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Arnoldi, Franz >>
Arnoldi, Ernst Wilhelm
Fabrikant, Versicherungs- und Wirtschaftspolitiker,
* 21.5.1778 Gotha,
† 27.5.1841 Gotha. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Vorfahren aus Pfarrersfamilien;
V Ernst Friedrich Arnoldi (1747–1828), Kaufmann und Ratsherr in Gotha;
M Sabine Elisabeth,
T des Nadlermeisters Johann Elias Krehl in Gotha;
⚭ 1) Weimar 17.9.1808 Rosine Wilhelmine,
T des Hofschreinermeisters Johann Wilhelm Cronrath, 2) Gotha 30.1.1825 Christiane Rosenberg; 3
S, 1
T.
Leben ↑
1794-99 in Hamburg als praktischer Kaufmann und bei J. H. Büsch theoretisch ausgebildet, trat Arnoldi in das väterliche Geschäft, wo er bald Teilhaber wurde; 1804 gründete er eine Farbenfabrik in Gotha und 1809 eine Steingutfabrik in Elgersberg bei Ilmenau. Die von Arnoldi 1819-21 gegründete Gothaer Feuerversicherung und die 1827 folgende Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit waren - der gemäßigt-merkantilistischen Herkunft Arnoldis entsprechend - bestimmt, das Monopol ausländischer Versicherungen in Deutschland zu brechen und so den ständigen Abfluß von Prämiengeldern ins Ausland zu unterbinden. Das erstmals in größerem Maßstab angewandte und fortan für das deutsche Versicherungswesen maßgebende Prinzip der Gegenseitigkeit und der Gewinnbeteiligung erlaubte darüber hinaus, die Prämien wesentlich niedriger zu halten, als es den bisherigen auf Rentabilität angewiesenen Versicherungen möglich war. Daneben wirkte Arnoldi durch die Gründung der „Innungshalle“ (1817) und der ersten deutschen Kaufmannsschule in Gotha (1818) vorbildlich für das deutsche Handelsschulwesen der Folgezeit, war erfolgreich für die Rübenzuckergewinnung tätig und inaugurierte den kartellartigen Zusammenschluß der deutschen Zuckerfabrikanten (1841), der durch die starke Senkung der Rohrzuckerzölle im Handelsvertrag mit Holland (1839) hervorgerufen wurde. Bei der deutschen Zollvereinsbewegung für Handelseinheit und Zollschutz war Arnoldi neben F. List führend beteiligt (1819 Eingabe von 5051 Gewerbetreibenden an den Bundestag), anfangs einen Zusammenschluß der Mittel- und Kleinstaaten zwecks gemeinsamer Verhandlungen mit Preußen, nach dem Scheitern der Darmstädter (1820–22) und Stuttgarter (1825) Verhandlungen immer mehr den raschesten Anschluß an den preußischen Zollverein anstrebend. Ende der 30er Jahre setzte er sich warm für Lists thüringische Eisenbahnpläne ein.
Literatur ↑
ADB I;
A. Emminghaus, E. W.
A., 1878;
J. Hopf, E. W.
A. u. seine Schöpfung, d. Gothaer Feuerversicherungsbank, 1878;
100 J. Gothaer Lebenversicherungsbank,
hrsg. v. K. Samwer, 1927
(P);
O. Götze, E. W.
A., ein Förderer d.
dt. Rübenzuckers, 1928;
H. Oncken-F. Saemisch (
Hrsg.),
Vorgesch. u. Begründg. d.
Dt. Zollvereins 1815–34, Akten d. Staaten d.
dt. Bundes u. d.
europ. Mächte,
bearb. v. W.
v. Eisenhart Rothe u.
A. Ritthaler, 3
Bde., 1934;
F. Rohwedder, E. W.
A., Seine Tätigkeit f. d.
dt. Wirtschaft,
Diss. Basel 1939;
C. Brinkmann, F. List, 1949, S. 74 ff.
u. ö.;
F. Schnabel,
Dt. Gesch. im 19.
Jh. III,
21950, S. 417-20
u. ö.;
s. a. K. Schmidt, Gotha im heimatkundl. Schrifttum, 1939, S. 32 f.
