<< d'Arrest, Heinrich Louis
L'Arronge, Adolph >>
Arriaga, Roderich de
Jesuit, Philosoph,
* 17.1.1592 Logroño (Kastilien),
† 7.6.1667 Prag.
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Seit 1606 Jesuit, machte Arriaga seine höheren Studien in Valladolid, wo er
u. a. Pedro Hurtado de Mendoza zum Lehrer hatte. Ebendort lehrte er Philosophie und 2 Jahre Theologie, bis er vom P. General Vitelleschi als Professor der Dogmatik an die neu eingerichtete Universität in Prag berufen wurde. Auf der Reise dorthin weilte er von Oktober 1624 bis März 1625 im Kolleg zu Salamanca, um sich auf seine Aufgabe in Prag vorzubereiten, wo er am 4.10.1625 anlangte und am 7.1.1626 zum
Dr. theol. promovierte. Arriaga wirkte dort 1626-37 als Professor der Theologie, 1637-41 als Dekan der theologischen Fakultät, 1642-53 als Kanzler des Ferdinandeischen Teils der Universität, von 1654 ab als Studienpräfekt des Klemenskollegs. Mit Kaiser Ferdinand III. stand er in persönlicher Beziehung als Lehrer im Spanischen und Prediger von dessen erster Gemahlin Maria Anna. Wenig berührt von den durch die Reformation ausgelösten Kontroversen seiner Zeit bemühte er sich als scharfsinniger und selbständiger Denker um die Weiterentwicklung der scholastischen Theologie, wobei er, stark von Suarez beeinflußt, sich vorwiegend auf die theologische Vernunft stützt, sich dagegen weniger um die biblische und patristische Begründung der Glaubenssätze bemüht. Seine Physik fand Anerkennung durch Bayle und Leibniz.
Werke ↑
Cursus philosophicus, Antwerpen 1632
u. ö.; Disputationes theologicae
(z. Summa theologiae
|
d. Thomas v. Aquin), 8
Bde., ebenda 1643-55
u. ö. (Bd. 9 unvollendet); das Opus austriacum de quadratura circuli d. großen Mathematikers Grégoire de Saint-Vincent SJ hat er nicht veröffentlicht, sondern nur nach der Plünderung d. Kollegs durch d. Schweden 1631 d. Ms. gerettet.
Literatur ↑
ADB I;
K. Werner,
Gesch. d.
kath. Theol. seit d. Trienter Konzil, 1889, S. 47, 51-53
u. ö.;
Sommervogel I, 1890, S. 578-81,
Suppl. I, 1911, S. 89,
Nr. 257;
Hurter IV, S. 1-4;
K. Eschweiler, Roderigo de
A., in:
Ges. Aufsätze
z. Kulturgesch. Spaniens III, 1931, S. 253-85;
M. Grabmann,
Gesch. d.
kath. Theol. seit d. Ausgang d. Väterzeit, 1933, S. 171, 331;
B. Jansen, in: Philosoph.
Jb., 1937, S. 426 ff.;
A. Kroess,
Gesch. d.
böhm. Prov. d.
Ges. Jesu II/2, 1938, S. 650-52
u. ö.;
L. Thorndike, The cursus philos. before Descartes, in: Archives
internat. d'
hist. des sciences 4,
Nr. 14, Paris 1951, S. 19-21;
Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques IV, 1930, S. 717 f.;
LThK;
Enc. Catt. II, 1949.
Portraits ↑
Bildnis im
Bibl.-Saal d. Ferdinandea in Prag.
Autor ↑
Wilhelm Kratz SJSocietas Jesu (Jesuiten)Empfohlene Zitierweise ↑
Kratz SJ, Wilhelm, „Arriaga, Roderich de“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
398 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128475498.html
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Arriaga, Roderich von
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Arriaga: Roderich v.
A.
, berühmter Theolog und Scholastiker, geb. 17. Jan. 1592 zu Logroño in Castilien, † 17. Juni 1667. Seit 1606 gehörte er dem
Jesuitenorden an, lehrte zu Valladolid Philosophie, in Salamanka
Theologie; von da kam er nach Prag, wo er durch 13 Jahre Theologie
lehrte, sodann weitere 12 Jahre das Universitätskanzleramt
verwaltete. Er hinterließ zwei große Werke, einen "Cursus philosophicus" (Paris 1637; dann Lyon
1644; 1651; 1653; Paris 1669; Antwerpen 1682— sämmtl. Ausgaben in
Einem Bande fol.) und "Disputationes theologicae" zur "Summa" des hl. Thomas Aquinas (Antwerpen
1643—1653; 8 Bde. fol.; eine andere
Ausgabe: Lyon 1643 ff.). Der "Cursus
philosophicus" ist ganz in der scholastisch-peripatetischen
Manier so vieler anderer Werke gleichen Inhaltes und gleicher
Richtung aus jenem Zeitalter gehalten; es ist eine Reihenfolge
scholastisch peripatetischer Erörterungen, die unter die vier
Haupttitel "Disputationes logicae", "Disputt.
