<< Dumreicher von Oesterreicher, Johann Christian Armand Freiherr
Dunbar, William Philipps >>
Dumreicher von Oesterreicher, Johann Heinrich Georg Freiherr
Chirurg,
* 13.1.1815 Triest,
† 16.11.1880 Schloß Januševec bei Agram (Kroatien),
⚰ Graz.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joh. D. Edler
v. Oesterreicher (seit 1806, 1769-1848), Großkaufmann in Wien,
S des
Joh. Gg. D. (1713–80) aus Kemptener Ratsgeschlecht, Großkaufmann, dänischer
u. holländischer
Genkonsul,
u. der Marianne Jos.
v. Mercy;
M Amalia Waldburga (1785–1834),
T des
Ferd. Frhr. Fechtig
v. Fechtenberg,
k. k. GR,
Präs. der Obersten Justiz,
u. der Amalia
Kath. Ther.
v. Meßner;
B Alois (1821–84),
k. u. k. GR u. Gesandter, 1856-66
Dir. der Bundeskanzlei in Frankfurt/Main;
⚭ Freiburg (Breisgau) 1844 Franziska (1820–87),
T des Stadtrats
u. Handelsmanns Christian Sautier in Freiburg
u. der Maria Anna Billet; 7
K,
u. a. Armand
s. (1).
Leben ↑
Dumreicher von Oesterreicher studierte in Verona Physik und in Wien Medizin (Promotion 1838). 1839 finden wir ihn als Zögling des Operateur-Instituts, 1841 als Assistenten der chirurgischen Klinik Wattmann, 1844 wurde er zum „akademischen Dozenten der praktischen Chirurgie, Nosologie und Operationslehre” ernannt. 1846 wurde er Primachirurg, 1848 Direktionsadjunkt im Allgemeinen Krankenhaus. Nach der Absetzung J. von Wattmanns in den Revolutionstagen erhielt Dumreicher von Oesterreicher 1849 als Ordinarius die Leitung der Klinik, die er bis 1879 innehatte. – 1866 wurde Dumreicher von Oesterreicher mit der Aufgabe betraut, nach der Schlacht von Königgrätz den Kriegsschauplatz zu bereisen, die Feldspitäler zu besichtigen und Maßnahmen als oberster Sanitätschef zu veranlassen. Die Reorganisation des Militärsanitätswesens – die im Anschluß an die furchtbaren Zustände im Felde und in den Lazaretten als notwendig erkannt wurde – ist im wesentlichen sein Verdienst. Der Antiseptik gestattete Dumreicher von Oesterreicher erst spät den Einzug in die Klinik, wie er überhaupt Neuerungen skeptisch gegenüberstand und sie erst akzeptierte, wenn sie sich bewährt hatten. Dumreicher von Oesterreicher war als Operateur bemüht, einen chirurgischen Eingriff möglichst klein und schonend auszuführen, so zerstückelte er bei einer Nekrotomie lieber den Sequester, als daß er ihn durch Entfernung gesunder Knochenteile freigelegt hätte. Er war – wie Billroth – ein Gegner der damals gepriesenen Resektion kariöser Gelenke. Von ihm stammt der Vorschlag, zur Maskierung einer unheilbaren Fazialislähmung den Nerven facialis der anderen Seite zu durchschneiden. Dumreicher von Oesterreicher beschäftigte sich als erster Kliniker in Wien mit orthopädischen Fragen, so in einer Arbeit über Verrenkung des Hüftgelenks. Sein Vorschlag, die verzögerte Kallusbildung durch Stauung anzuregen, fand zu seiner Zeit beträchtliche Beachtung. – Dumreicher von Oesterreichers literarische Tätigkeit war von nur geringer Bedeutung, jedoch war er ein ausgezeichneter Lehrer, ein meisterhafter Chirurg, dem es gegeben war,
|eine große Anzahl bedeutender Schüler um sich zu sammeln. Zu diesen gehörten Ed. Albert, Wenzel von Linhart, Leopold von Dittel, Robert Ultzmann, Albert von Mosetig, Carl Nicoladoni, Johann Ed. Hofmokl, Josef Englisch, M. von Zeissl junior.
