<< Arnoldi, Johannes von
Arnoldin von Clarstein, Mathias >>
Arnoldi, Wilhelm
Bischof von Trier,
* 4.7.1798 Badem (Eifel),
† 7.1.1864 Trier.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Mathias Arnoldi (
† 1832), Schmied zu Badem;
M Anna Maria (
† 1822),
T des Schmieds Anton Scheu und der Margaretha Thiel;
Gvv Johann Arnoldi (
† 1800), Bauer;
Gmv Maria Eva Willms.
Leben ↑
Arnoldi besuchte das Priesterseminar in Trier und wurde dort nach seiner Priesterweihe 1821 Professor für Altes Testament und Homiletik, 1826 Pfarrer in Laufeld, 1831 Pfarrer und Dechant in Wittlich, 1834 Domkapitular und Domprediger in Trier. Arnoldis Wahl zum Bischof 1839 wurde von der Regierung nicht bestätigt, weil er dem staatlichen Wahlkommissar vorher nicht - wie die Regierung behauptete, das Domkapitel aber bestritt - benannt worden sei und nicht als persona grata hätte bezeichnet werden können. Nach Verzichtleistung, Wiederwahl und Bestätigung trotz unnachgiebiger Haltung in der Mischehenfrage und Verweigerung des Staatseides wurde er 1842 inthronisiert. Durch die Aus
|stellung des Heiligen Rockes von 1844 (die erste seit 1810) gab er den Anstoß zu einer nachhaltigen Erneuerung des kirchlich-religiösen Lebens, anderseits zu einer gereizten historisch-publizistischen Auseinandersetzung über die Echtheitsfrage und im Zusammenhang damit zur
sog. deutsch-katholischen Bewegung unter Führung des schlesischen Geistlichen Johannes Ronge. Er errichtete das bischöfliche Knabenkonvikt in Trier und ließ die Domkirche restaurieren. Den Klostergründungen seiner Diözese galt seine besondere Aufmerksamkeit. Arnoldi gehört zu den Vorkämpfern der streng kirchlichen katholischen Restauration und ihrer im Gegensatz zu dem hergebrachten Staatskirchentum vertretenen Auffassung einer neuen
libertas ecclesiae.
Werke ↑
Homilien d.
hl. Johannes Chrysostomus
üb. d. Briefe d.
hl. Paulus, 6
Bde. (Übers.).
Literatur ↑
ADB I;
J. Kraft, W.
A., 1865;
ders., Leben d. Bischofs W.
A., 1866;
S. Beissel,
Gesch. d. Trierer Kirchen,
z. Gesch. d.
hl. Rockes, 1889;
Johannes Ronges Brief an Bischof
A. v. Trier,
hrsg. v. G. Tschirn, 1908;
LThK.
Portraits ↑
in: J. Weiß, An d. Wiege d.
kath. Studentenverbindungen, 1930.
Autor ↑
Aloys ThomasEmpfohlene Zitierweise ↑
Thomas, Aloys, „Arnoldi, Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
390 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116352191.html
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Arnoldi, Valentin >>
Arnoldi, Wilhelm
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Arnoldi: Wilhelm
A.
, Bischof von Trier (1842—64). Am 4. Januar 1798
zu Badem, einem Dorfe in der Eifel bei Bitburg geb., † 7. Jan. 1864, empfing die erste religiöse
Anregung von seiner frommen Mutter und hegte schon früh als Kind
den Wunsch in den geistlichen Stand einzutreten. Von 1809 bis 1811
besuchte er die Domschule zu Trier, von 1811—14 das Gymnasium und
von 1814—21 das Priesterseminar daselbst, wo er am 17. März 1821
zum Priester geweiht wurde. Seine schönen Anlagen, namentlich sein
ausgesprochenes Sprachtalent veranlaßte seine Obern, ihn sofort
zum Professor des Hebräischen, der biblischen Archäologie und der
geistlichen Beredsamkeit zu ernennen, doch scheint ihm das
Lehrfach weniger zugesagt zu haben und da zudem seine Gesundheit
gelitten hatte, vertauschte er dasselbe mit der Seelsorge, indem
er 1826 die Pfarrei Laufeld in der Eifel annahm. Hier lebte er, in
dem befruchtenden Umgang mit dem in Wien gebildeten würdigen
Pfarrer München zu Buchholz, bis 1831, wo er Stadtpfarrer und
Dechant zu Wittlich wurde. Die rege, nach jeder Beziehung
musterhafte Thätigkeit Arnoldi's in seinem Amte lenkte die
Aufmerksamkeit des Bischofs v. Hommer auf ihn, als es sich 1833 um
die Besetzung der Stelle eines Dompredigers und Theologus
handelte. Am 1. März 1834 ward
A.
dazu ernannt und in's Capitel aufgenommen, wo er bald
neben dem spätern Bischof Müller von Münster und dem Seminarregens
spätern Weihbischof Braun als einer der einflußreichsten
Mitglieder da stand. Namentlich erwarben ihm seine Festpredigten
den Ruf eines vorzüglichen Homileten und große Beliebtheit bei
Volk und Klerus. Man hat mehr wie einmal gesagt,
A.
