<< Schwarz, David
Schwarz, Eduard (Ede)
Mediziner, Anthropologe, Forschungsreisender,
* 13.9.1831 Miskolcz (Miskolc, Ungarn),
† 22.9.1862 Wien. (jüdisch)
Genealogie
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Genealogie ↑
V N. N.,
Kaufm., seit 1832 in Budapest;
M Rosalie Knapp (
† 1854);
Om Karl Knapp, Opernsänger in Prag; – ledig.
Leben ↑
S. zog im ersten Lebensjahr mit seinen Eltern nach Budapest. Mit neun Jahren trat er in die
jüd. Normalschule und später in das Piaristen-Gymnasium ein. Im Revolutionsjahr 1848 kämpfte er auf Seiten der Aufständischen. Im selben Jahr übersiedelte er zu seinem Onkel, dem Opernsänger Karl Knapp nach Prag, wo er das Gymnasium abschloß. Er begann in Pest mit einem Medizinstudium, das er 1851 in Wien fortsetzte und 1856 als
Dr. med. et chir. beendete. Im selben Jahr trat er eine Stelle als Assistenzarzt im Wiener Allgemeinen Krankenhaus an und wurde unter mehr als 300 Ärzten ausgewählt, an der Weltumsegelung der
österr. Fregatte „Novara“ (1857-59) als Schiffsarzt teilzunehmen. Gemeinsam mit dem Gärtner Anton Jel(l)inek, sollte er zusätzlich den Bereich Botanik betreuen, überließ die botanische Sammeltätigkeit während der Expedition indes fast zur Gänze Jelinek. Hingegen erwarb
S. sich große Verdienste durch seine medizinischen Mitteilungen. Er stellte die Krankengeschichten aller Besatzungsmitglieder zusammen, versuchte die Ursachen für die Erkrankungen zu ermitteln und leitete daraus allgemeine Richtlinien für Seereisen ab. Seine Ergebnisse legte er
u. a. in seinem Hauptwerk „Reise der
österr. Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859 unter d. Befehl d. Commodore B.
v. Wüllerstorf-Urbair“ (
Med. T., 1.
Bd., 1861) dar. Ferner wandte er sich immer mehr anthropologischen Arbeiten zu. Mit selbst konstruierten Meßinstrumenten, wie Ergometer und Federwaage, Gesichtsmesser (Prosopometer) und Kiefermesser (Gnotometer) nahm er an Eingeborenen, die man im Verlauf der Reise besuchte, Körpermessungen vor. Unterstützt wurde
S. dabei
v. a. von dem Chef-Schiffsarzt Franz Seligmann (1809–89). Seine hauptsächlich aus anthropologischem Material bestehenden Sammlungen (
u. a. 92 Schädelskelette) füllten mehr als 50 Kisten. Mehr als die Hälfte der in Wien angelangten für das Naturhistorische Museum bestimmten Sammlungsmaterialien stammten von
S. Sie bildeten den Grundstock der auf Vorschlag von Ferdinand Hochstetter (1829–84) 1876 gegründeten anthropologischen Sammlung.
S. kehrte schwer tuberkulosekrank nach Österreich zurück und konnte seine Sammlungen selbst nur noch zu einem Teil auswerten. Seine Meßinstrumente wurden 1862 bei der Londoner Weltausstellung präsentiert. Auch ein längerer von
Ehzg. Ferdinand Max 1861 finanzierter Forschungs- und Erholungsaufenthalt in Oberägypten konnte ihn nicht mehr heilen.
Werke ↑
Corr. v. S. M. Fregatte „Novara“, in:
Zs. d.
k. k. Ges. d. Ärzte zu Wien 14, 1858, S. 28 f.;
Über d. Guinea-Wurm (Filaria medinensis),
ebd., S. 31 f.;
Chines. Ärzte u. Medicamente,
ebd. 15, 1859, S. 38-43;
Die Nahrungsmittel d. Tahitier,
ebd. 15, 1859, S. 36;
Über Körpermessungen, als Behelf
z. Diagnostik d. Menschenracen, in:
Mitt. d.
k. k. Geograph.
Ges. 3, 1859 (mit K.
v. Scherzer, auch selbst,
ersch.);
A system of anthropological investigatons as a means for the differential diagnosis of human race, 1862;
–
Wiss. Teilnachlaß: Naturhist.
Mus., Wien.
Literatur ↑
Allg. Ill. Judenztg. 3, 1862, S. 330 ff.
(P);
Neue Freie Presse 23.9.1909;
Wiener
Med. Wschr. 12, 1862,
Sp. 651 ff.;
I. Reich. Beth-El. Ehrentempel verdienter
ungar. Israeliten, IL
21868, S. 382 ff.
(P);
Wurzbach;
BLÄ;
Wininger;
ÖBL;
Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft.
Autor ↑
Christa Riedl-DornEmpfohlene Zitierweise ↑
Riedl-Dorn, Christa, „Schwarz, Eduard“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
806
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz118098.html
Schwarz, Eduard
Name: Schwarz, Eduard
Namensvariante: Schwarz, Ede
Lebensdaten: 1831 bis 1862
Geburtsort: Miskolcz (Miskolc, Ungarn)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Mediziner; Anthropologe; Forschungsreisender
Konfession: jüdisch
Autor NDB:
Riedl-Dorn, Christa