Werke ↑
De unione medicinae et chirurgiae,
Diss. Wien 1838; Statistik d. chir. Klinik, in: Wochenbl. d.
Zs. d.
k. k. Ges. d. Ärzte in Wien, 1855, S. 5; Zur Lazarethfrage, Erwiderung an
Prof. v. Langenbeck, 1867; Über d. Nothwendigkeit
v. Reformen d. Unterrichtes an d.
med. Facultäten Österreichs, 1878.
Literatur ↑
ADB 48;
M. Heitler, in:
Mitt. d. Wiener
med. Doctoren-Coll., 1880, VI, S. 291;
B. Kraus, in: Allg. Wiener
med. Ztg., 1880,
Nr. 47;
E. Albert, in: Wiener
Med. Presse. 1881,
Nr. 18;
A.
v. Eiseisberg, Gedächtnisrede, 1901;
P. Clairmont, in: Wiener klin.
Wschr., 1935,
Nr. 29
u. 30;
L. Schönbauer, Das
med. Wien,
21947;
Wurzbach;
BLÄ.
Portraits ↑
Büste
v. A. E. Saff, 1901 (Arkaden d.
Univ. Wien).
Autor ↑
Leopold SchönbauerEmpfohlene Zitierweise ↑
Schönbauer, Leopold, „Dumreicher von Oesterreicher, Johann Heinrich Georg Freiherr“,
in: Neue Deutsche Biographie
4
(1959), S.
192 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116251107.html
<< Dumrath, Valentin
Duncker, Alexander >>
Dumreicher, Johann von
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Dumreicher: Johann v. D. (in den Freiherrnstand 1866 erhoben als
D. v. Oesterreicher), Chirurg, wurde am 15. Januar 1815 in Triest geboren. In Wien ausgebildet und 1838 promovirt, war er bei Wattmann Assistent und 1846 Primarchirurg. Als Schuh für Wattmann eintrat, übernahm
D. die zweite chirurgische Klinik. Ganz hingegeben der Lehraufgabe, hat
D. nur wenige größere Arbeiten veröffentlicht, so die über Hüftgelenkluxation, über einen Eisenbahnapparat zur Verwendung bei Knochenbrüchen, über Wundbehandlung (letztere in der Wiener med. Wochenschr.). Nach dem Kriege von 1866, in welchem er sich die volle Zufriedenheit der österreichischen Behörden erwarb, trat er gegen v. Langenbeck polemisch auf und schrieb 1877 gegen das moderne Unterrichtswesen. Lange herzleidend, starb v.
D. am 16. November 1880 auf seinem Landgute bei Agram. Seine Richtung in der Chirurgie war eine im wesentlichen conservative; mit seinem Specialcollegen Schuh, resp. später Billroth harmonirte er wenig und widersetzte sich hartnäckig der Lister'schen Antisepsis.
Literatur ↑
Vgl. Biogr. Lex. etc. ed. Pagel, S. 426.
Autor ↑
Pagel.Empfohlene Zitierweise ↑
Pagel, Julius Leopold, „Dumreicher, Johann von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
48
(1904), S.
168
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116251107.html?anchor=adb
Dumreicher von Oesterreicher, Johann Freiherr
Name: Dumreicher von Oesterreicher, Johann Freiherr
Namensvariante: Dumreicher von Österreicher, Johann Heinrich Georg Freiherr
Namensvariante: Dumreicher, Johann Heinrich Georg Freiherr von
Namensvariante: Dumreicher, Johann Freiherr von
Lebensdaten: 1815 bis 1880
Geburtsort: Triest
Sterbeort: Schloß Januševec bei Agram (Kroatien)
Beruf/Lebensstellung: Chirurg
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Schönbauer, LeopoldAutor ADB:
Pagel, Julius LeopoldPND: 116251107