physicae", "Disputt. de anima", "Disputt. metaphysicae"
gebracht sind. Im Ganzen stellt sich
A.
auf den in seines Ordensgenossen Suarez "Disputationes metaphysicae" vertretenen
Standpunkt, reservirt sich aber daneben in vielen Einzelheiten
seine besondere Meinung; er setzt sich Berichtigung und
Vereinfachung des scholastischperipatetischen Denkens dort, wo er
es als nothwendig erkannte, zur Aufgabe,
|und
bezeichnet diese näher dahin, die unbegründete und
ungerechtfertigte Unterscheidung oder Fusion diverser Entitäten zu
beseitigen. Bayle spendet dem Scharfsinne Arriaga's in dessen
Bemühen, die Schranken und Fesseln der
scholastisch-peripatetischen Physik zu durchbrechen, anerkennendes
Lob; auch Leibniz berücksichtigt ihn in seinen Erörterungen über
die unendliche Theilbarkeit des Materiellen (Theodic. I. n. 70), und stellt seine
Anschauungen rücksichtlich dieses Problems mit jener des Cartesius
zusammen. Seine "Disputationes
theologicae" gehören nach ihrer ganzen Fassung und Haltung
der spanischen Theologie jenes Jahrhunderts an, und reihen sich
den großen und umfassenden theologisch-scholastischen Werken an,
die in jenem Zeitalter in den von der Reformation nicht
ergriffenen Ländern und Reichen Europas, also vornehmlich im
romanischen Süden, und da wieder vorzüglich in Spanien zu Tage
traten; Deutschland ist nur der zufällige Boden, auf welchem das
nach Inhalt und Form ganz in den Traditionen und Anschauungen des
theologischen Wissenschaftsbetriebes seines Heimathlandes
wurzelnde Werk erwuchs. Die regenerirte Scholastik in ihrer
ausgebildeten Form war überhaupt für das Deutschland von dazumal
ein exotisches Gewächs und die wenigen Männer, die sie in
Deutschland pflegten, waren aus der Fremde gekommen. Die
heimischen Theologen Deutschlands betrieben fast ausschließlich
nur die Controverstheologie, und anderweitige theologische
Bestrebungen nur mit Rücksicht auf den das ganze deutsche Leben
erfüllenden Glaubensstreit zwischen Katholiken und Protestanten.
Von diesem Kampfe zeigt sich Arriaga's Werk fast gar nicht
berührt; nur vorübergehend geschieht der protestantischen
Glaubenssätze Erwähnung; ebensowenig ist ihm um die durch jene
Kämpfe notwendig gewordene biblische und patristische Begründung
der kirchlichen Glaubenslehren zu thun, aus welcher, hauptsächlich
auf Grund der großartigen Leistungen eines Petavius, allmählich
die katholische Dogmatik späteren Stiles herausgewachsen ist, um
sich an die Stelle der bis dahin dominirenden Theologia scholastica zu setzen.
A.
ist ganz und gar Scholastiker, aber einer der
scharfsinnigsten und originellsten, dem es eine Lust ist, sich
fortwährend mit den anderen bedeutenden zeitgenössischen
Vertretern dieser Art von Theologie zu messen; seiner
theologischen Grundrichtung nach steht er entschieden auf dem
Boden des Molinismus. Bemerkenswerth ist noch, daß er bei dem
König und nachmaligen Kaiser Ferdinand III. in Ehren stand, welchem auch beide seiner
vorgenannten großen Werke gewidmet sind.
Autor ↑
Werner.
Empfohlene Zitierweise ↑
Werner, „Arriaga, Roderich von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
609-610
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128475498.html?anchor=adb
Arriaga, Roderich de
Name: Arriaga, Roderich de
Namensvariante: Arriaga, Roderich von
Lebensdaten: 1592 bis 1667
Geburtsort: Logroño (Kastilien)
Sterbeort: Prag
Beruf/Lebensstellung: Jesuit; Philosoph; Theologe; Scholastiker
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Kratz SJ, WilhelmAutor ADB:
WernerPND: 128475498