Portraits ↑
Stich
v. J. G. Nordheim;
Lithogr. v. C. Brand,
v. J. Fertig nach
Gem. v. B. Bock; Marmorbüste
v. F. Küsthardt, 1881 (Gotha, Lebensvers.-Bank); Denkmal in Gotha (1843) mit Marmorreliefbild
A.s
v. L. Döll;
s. a. Ausstellung Gothaischer Porträts aus d. Zt.
v. 1640
b. 1850, 1908, S. 10.
Autor ↑
Erich AngermannEmpfohlene Zitierweise ↑
Angermann, Erich, „Arnoldi, Ernst Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
389
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116352086.html
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Arnoldi, Franciscus >>
Arnoldi, Ernst Wilhelm
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Arnoldi: Ernst Wilhelm
A.
, geb. 21. Mai 1778
zu Gotha, † daselbst 27. Mai 1841, war der Vater des deutschen
Versicherungswesens. Sein Vater, Inhaber eines
Colonialwaarengeschäfts, ließ ihm aus Abneigung gegen das
Gymnasium Privatunterricht ertheilen, der aber sehr mangelhaft
war; doch kam er frühzeitig in die Lehre nach Hamburg, wo er in
dem Geschäfte "Johann Gabe u. Comp." sein Wissen erweiterte und
sich Gewandtheit und Charakterfestigkeit aneignete. Auf den Wunsch
seines Vaters kehrte er im J. 1799 in das elterliche Haus zurück
und wurde 1803 Theilnehmer am väterlichen Geschäfte. Sein Streben
war fortan nur auf das allgemeine Beste gerichtet; was er einmal
für zweckmäßig und gut erkannt hatte, das führte er mit
Hintansetzung seiner eigenen Interessen durch. Schon 1803
errichtete er zu Remstedt bei Gotha eine Farbenfabrik; 1808 eine
Fabrik zu Elgersburg, in welcher Gefäße aus einer
|seingutartigen Masse gefertigt werden, von Apothekern
und Chemikern sehr geschätzt. Die damalige französische
Zwingherrschaft war allerdings diesen Unternehmungen nicht
günstig. Sobald aber die Zeit der Prüfungen für das Vaterland
vorüber waren, wendete sich sein regsamer Geist zunächst dem
Gedanken zu, die schmerzlichen Wunden zu heilen oder wenigstens zu
lindern, die der Krieg auch dem gothaischen Lande geschlagen
hatte. Zur Linderung der durch eine Mißernte in den Jahren 1816
und 1817 hervorgerufenen Noth schaffte er Massen russischen
Getreides bei, und lenkte dadurch die Aufmerksamkeit seiner
Mitbürger auf sich. In Folge dessen ward er von der Krämer-Innung
zum Vorstande gewählt. Als Krämermeister fand er vielfach
Gelegenheit zur Beseitigung alteingeschlichener Uebelstände und
Mißbräuche. Unter dem Namen "Innungshalle" gründete er einen
Verein, welcher den gesammten Handelsstand von Gotha umfaßte. Das
sogenannte neue Rathhaus wurde im J. 1820 zu einem sehr billigen
Preise (8000 Thaler) für die Kramerinnung angekauft, daselbst eine
Bibliothek und ein Waarencabinet, sowie ein Lesezimmer mit
politischen und Fachzeitungen eingerichtet, in welchem
allabendlich die Vereinsgenossen zur Unterhaltung zusammen kamen.
Um den jungen Handlungslehrlingen eine zweckmäßigere Ausbildung
als zeither zu verschaffen, rief
A.
im März 1818 eine Handlungsschule ins Leben, welche
die erste dieser Art in Deutschland, seitdem das Vorbild von mehr
als 40 ähnlichen Lehranstalten in Deutschland geworden ist. Seine
Idee über die "Begründung eines Bundes unter den deutschen
Fabricanten", die er seit dem J. 1817 unablässig verfolgte, fand
im J. 1829 durch die Gründung des deutschen Zollvereins ihre
Befriedigung. In seinem Enthusiasmus schrieb damals
A.