habe sich zum Bischof gepredigt. Am 11. November 1836
entschlief der Bischof von Hommer (s. d.), und
A.
soll ihn noch auf dem Todesbette bewogen haben, von
den mit der preußischen Regierung betr. der gemischten Ehen
getroffenen, vom apostolischen Stuhl mißbilligten Vereinbarungen
zurückzutreten. Bei der Wahl eines Nachfolgers stellten sich
verschiedene Auffassungen des in der Bulle De
salute animarum von 1821 den Domcapiteln eingeräumten
Wahlrechts bez. der Verclausulirung desselben auf die personae regi gratae heraus, weßhalb
A.
nebst Müller und Braun sich unterm 24. Jan. 1837 und
wiederum am 8. Febr. desselben Jahres nach Rom um Instruction
wandten; alle drei wurden, da der Verkehr mit Rom noch nicht
freigegeben war, mit einer Ordnungsstrafe belegt. Als dann die
Wahl am 1. Mai 1839 endlich stattfand und der Name Arnoldi aus
derselben hervorging, erklärte der als Wahl-Commissar fungirende
Oberpräsident v. Bodelschwingh, es fehle ihm zur Bestätigung
desselben jede Vollmacht. Die Staatsregierung annullirte denn auch
sofort das Geschehene uud verständigte die Geistlichkeit und die
Bewohner Triers, welche um Arnoldi's Confirmation gebeten hatte,
daß sie sich in diese Angelegenheiten nicht zu mischen hätten. Da
reichte
A.
(1. Juni 1840) ohne Vorwissen des Capitels seine
Resignation zu Rom ein. Die Regierung, welche ihn als Eiferer,
besonders in Dingen der Mischehen perhorrescirt, hatte unterdeß
ihre Ansicht einigermaßen zu seinen Gunsten geändert und ihn
selbst zur Resignation aufgefordert, da sich dann Alles erledigen
lasse. Der Papst nahm die Entsagung an und man vereinigte sich nun
auf die Aufstellung einer bischöflichen Candidatenliste, von der
die Regierung die personae minus gratae
streichen könne, — ein Verfahren, das bekanntlich seither in
Preußen beibehalten wurde. Friedrich Wilhelm IV. hatte diesmal die Wahl Arnoldi's
gestattet, und so wurde derselbe am 21. Juni 1842
|als
Bischof proclamirt. Die Präconisation fand am 22. Juli, die
Confirmation am 18. September statt.
Schon bald nach seiner Inthronisation faßte
A.
den Entschlnß, den heil. Rock, der seit 1810 dem Volke
nicht mehr gezeigt worden war, der öffentlichen Verehrung
auszusetzen. Dieses wichtigste und folgenreichste Ereigniß seines
Episcopates ist bekanntlich in der verschiedensten Weise
beurtheilt worden. Die Ausstellung, welche am 18. August 1844
begann, sechs Wochen lang währte und zahllose Andächtige (man sagt
1100000) aus Nah und Ferne herbeilockte, gab zu den heftigsten
Angriffen auf die Person des Bischofs wie auf die Institutionen
der katholischen Kirche Anlaß und rief namentlich die
deutschkatholische Bewegung (s. Ronge), den Abfall Ronge's und
einiger anderer Priester und die erbittertste Stimmung unter einem
Theil der Protestanten Deutschlands, die sich eben in dem
Gustav-Adolf-Verein sammelten, hervor. Arnoldi's Biograph hat ganz
Recht, wenn er bemerkt: "Der Bischof habe einzig und allein die
Ehre desjenigen, der dies Kleid ehedem getragen, die größere
Verherrlichung Gottes, die Wohlfahrt der Kirche und das Heil der
Seelen im Auge gehabt; er hat nur die Förderung christlichen und
kirchlichen Sinnes und Lebens dabei bezweckt; er hat an nichts
weniger als an eine Demonstration, er hat nur an die Erbauung des
Volkes gedacht; er hatte eine viel zu reine Seele und ein zu
argloses Gemüth und war dabei zu kindlich fromm, als daß er es auf
eine bloße Schaustellung und Entfaltung eitlen Gepränges hätte
absehen sollen." Gewiß; und ebenso unleugbar ist, daß diese
merkwürdige Begebenheit die religiöse Begeisterung thatsächlich
aufs höchste entstammte und da einen lebendigen, herzlichen
Christusglauben hervorgekehrt hat, wo man ihn vielleicht längst
erstorben glaubte. Aber es läßt sich doch billigerweise auch
fragen, ob es wohlgethan war, diesen neuerwachten Enthusiasmus
sofort in Bahnen zu lenken, welche sich mit der historischen
Bildung unserer Zeit kreuzten und den Katholicismus in einen
Conflict verwickelten, zu dem sein Wesen nicht hintrieb; und es
läßt sich ebenso nicht in Abrede stellen, daß manche unter den
bekannten Vertheidigern des heil. Rockes gegen die
wissenschaftlichen Angriffe eines Gildemeister und von Sybel das
Ansehen der Kirche durch ihren completen Mangel an solidem Wissen
und an Kritik schwer und nachhaltig schädigten.
