Name
Du Ry, Paul
Namensvarianten
Du Ry, Jean Paul; Ry, Jean Paul du; Du Ry, Jean Paul; DuRy, Paul; Ry, Paul du
Lebensdaten
1640 bis 1714
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Kassel
Beruf/Lebensstellung
Architekt; Städtebauer
Konfession
calvinistisch
Autor NDB
Hans Reuther
Autor ADB
-
GND
124961274

Du Ry, Jean Paul

* Anfang 1640 Paris, 21.6.1714 Kassel.

  • Genealogie

    Aus franz. Architektenfamilie; V Mathurin ( 1674/85), Hofarchitekt in Paris, S des Charles, Hofarchitekt in Paris; K, u. a. Charles Louis (1692–1757), Architekt, führte als Amtsnachfolger s. V ohne starke eigenschöpferische Begabung dessen begonnene Werke weiter; E Simon Louis s. (2).

  • Leben

    D., der Stammvater der für Kassel so bedeutsamen hugenottischen Architektenfamilie, war Schüler des vor allem als Theoretiker hervorgetretenen Baumeisters François Blondel in Paris. Wegen seines calvinistischen Glaubens verfolgt, wanderte er frühzeitig nach den Niederlanden aus, wo er in Maastricht hauptsächlich als Festungsbaumeister tätig war. Hier gewann er Einblicke in den niederländischen Barockklassizismus. 1674-85 war D. wieder in Paris, ehe er erneut kurzen Aufenthalt in den Niederlanden nahm, von wo aus er durch Empfehlung des Statthalters Wilhelm III. von Oranien in Dienste des Landgrafen Karl von Hessen trat, um als Hofbaumeister und Leiter des Ingenieurwesens für die aus Frankreich eingewanderten Hugenotten In Kassel südwestlich der Altstadt die Oberneustadt links der Fulda anzulegen (Baubeginn 1688). Der ein Jahrhundert währende Ausbau wurde von seinem Sohn Charles Louis weitergeführt und von seinem Enkel Simon Louis vollendet. Bei der Oberneustadt folgte D. dem Schema des römischen Castrums: einem rechtwinkligen Block mit zwei Haupt- und zwei Querstraßen und der oktogonalen Karlskirche mit kuppeligem Laternendach (1698-1706, Weihe 1710) als Mittelpunkt. Er sah in dieser Planung bereits eine Erweiterung und durch Niederlegung der Festungswälle zugleich eine Verbindung zur Altstadt vor. Die Straßen- und Platzwände der Oberneustadt wurden durch zwei- oder dreigeschossige verputzte Häuser, teils mit Zwerchgiebeln und Balkons, teils mit ihrer Giebelfront zur Straße, gebildet, die bis zu ihrer weitgehenden Zerstörung im 2. Weltkrieg etwas nüchtern wirkten, sich jedoch durch große Einheitlichkeit und gut abgewogene Maßverhältnisse auszeichneten. In Kassel vollzog D. 1696 den Umbau des Ottoneums zur fürstlichen Kunstkammer, wobei der Portalvorbau mit Doppelbalkon und die Seitenfronten auf ihn zurückgehen; stilistisch ist ihm das 1703-11 erbaute Palais Prinz Wilhelm (zuletzt Landgrafenmuseum), wohl der charakteristischste Hugenottenbau der Stadt, zuzuweisen, ebenso wie das Palais Prinz Georg. Umstritten ist noch seine Mitwirkung an der Orangerie in der Kasseler Karlsaue. 1704 erbaute er die Kirche der Hugenottenkolonie Karlshof bei Kassel als erstes hugenottisches Gotteshaus in Hessen. Der Plan zur 1699 gegründeten Hugenottenstadt Karlshafen/Weser, der ihm vielfach zugeschrieben wird, stammt jedoch von Friedrich Conradi. Die Bauten D.s, vor allem seine Karlskirche, zeigen den niederländischen Barockklassizismus ausgeprägter als den französischen. Daneben beschäftigte sich D. auch mit mathematischen Problemen; seine Schrift „La quadrature du cercle“ blieb unveröffentlicht (Manuskript in der Hessischen Landesbibliothek).

  • Autor

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Du Ry, Jean Paul" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 202 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd124961274.html
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Du Ry, Paul

Du Ry, Paul