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Engelhorn, Friedrich

chemischer Industrieller, * 17.7.1821 Mannheim, 11.3.1902 Mannheim. (evangelisch)


Genealogie | Leben | Literatur | Portraits | Autor | Zitierweise

Genealogie  
Die Familie stammt aus Hockenheim b. Schwetzingen; V Joh. Conrad (1793–1880), Bierbrauermeister, dann Ökonom, S des Bierbrauermeisters Conrad, seit 1788 in Mannheim; M Christine (1798–1883), T des Ökonomen u. Wirtes Christoph Scheffer in Heddesheim; 1847 Marie (1825–1902), T des Bierbraumeisters Gg. Adam Brüstung in Mannheim; 10 K, u. a. Bertha (⚭ Dr. h. c. Carl Reiss, 1843–1914, Kaufm., GKR, Mitgl. der Badischen I. Kammer, Ehrenbürger v. Mannheim), Friedrich (1855–1911), Dr., KR, 1883 Teilhaber, seit 1892 alleiniger Inh. der Chinin-Alkaloid-Fabrik C. F. Boehringer & Söhne in Mannheim, die er stark erweiterte, Robert (1850–1944), Maler, Prof. in Baden-Baden (s. ThB); N Carl s. (2); E (S des Frdr.) Dr. Fritz (* 1886) u. Hans (* 1888), Inh. u. Leiter der C. F. Boehringer & Söhne GmbH.

Leben  
Engelhorn ging 3 Jahre bei dem Juwelier und Goldmacher Goehring in Mannheim in die Lehre, dann auf Wanderschaft nach Mainz, Frankfurt, München, Wien, Genf, Lyon und Paris und machte sich, nach Mannheim zurückgekehrt, als Goldarbeiter selbständig. 1848 gründete er auf Veranlassung des in seinem Hause wohnenden Engländers Smyers-Williquet mit diesem und mit einer bereits in Mannheim bestehenden „Gas-Apparat-Gesellschaft“ die Firma „Engelhorn & Co.“ zur Herstellung von „Portativgas“, das ist Gas in tragbaren Behältern. 1851 übertrug die Stadt Mannheim Engelhorn und zwei Karlsruher Unternehmern, F. Sonntag und Spreng, die Errichtung eines Gaswerkes aus städtischen Mitteln unter der Firma „Badische Gesellschaft für Gasbeleuchtung“, an welche die Stadt den Betrieb für 30 Jahre verpachtete. Bei der Herstellung von Gas aus Steinkohle hinterblieb der sogenannte Steinkohlenteer, aus welchem nach einer englischen Erfindung die Anilinfarben gewonnen werden konnten. Die Kunde von den großen Gewinnen bei der Herstellung von künstlichen Farben veranlaßte Engelhorn 1860, zusammen mit F. Sonntag, dem Kaufmann O. Dyckerhoff und dem Chemiker C. Clemm die „Chemische Fabrik Dyckerhoff, Clemm & Co.“ zu gründen. O. Dyckerhoff trat bald aus, A. Clemm dafür in die offene Handelsgesellschaft ein und die Firmenbezeichnung wurde 1863 in „Sonntag, Engelhorn & Clemm“ umgeändert. Die scharfe Konkurrenz durch neu erstandene Farbenfabriken und die hohen Preise für die Hilfsmittel der Farbenherstellung, wie Soda und Säuren, ließen den einfallsreichen Engelhorn auf den Gedanken kommen, diese Hilfsstoffe selbst zu produzieren. Die Stadt Mannheim verweigerte kurzsichtig den Ankauf eines zur Erweiterung der Fabrikation notwendigen Geländes und beraubte sich damit der Vorteile eines weltweite Bedeutung erlangenden Industrieunternehmens. Daraufhin erwarb Engelhorn sofort ein Grundstück am linken Rheinufer bei Ludwigshafen und gründete dort 1865 mit den Brüdern A. und C. Clemm die AG „Badische Anilin und|Soda Fabrik“ (BASF). Engelhorn leitete die Firma bis 1883 als 1. Direktor mit hervorragendem Organisationstalent und Weitblick und besaß eine glückliche Hand, befähigte Chemiker, wie H. Caro, H. Brunck oder G. Glaser zu gewinnen. Er baute durch Angliederung der Stuttgarter Firmen R. Knosp und H. Siegle eine ausgezeichnete Verkaufsorganisation auf. 1883 traten Engelhorn und C. Clemm aus der Leitung der BASF aus. Dazu führten Meinungsverschiedenheiten über Fragen der fabrikatorischen Entwicklung, bei denen Engelhorn und C. Clemm von jüngeren aufstrebenden Chemikern und der Stuttgarter Gruppe, welche durch Zukauf von Aktien auf dem freien Markt überraschend stark geworden war, überstimmt wurden. Danach wurde Engelhorn Mitbegründer der Rheinischen Creditbank, der Rheinischen Hypothekenbank, der Mannheimer-Gummi-Gutapercha- und Asbest-Fabrik, der Consolidierten Alkaliwerke AG Westeregeln und anderer mehr. Er war an der Erschließung des Baumschul-Viertels und des Gontardschen Gutes, des Rennerhof- und des Lindenhof-Viertels in Mannheim beteiligt. – KR.

Literatur  
  F. Walter, Chronik d. Stadt Mannheim, 1902, S. 72;  O. Kauffmann, E., in: Alte Mannheimer Familien, hrsg. v. F. Waldeck, 1925, 6. T., S. 47-50 (P);  W. Voigtländer-Tetzner, Bad. Anilin u. Sodafabrik 1865-1925, o. J.ders., Die großen Männer v. Ludwigshafen, in: Amtsbl. d. Ob.bgm. d. Stadt Ludwigshafen/Rhein, Jg. 1941, Nr. 21, S. 12;  O. Flad, in: Bad. Biogrr. VI, 1935, S. 162 f.;  E. Nesseler, Zur Entstehungsgesch. d. Werkes – F. E. z. Gedächtnis, in: Stadtanz. Ludwigshafen v. 6.4.1950;  G. F. Böhn, Ludwigshafen u. d. BASF, in: Die BASF, 1953, H. 2, S. 51 ff.

Portraits  
Ölgem. v. O. Propheter, Abb. b. Kauffmann, s. L.

Autor  
Adolf Leber
Empfohlene Zitierweise  

Leber, Adolf, „Engelhorn, Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 514 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118684744.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 4 (1959), S. 514 f.

Erwähnungen: 
NDB 3 (1957), S. 286*
NDB 22 (2005), S. 767 in Familienartikel Schilling (Schilling von Canstatt, Der südliche Stamm)


GND: 118684744

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Index

Engelhorn, Friedrich

Name: Engelhorn, Friedrich
Lebensdaten: 1821 bis 1902
Geburtsort: Mannheim
Sterbeort: Mannheim
Beruf/Lebensstellung: Chemieindustrieller
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Leber, Adolf
GND: 118684744

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Engelhorn, Friedrich

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