A.
selbst war kein Gelehrter, weder Historiker, noch
Theolog, und er besaß nicht die nöthige geschichtliche Bildung, um
sich einen Einblick in Werth und Beschaffenheit der von ihm
angerufenen Beweismittel zu verschaffen. Sein reines und edles
Gemüth wollte das Beste und er ist gewiß frei zu sprechen, wenn
der Katholicismus etwas schwer an den Kosten dieser Devotion einer
Particularkirche trug.
Die Errichtung des bischöflichen Knabenconvictes, die Stiftung
einer Reihe von Klöstern, als deren besonderer Freund sich
A.
allzeit bewies (es wurden durch ihn Redemptoristen,
Jesuiten, Krankenbrüder, Borromäerinnen und Vincentianerinnen,
Ursulinen, Franciscanessen und andere Orden in die Diöcese
berufen), fleißige Visitation seines umfangreichen Sprengels
bildeten die Hauptsorge der folgenden. Jahre. Die erschlaffte
Disciplin des Klerus stellte
A.
durch geregelte, wenn auch immer liebreiche Handhabung
der Zucht her. Ein großes und verdienstliches Werk war die unter
der Leitung des hochverdienten Canonicus v. Wilmowsky begonnene
Restauration und Untersuchung der Domkirche. Ueberhaupt zeigte
A.
einen regen Eifer für kirchliche Kunst und das Studium
der christlichen Alterthumskunde; ein Denkmal dieser seiner
Neigungen war der unter ihm entstandene und auch nach seinem Tode
wieder zerfallene christlicharchäologische Verein, dessen
"Mittheilungen" (2 Hefte, Trier 1856 und 60) ein Organ für
Diöcesangeschichte werden sollten. Der Bischof hielt darauf, daß
seine Seminaristen und Geistlichen arbeiteten und forderte oft zum
Studium,
besonders der heil. Schrift, auf; aber die Lostrennung der
Diöcese von der akademischen Bildung, der Umstand, daß die
Geistlichen fast ausschließlich in dem Diöcesanseminar gebildet
wurden, kam dem wissenschaftlichen Geiste derselben nicht zu gute
und ließ Trier, obwol reich an guten Talenten, in Hinsicht seiner
wissenschaftlichen Bildung und seiner litterarischen Thätigkeit
eine verhältnißmäßig niedere Stelle unter den deutschen
Kirchensprengeln einnehmen.
Die Jahre 1848 und 49 fanden
A.
unter den Verfechtern conservativer Principien neben
den übrigen Bischöfen Preußens, wie er denn auch an der Würzburger
Bischofconferenz und den daraus hervorgehenden Beschlüssen Theil
nahm. Die Limina Apostolorum besuchte er
1852 und 10 Jahre später zum zweiten Male, als die japanesischen
Märtyrer canonisirt wurden. 1860 wohnte er dem Provincialconcil zu
Köln bei. Eine Erkältung, im Dom bei Gelegenheit der Weihen (19.
Dec. 1863) zugezogen, hatte eine tödtliche Erkrankung zur Folge,
welcher er am 7. Januar 1864 erlag. Sein Tod wie seine letzte
Krankheit waren in hohem Grade erbaulich und eines christlichen
Bischofs würdig; auch Ungläubige zeigten sich tief ergriffen. Die
Bestürzung, welche das Ableben Arnoldi's in der Stadt und Diöcese
hervorrief, zeigt, wie sehr er verehrt war; und in der That, dem
einfachen, demüthigen Manne, der die Würde des Bischofs mit der
Taubeneinfalt des Kindes verband, konnte Niemand seine Verchrung
versagen. Seine Verwaltung darf man im Ganzen als eine sehr
segensreiche bezeichnen, wenn man auch, namentlich in den letzten
Jahren, über Arnoldi's zunehmende Abhängigkeit von seinen nicht
immer glücklich inspirirten Rathgebern klagen hörte. Der
Restauration des Katholicismus in Deutschland hat
A.
mächtigen Vorschub geleistet, ohne in dem Grade, wie
man gewöhnlich glaubt, den sog. jesuitischen Tendenzen ergeben zu
sein. Das ihm von Rom aus gestellte Ansinnen, sein Seminar der
Leitung der Gesellschaft Jesu zu übertragen, hat er rundweg
zurückgewiesen. — Als Schriftsteller war
A.
durch eine Reihe salbungsvoller Hirtenbriefe, sonst
nur als Uebersetzer (er übertrug die Homilien seines
Lieblingsautors, des h. Chrysostomus, ins Deutsche; 6 Bde., Trier
und Regensburg. 1852—58, 2.
A.
) thätig. Der Tod hat ihn an anderen Publicationen
gehindert.
Literatur ↑
J. Kraft, Wilhelm Arnoldi, Bischof von Trier. Ein Lebensbild.
Trier 1865. (Der Biograph, jetzt Weihbischof, war ein Freund
Arnoldi's.)
Autor ↑
Kraus.
Empfohlene Zitierweise ↑
Kraus, Franz Xaver, „Arnoldi, Wilhelm“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
593-595
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116352191.html?anchor=adb