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NDB-Artikel

<< Schwanhardt, Heinrich     Schwann, Theodor Ambrose Hubert >>

Schwann, Mathieu (eigentlich Matthias Franz Josef)

Archivar, Schriftsteller, * 22.6.1859 (Bad) Godesberg bei Bonn, 21.5.1939 Bergisch Gladbach. (katholisch, später konfessionslos)


GenealogieLebenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Franz Josef (1809–1900), Dr. med., Arzt in Godesberg, Sanitätsrat; M Sophia Susanna Willems (1828–92); 1) München 1882 Elisabeth Rosenthal (1857–1927, ev.), aus Hamburg, 2) London 1897 Gertrud (1876–1908, ev.), aus Zürich, T d. Walter Kempin (1850–1926), Dr. phil., Pfarrer in Enge (Kt. Zürich), Mil.instruktor, schweizer. Feldprediger, dann Pol., 1882 Mitgründer u. erster Präs. d. Schweiz. Centralver. vom Rothen Kreuz, 1891-95 Anwalt (s. Biogr. Lex. verstorbener Schweizer II; HLS), u. d. Emilie Spyri (1853–1901), Dr. iur. utr. , erste habilitierte Juristin in d. Schweiz (s. L); 1 S aus 1). 1 T aus 1), 2 S aus 2) u. a. Hermann (1899–1977, ev.), aus Niederhochstadt (Hessen), Dipl.-Landwirt, 1924-33 Geschäftsführer bzw. stellv. Vors. d. DVP in Köln, 1934 Gründer u. Leiter d. Saatgutstelle in Berlin, 1941 Oberkriegsverw.rat b. Stab Ost, 1943-45 Gen.dir. d. böhm.-mähr. Saatgutstelle in Prag u. Brünn, seit 1948 Landwirt in Berg. Gladbach (Nordrhein-Westfalen), 1948 Kreisvors. d. FDP ebd., 1950-53 LT-Abg. (FDP) in Nordrhein-Westfalen, 1953-57 MdB (FDP), 1958 Mitgl. d Bundesvorstands d. FDP, 1965-68 Vors. d. Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD), seit 1971 Vors. d. Dt. China-Ges. (s. Munzinger; Biogr. Hdb. MdB), 1 T aus 2); Verwandte Johann Baptist, Stadtsekr. in Bonn, Matthias Menn ( Margarethe Willems), Kaufm. in Köln; Tante-m d. 2. Ehefrau Johanna Spyri (1829–1901, Johann Bernhard Spyri, Jur., RA, Stadtschreiber in Zürich), Jugendschriftst. (s. Killy), T d. Johann Jakob Heusser (1783–1859), Arzt in Zürich (s. HLS), u. d. Meta Schweizer (1797–1876), pietist. Lyrikerin (s. NDB IX; HLS).

