Beiträgen zu
Zeitschriften und Herzog's Realencyklopädie): "Verhältniß der
gegenwärtigen Theologie zur h. Schrift". 1851; "Die bibl. Lehre
vom Reich Gottes in ihrer Bedeutung für die Gegenwart". 1859;
"Schleiermacher, ein Charakterbild". 1859; "Predigten (das Geh.
Gottes in Christo)". 1855; "Apologetische Vorträge zur
Verantwortung des Glaubens". 1860, hervorgegangen aus
Disputationen und Vorträgen, die damals von mehreren Freunden in
Basel gehalten wurden. Aus demselben Anlaß entstand der Plan zu
seinem größsten und reifsten, nach einem umfassenden Plane
angelegten Werk, das freilich nicht mehr zur völligen Ausführung
gekommen ist: "Die göttliche Offenbarung. Ein apologetischer
Versuch". I. Band. Basel, 1861. Bald nach
Vollendung des ersten biblisch-historischen Theils, dem in einem
zweiten Bande die dogmatische Ausführung folgen sollte, erkrankte
A.
an einem unheilbaren Leiden, das, nachdem er es Jahre
lang mit christlicher Ergebung getragen und wiederholt zu neuer
geistiger Arbeit sich aufgerafft (Herausgabe der Werke des
schwäbischen Theologen Th. Wizenmann, Anfänge des zweiten Bandes
der göttlichen Offenbarung etc.), seinem an innerem Gehalt und
äußeren Früchten ungewöhnlich reichen Leben und Wirken ein
frühzeitiges Ende machte. Zahlreiche Schüler und Freunde bewahren
ihm ein treues Andenken. Die Geschichte deutscher Theologie nennt
seinen Namen in Ehre als eines der geist- nnd gemüthvollsten
Schüler und Vertreter der altwürtembergischen, besonders an Bengel
sich anschließenden "Schrifttheologie", oder des sog. "biblischen
Realismus", der sich die Aufgabe stellt, durch treue Schrift- und
Geschichtsforschung "den Gang der göttlichen Offenbarung von den
Schöpfungsanfängen bis zur Einmündung der menschlichen Geschichte
in die Ewigkeit als ein reich gegliedertes, durch die Einheit
desselben Gottesgedanken beherrschtes Ganzes darzustellen, die
heilige Schrift aber als das von Gottes Geist entworfene Lichtbild
dieses Offenbarungsganges".
Literatur ↑
Riggenbach und Gaß, Leichenrede und Lebensabriß. Basel 1864. F.
Fabri in Herzog's Realencyklopädie. Bd. XIX. S. 789 f.
Autor ↑
Wagenmann.
Empfohlene Zitierweise ↑
Wagenmann, Julius August, „Auberlen, Karl August“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
632-633
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116376422.html?anchor=adb