<< Arkel
Armansperg, Joses Ludwig >>
Arletius, Johann Kaspar
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Arletius: M. Johann Kaspar
A.
, schlesischer Polyhistor, geb. 1. Ott 1707 in Breslau, † 20. Jan.
1784, begann seine Studien auf dem Elisa bethan, an
welchem sein Vater Lehrer war, und bezog 1728 die Universitä
Leipzig, um sich der Theologie zu widmen. In Jena, wohin er 1729
ging, zo er Geschichte, Naturwissenschaften und. um die gelehrten
Arbeiten des Auslande
|für sich ausnutzen zu können,
auch neue Sprachen in den Kreis seiner Studien. Das Hebräische mit
den Dialekten war ihm von der Schule her geläufig; arabisch lernte
er später ohne Lehrer. Trotz seiner nach der Rückkehr in die
Heimath glänzend bestandnen Prüfung entsagte
A.
der Theologie, als er in einer Breslauer Kirche
predigend "propter satanicas
suggestiones", wie er es beschrieb, zum Concept hatte greifen
und lesen müssen, und wurde vor der Hand Erzieher der Söhne des
Landesältesten von Fürst und Kupferberg, dessen ausgesuchte
Bibliothek ihn zu Studien über die schlesischen Dichter
veranlaßte. Ohne eigene Bewerbung, nur durch die Bemühungen seiner
Freunde und Verwandten, wurde der grundgelehrte Candidat der
Theologie 1743 zweiter College am Magdalenengymnasium, rückte bald
in die höhern Stellen, wurde 1755 Rector und 1761, wiederum ohne
seine Bewerbung, Rector des Elisabethans und Bibliothekar der
Rhediger'schen Bibliothek, deren Schätze zu würdigen und für sich
nutzbar zu machen er ganz der Mann war. Durch die immerwährenden
Kriege waren die classischen Studien in Verfall gerathen und die
realistische Richtung der Zeit bedrohte sie mit völligem Ruin; ihn
von der seiner Leitung untergebenen Schule abzuwehren, reichte
seine Kraft wol aus, aber um auf weite Kreise bestimmenden Einfluß
zu üben, war
A.
zu specifisch gelehrt. Da fügte es ein glücklicher
Zufall, daß er Friedrich dem Großen, welcher wegen des bairischen
Erbfolgekrieges den Winter von 1778 zu 1779 in Breslau residirte,
persönlich bekannt wurde Sich mit schlesischer Geschichte
beschäftigend, war der König auf die Vermuthung gerathen, Carnovia (Jägerndorf in Schlesien) könne wol
mit dem Carnuntum der Römer identisch
sein.
A.
, an welchen sich der Minister v. Hoym deswegen
wendete, schrieb eine kleine gelehrte Abhandlung, in welcher er
seine abweichende Meinung motivirte. Die Arbeit hatte des Königs
Beifall; der greife Gelehrte mußte trotz seiner Schwerhörigkeit
und seines Hustens im Mai 1779 vor dem Könige erscheinen.
Friedrich unterhielt sich mit ihm über Carnuntum. über Schlesien unter den deutschen
Kaisern, über Latein und Griechisch, Cicero und Demosthenes.
A.
hatte unter den fürchterlichen Augen des Königs, wie
er sie nannte, unbefangen wie am seinem Katheder über den ganzen
Schatz seiner Gelehrsamkeit verfügend gesprochen und dabei die
Gelegenheit wahrgenommen, die Noth der Schule und namentlich die
schlechten Besoldungen der Lehrer dem König freimüthig zu klagen.
"Schade, daß diese Race jetzt ausstirbt", äußerte Friedrich nach
der Audienz zu Herzberg und dem Fürsten Repnin über
A.
Diese Unterredung trug für das Preußische Schulwesen
die wohlthätigsten Früchte. Denn in Folge derselben, wie Graf
Herzberg einem Freunde in Breslau mittheilte, beschied der König
später den Minister Zedlitz zu sich nach Potsdam und "dictirte ihm
eine Vorschrift in die Schreibtafel, wie man künftig in allen
Schulen mehr darauf sehen soll, den jungen Leuten das Lesen und
Studiren der Alten beizubringen".
A.
aber wurde von ihm. 1780 beglückwünscht: "Sie haben
gewiß das Verdienst, daß Sie durch die Unterredung, die Sie mit
dem König zu Breslau gehabt, seinen Eifer für die griechische und
lateinische Sprache angefeuert und dadurch Gelegenheit gegeben
haben, daß er solche dem Herrn v. Zedlitz empfohlen und dieses
Studium nunmehr so fleißig betrieben wird".
A.
war nicht verheirathet; zwei in seinem Nachlasse
gefundene Gedichte bezeugen, daß er in seinen Mannsjahren ernst
und tief geliebt hat; das Fehlschlagen seiner Hoffnungen war ihm
ein Wink von oben gewesen, auf eheliches Glück zu verzichten. Er
lebte blos für seine Studien und sein Amt. Die Freundschaft und
Hochachtung der Besten, ein ausgebreiteter Briefwechsel, in den
letzten Jahren besonders mit Heyne in Göttingen und neben der
Rhediger'schen eine eigene von ihm gesammelte Bibliothek von mehr
als 12000 Bänden ließen
|ihn im Alter nicht einsam.
Außer einigen Aufsätzen im "Neuen Büchersaal der schönen
Wissenschaften", Jahrg. 1748 und 1750, einer "Nachlese zu
Günther's Gedichten", 1741 in Breslau ohne Namen erschienen, und
einer Anzahl zu Schulaufführungen als Gelegenheitsschriften
verfaßter lateinischer und deutscher Dramen ist von ihm nichts
gedruckt. Ueber Martin Opitz hat er lebenslang gesammelt. Als ihn
sein Neffe zur endlichen Herausgabe dieser Arbeit einst
aufforderte, fertigte er ihn mit den Worten ab: "Es ist mir noch
nicht druckerlich". Seinen gesammelten Geistesschatz hat
A.
in die Ewigkeit mitgenommen, dagegen was er an
irdischem Gut im Schulstaube gespart, der Schule hinterlassen,
welcher er 22 Jahre als Rector vorgestanden. Die von ihm für das
Elisabethan gemachten Stiftungen in Höhe von mehr als 13000
Thlrn., jetzt auf das Doppelte angewachsen, haben die Lage der
damals so ärmlich dotirten Lehrer und ihrer Angehörigen erheblich
gebessert und fleißigen Schülern den Weg zum Studiren geebnet.
Seine Münzsammlung hinterließ er der Rhediger'schen
Bibliothek.
Literatur ↑
Joh. Ephr. Scheibel, Lebenslauf des weil. Herrn Joh. Casp.
Arletius. Breslau 1789. — Dr. Jul.
Schmidt, Joh. Caspar Arletius. Beitrag zur Litteraturgesch.
Schlesiens. Breslau 1841. — Dr. Carl Rud.
Fickert: Der Rector zu St. Elisabeth Joh. Casp. Arletius und seine
Stiftungen (in der Sammlung der Jubelschriften für 300jähr.
Jubelfeier des Elisabethgymnas., Breslau 1862.)
Autor ↑
Schimmelpfennig
Empfohlene Zitierweise ↑
Schimmelpfennig, Adolf, „Arletius, Johann Kaspar“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
530-532
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116199105.html?anchor=adb