Leben  
S. verließ in der Obersekunda das Gymnasium, absolvierte eine Apothekerlehre und studierte an Konservatorien in Köln und München Gesang. Während des Einjährig-Freiwilligen Militärdienstes 1881/82 zog er sich einen Stimmbandriß zu. Er ging daher nach Bonn zum Studium von Philosophie, Literaturgeschichte und Anthropologie, das er in München mit Geschichte fortsetzte; die Promotion zum Dr. phil. erfolgte 1887 in Heidelberg mit einer Arbeit über die diplomatischen Verhandlungen zum Füssener Frieden. S. übernahm einige Auftragsarbeiten, u. a. auf Vermittlung seines akademischen Lehrers Karl Theodor v. Heigel (1842–1915) die Abfassung einer Geschichte Bayerns. Nebenher schrieb er Gedichte, Novellen sowie zunehmend antiklerikale und antimonarchistische Abhandlungen, u. a. für die „Zukunft" und den „Simplicissimus". 1893 übersiedelte er nach Zürich, von wo er nach einem fehlgeschlagenen Habilitationsversuch nach Deutschland zurückkehrte. Seit 1897 war er freier Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung“ und der „Kölnischen Zeitung“, deren Herausgeber Josef Neven DuMont (1857–1915) ihn 1903 zur Bearbeitung der|Akten der Kölner Handelskammer und einer mehrbändigen Publikation zu ihrer Geschichte verpflichtete, von der S. jedoch nur den ersten Band fertigstellte (1906). Im selben Jahr wurde S. hauptamtlicher Archivar bei der Handelskammer und damit erster hauptamtlich tätiger Wirtschaftsarchivar Deutschlands für das im Herbst 1906 gegründete „Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv“, das erste regionale Wirtschaftsarchiv überhaupt. Seit Anfang 1907 organisierte S. erste Aktenübernahmen, u. a. die des „A. Schaaffhausen'schen Bankvereins“, des Nachlasses von William Thomas Mulvany (1806–85) und mehrerer Handelskammern. Es gelang ihm, in seiner Amtszeit über 100 Bestände einzuwerben. S. band eine große Zahl von Förderern an das Archiv. Er gründete eine eigene Schriftenreihe des Archivs, richtete eine Firmenfestschriftensammlung ein und gab erste Anregungen für eine Sammlung von Unternehmerbiographien. S. betrieb die für Archive damals unübliche Öffentlichkeitsarbeit. Er publizierte 1925 u. a. eine dreibändige Biographie mit Originalquellen aus dem Nachlaß des preuß. Ministerpräsidenten, Bankiers und vormaligen Handelskammerpräsidenten Ludolf Camphausen (1803–90). 1919 ging er in den Ruhestand, bis zu seinem Tod lebte er als freier Schriftsteller in Bergisch Gladbach.

Werke  
u. a. Ill. Gesch. v. Bayern. Bd. 1-3, 1890; Heinrich Emanuel, Gesch. e. Jugend, 1895 (autobiogr. Roman); Sophia, Sprossen zu e. Philos. d. Lebens, 1897; Gesch. d. Kölner Handelskammer, 1906; Der Sinn d. dt. Gesch., 1916; Vom Staate, Vom Staate, Abhh. über d. biol. Aufbau, d. naturgesetzl. u. geschichtl. Entwicklung v. Volk u. Staat, 1918.

Literatur  
K. van Eyll. Voraussetzungen u. Entwicklungslinien v. Wirtsch.archiven bis z. Zweiten Weltkrieg, 1969; W. Leesch, Archivare als Dichter, in: Archival. Zs. 78, 1993, S. 1-189, hier S. 138 ff. u. 178 f.; Wi. 1922-1935: Nassau. Biogr.; |

Nachlass  
Nachlaß: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv. Köln; – zu Emilie Kempin-Spyri: M. Delfosse, E. K.-S. (1853-1901). Das Wirken d. ersten Schweizer Juristin unter bes. Berücksichtigung ihres Einsatzes f. d. Rechte d. Frau im schweizer, u. dt. Privatrecht. Diss. Zürich 1994; Ch. Berneike, Die Frauenfrage ist Rechtsfrage, Die Juristinnen d. dt. Frauenbewegung u. d. bürgerl. Gesetzbuch, 1995; BJ VI, Tl.;Biogr. Lex. verstorbener Schweizer II; Schweizer Lex.

Autor  
Ulrich S. Soénius
Empfohlene Zitierweise  

Soénius, Ulrich S., „Schwann, Mathieu“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 787-788 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117351369.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 787-788

PND: 117351369
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Index

Schwann, Mathieu

Name: Schwann, Mathieu
Namensvariante: Schwann, Matthias Franz Josef
Lebensdaten: 1859 bis 1939
Geburtsort: (Bad) Godesberg bei Bonn
Beruf/Lebensstellung: Archivar; Schriftsteller
Konfession: katholisch; konfessionslos
Autor NDB: Soénius, Ulrich S.
PND: 117351369

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Schwann, Mathieu

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