: "Heil den edlen Häuptern, welche den von der
herrlichsten Glorie umgebenen Handelsvertrag am 27. Mai
abgeschlossen. Sie haben ein Werk vollbracht, das Alles
überstrahlt, was seit der Reformation Großes in Deutschland
geschehen ist. Es ist ebenfalls eine Reformation, deren
segensreiche Wirkungen außer dem Gesichtskreise der Gegenwart
liegen". Das schönste Denkmal aber setzte sich
A.
durch die Begründung der Feuerversicherungsbank und
der Lebensversicherungsbank in Gotha. Während vorher
Actiengesellschaften feste Prämien erhoben, den Gewinn aber,
welcher nach Abzug der Unkosten und der für gezahlte Schäden
geleisteten Beträge sich ergab, an die Actionäre vertheilten,
hielt
A.
das Princip der Gegenseitigkeit und Oeffentlichkeit
für das Zweckmäßigste und Gerechteste, damit auch der aus dem
Geschäfte erwachsende Gewinn wiederum den Versicherten und nicht
nur einer Anzahl Capitalisten zu gute käme. Im December 1819
versammelte sich zum ersten Male der Vorstand der beabsichtigten
Versicherungsgesellschaft, bestehend aus Abgeordneten der
Kaufmannschaften zu Gotha, Arnstadt, Erfurt, Eisenach und
Langensalza und am 20. Juli 1820 kam das Verfassungswerk der
Feuerversicherungsbank in Gotha zu Stande. Mit dem 1. Januar 1821
begann die Anstalt ihre Thätigkeit. Daß
A.
sich in seinen Voraussetzungen nicht geirrt hatte,
bewies der Erfolg.
Der unaufhaltsam fortstrebende Geist Arnoldi's faßte nun auch
die Gründung einer Lebensversicherungsbank ins Auge, der ersten in
Deutschland. Sie wurde nach denselben Grundsätzen errichtet, die
sich bei der Feuerversicherungsbank bewährt hatten, und trat am 1.
Januar 1829 ins Leben. Mit unermüdlicher Ausdauer hatte
A.
die vielen Schwierigkeiten, namentlich in Betreff der
richtigen Berechnung der Reserven und der Feststellung der
Bedingungen für Annahme von Versicherungsanträgen zu beseitigen
gewußt. Die Anstalt hat sich bis zu den äußersten Grenzen von
Schleswig, sowie nach der deutschen Schweiz ausgedehnt, und seit
der Zeit ihres Bestehens unendlichen Segen gestiftet. Als ein
Zeichen schuldiger Dankbarkeit erhielt
A.
im J. 1834 von der Feuerversicherungs-Anstalt für die
bedeutenden Opfer an Zeit und Kraftanstrengung und
|für die unentgeltliche Leitung der Anstalt in den beiden
ersten Jahren ihres Bestehens ein Ehrengeschenk von 15000 Thalern.
Den zehnten Theil davon gab der verdienstvolle Mann sofort an den
Stadtrath ab zur Gründung eines Realgymnasiums (Gymnasium Ernestinum) zu Gotha.
In den letzten Jahren seines Lebens wendete
A.
seine unermüdete Thatkraft besonders dem
Wiederaufblühen der ganz gesunkenen Runkelrübenzucker-Fabrication
in Deutschland zu. Das Gedeihen dieses Erwerbszweigs erlebte er
aber nicht. Mit dem Erfinder einer neuen Fabricationsmethode, Dr. Zier zu Zerbst, setzte er sich in
Verbindung; die Methode leistete jedoch nicht, was versprochen
war, und bereitete
A.
, der sie Anderen empfohlen hatte, vielen Kummer. Von
Herzog Ernst I. von Coburg und Gotha ward
A.
zum Rath, dann zum Finanzrath ernannt. In seinem
Privatleben war
A.
einfach, bescheiden und anspruchslos; er half, wo er
konnte, durch Rath und That. Seine Untergebenen hingen mit großem
Vertrauen und vieler Liebe an ihm. Mit seiner Zeit ging er sehr
haushälterisch zu Rathe. Ein Jahr nach seinem Tode wurde ihm in
Gotha ein Ehrendenkmal errichtet, zu welchem die Mittel so
reichlich zuflossen, daß ein ansehnlicher Theil davon zu einer
"Schulstiftung" verwendet wurde, von welcher alljährlich die
Zinsen an seinem Todestage zu Belohnungen, theils in Büchern,
theils in Lehrmitteln für Bürgerkinder vertheilt werden, die sich
durch Fleiß, Fortschritte und gutes Betragen ausgezeichnet
haben.
Autor ↑
A. Beck.
Empfohlene Zitierweise ↑
Beck, August, „Arnoldi, Ernst Wilhelm“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
589-591
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116352086.html?anchor=adb