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Schwarz, Adolf Arye

Rabbiner, Talmud-Gelehrter, * 17.7.1846 Adász-Tevel (Ungarn), 13.2.1931 Wien.


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Jakob, Rabbiner in A.-T.; M N. N.; Risa Schwarz (1859–1939), aus Graz (?); 1 S Arthur (1880–1939, Alice Pappenheim, 1882-1960 Gymn.lehrerin), Dr. phil., Rabbiner in W., Gel., Bibliograph, emigrierte 1939 n. Palästina (s. BHdE II; Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft), 1 T Rosa Rachel (1889–1978), Malerin, Gymn.lehrerin, Leiterin d. isr. Jugendfürsorge in W., emigrierte 1940 n. Palästina, dann in d. USA, schließlich n. Israel; 4 E Elizabeth Harding (* 1908), Dr. phil., Psychoanalytikerin, emigrierte 1938 n. Großbritannien, Tamar (Anna Helene) (* 1917, Teddy [Theodore] Kollek, 1911–2007, Bgm. v. Jerusalem, Dr. h. c. mult., s. BHdE I; Munzinger, S d. Alfred Kollek, Dir. d. Rothschildbank in W.), Lehrerin, emigrierte 1937 n. Palästina, Binyamin (Hans Theodor) (* 1919), Prof. f. Math. in Madison (Wisc.), Carnegie-Mellon Univ., Pirtsburgh (Penn.), Haifa (Israel), emigriete 1938 (s. BHdE II; Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft), Schoschana (Susanne Margarete) Grünberger (* 1922), Lehrerin, emigirierte 1938 n. Palästina.

Leben  
S. besuchte nach erstem Unterricht bei st nem Vater das Gymnasium in Pápa (Ungarn), studierte 1866/67 Philologie und Sanskrit an der Univ. Wien und hörte Vorlesungen a jüd. Bet ha-Midrasch bei Adolf Jellinek (1820–93) und Isak Hirsch Weiss (1815–1905). Danach ging er zur Promotion nach Breslau an die Universität sowie an das renommierte konservativ ausgerichtete Jüd.-theol. Seminar, wo er zu einem Lieblingsschüler Zacharias Frankels (1801–75) wurde. Eine wissenschaftliche Arbeit über den jüd. Kalender erhielt den Seminarpreis. Da sich eine Berufung als Gründungsdirektor der ungar. Landes-Rabbinerschule nach Budapest verzögerte, nahm S. 1874 einen Ruf a „Stadt- und Conferenzrabbiner“ in die reformfreundliche Karlsruher Gemeinde an. Hier veröffentlichte er zahlreiche Predigten sowie einige Studien zur Tosefta, in denen er diese mittelalterlichen „Ergänzungen“ zum Talmud im wesentlichen in ihrem Verhältnis zur Mischnah untersuchte. 1893 wurde S. als Gründungsrektor an die Israelitisch-theol. Lehranstalt nach Wien berufen. Nun v. a. der Lehre und Forschung verpflichtet, wandte er sich neben weiteren Tosefta- und Mischnah Studien verstärkt der Analyse talmudischer Gelehrsamkeit und ihrer Methodik zu. Hierzu hatte er noch in Karlsruhe eine Studie zu den Kontroversen der Schulen Hillels und Schammais erarbeitet, in der er aufgezeigt hatte, daß diese sich im wesentlichen um hermeneutische Fragen drehten. Sodan widmete er in den folgenden 30 Jahren der rabbinischen Hermeneutik, v. a. den Auslegungsregeln Hillels, eine Reihe umfangreicher und wegweisender Studien. Indem er die Wiener Lehranstalt gemäß jener seine Lehrers Frankel in Breslau leitete, wurde sie unter S.s Leitung zu einer Institution von internationalem Rang. Dies zeigt etwa der „Gotteslästerungsprozess“ gegen Theodor Fritsch (1852–1930), in dem S. 1914 einer der jüd. Gutachter (gegen Rudolf Kittel, 1853–1929) war. Im Rahmen des Wiener Lehrbetrieb stand für S. das wissenschaftliche Studium des Talmuds im Mittelpunkt. In seinen Kursen bemühte er sich um einen eher systematischen Zugang zu Halachah und Talmud. In diesem Sinne hatte er sich bereits 1905 mit dem halachischen Hauptwerk von Moses ben Maimon (Mainionides, 1138–1204), der „Mischneh Torah“, intensiv beschäftigt. Seit dem Ende des 1. Weltkriegs gewann er zunehmend Sympathie für die Aktivitäten der zionistischen Bewegung in Palästina, was 1920 seinen Niederschlag in der Einrichtung eines Lehrstuhls für Neuhebräisch fand.

Auszeichnungen  
HR (1926).

Werke  
Der jüd. Kal., hist. u. astronom. unters., 1872; Sabbathpredigten (…), 5 T., 1879-83; Festpredigten f. alle Hauptfeiertage d. J., 1884; Predigten. NF, 1892; Die Controversen der Schammaiten u. Hilleliten, 1890, 21893; Der Mischneh Torah, 1905; Die hermeneut. Analogie in d. talmud. Litt., 1897; Der hermeneut. Syllogismus in d. talmud. Litt., 1901 Die hermeneut. Induktion in d. talmud. Litt., 1901; Die hermeneut. Antinomie in d. talmud. Lit., 1913; Die hermeneut. Quantitätsrelation in d. talmud. Lit., 1916; Der hermeneut. Kontext in d. talmud. Lit., 1921; |

Nachlass  
Nachlaß: Univ.archiv Wien.

Literatur  
S. Krauss, in: Allg. Ztg. d. Judentums 1916, S. 332-34 (P); ders., in: Die Wahrheit, 20.2.1931 S. 4 f.; A. S. z. 70. Geb.tage, 1917 (FS, mit W-Verz.); Minchat Bikkurim, 1926 (FS z. 80. Geb.tag); Neue Freie Presse, 14. (Abendausg.) u. 15.2.1931; G. Sicher, in: Sefer ha-Sikaron le-Beit ha Midrasch le-Rabbanim be-Vinah, 1946, S. 17-24; Heinz Schmitt (Hg.), Juden in Karlsruhe, 1988; P. Steines, Hun|derttausend Steine, 1993, S. 190 (P); P. Landesmann, Rabbiner aus Wien, 1997 (P); Ch. Wiese, Wiss. d. Judentums u. prot. Theol. im wilhelmin. Dtld., 1999, S. 206-31; Wininger; Jüd. Lex. (P); Enc. Jud. 1971 (P); ÖBL; Das Jb. d. Wiener Ges., hg. v. F. Planer, 1929; Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft.

Autor  
Marcus Pyka
Empfohlene Zitierweise  

Pyka, Marcus, „Schwarz, Adolf Arye“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 803-804 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz118079.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 803-804

PND:
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Index

Schwarz, Adolf

Name: Schwarz, Adolf
Namensvariante: Schwarz, Adolf Arye
Lebensdaten: 1846 bis 1931
Geburtsort: Adász-Tevel (Ungarn)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Rabbiner; Talmudgelehrter
Konfession: jüdisch
Autor NDB: Pyka, Marcus