<< Simon, Jordan Simonis, Johann >>
Leben | Autor | Literatur | Zitierweise
"Säume nicht, dich zu erdreisten,Als der Rest des Parlamentes (das sog. Rumpfparlament) Anfang Juni 1849 nach Stuttgart übersiedelte, war S. bei dem Reste. Er blieb bis zur Sprengung der Versammlung und flüchtete dann im Juli in die Schweiz (nach Horn und Appenzell), wo er ein ziemlich unstätes Leben führte. Mittlerweile wurde er in Trier in contumaciam zum Tode verurtheilt. Die später erlassene Amnestie fand auf S. als früheren preußischen Landwehrofficier keine Anwendung. In der ersten Zeit lebte er in der Ostschweiz, theilweise in den Urkantonen; vom Herbst 1850 bis dahin 1851 vertauschte er seinen Aufenthalt mit dem in Waadt, während er die Jahre 1852 und 53 in Genf und Bern verlebte. Von da unternahm er mancherlei Ausflüge ins Berner Oberland und nach Chamouny. Vom Herbste 1853 bis Sommer 1855 finden wir den unsteten Wanderer in Oberitalien (meist an der Riviera), zuletzt in Nizza, wo er die Vorrede zu seinem zweibändigen Werke "Aus dem Exil" (Gießen 1855, I. 262, II. 356) schrieb. Das Werk schildert seine Erlebnisse und Fahrten vom Rumpfparlamente bis zu seiner Uebersiedlung nach Paris (Juni 1849 bis Juli 1855). Es enthält jedoch nicht bloße Memoiren; es sind ihnen (wie die Vorrede selbst sagt) "häufig Naturbeschreibungen, andre Mittheilungen und manches Wissenswerthe beigefügt". Da S. in der Schweiz trotz wiederholter Versuche keine ihm zusagende Stellung fand, ging er nach Paris und trat dort (1855) als Commis in ein Bankhaus; 1866 gründete er ein eigenes Geschäft, das er nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges (gegen Ende 1870) auflöste. Er verließ Frankreich und nahm seinen Wohnsitz zu Montreux am Genfer See, wo er nach verhältnißmäßig kurzem Aufenthalte — in der Heimath vergessen und verschollen — am 2. Februar 1872 mit Tod abging. Zum Unterschiede von Max Simon aus Wohlau in Schlesien und Heinrich Simon aus Breslau, welch' Letzterer mit unserem S. auf der äußersten Linken in der Paulskirche saß, und sich gleichfalls am Rumpfparlamente betheiligte, führte S. den Namen "Simon von Trier".
Wenn die Menge zaudernd schweift;
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht, — und rasch ergreift."
Eisenhart, August Ritter von, „Simon, Ludwig“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 377-379 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117393991.html?anchor=adb
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NDB 24 (2010), S. 439
ADB 34 (1892), S. 377-379
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